Aus Jogis Ballwegschlagen wird so langsam ein kleiner Medienskandal: Denn nach dem DJV und der ARD hat sich jetzt auch das ZDF zu Wort gemeldet. Während die Journalisten-Gewerkschaft von UEFA und ZDF fordert, die Manipulation der Fernsehbilder umgehend aufzuklären und für den Fall der Bestätigung die Gefahr einer Wiederholung auszuschließen, sagte der ZDF-Chefredakteur Peter Frey, dass er erwarte, dass die UEFA das ZDF künftig darauf hinweist, ob sie während einer Live-Übertragung aufgezeichnetes Material verwendet.
Weiter sagte er: ""Wir haben bei der UEFA moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder. Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards." Allerdings war bislang auch von einigen Stadien-Vorfällen in der TV-Übertragung nichts zu sehen.
So erfuhren die Zuschauer nur dank des TV-Moderators, dass die Grünen-Europaabgeordneten Rebecca Harms und Werner Schulz während der Partie Deutschland gegen Niederlande ein Banner mit der Aufschrift "Fairplay in Fußball und Politik" hochhielten. Auch ein Flitzer, der Slaven Billic ein Kuss auf die Wange drückte war nicht zu sehen, genauso wie der exzessive Einsatz von Pyrotechnik in diesem Match. Immerhin ließen sich die Rauchschwaden nicht rausschneiden.
In Deutschland konzentriert sich die Diskussion immer noch auf die Szene, als im Livebild zu sehen war, wie Löw einem Balljungen den Ball wegschlägt. Die Aktion war ein kleiner sympathischer Spaß. Sie fand allerdings bereits vor der Partie statt.
"Die Öffentlichkeit hat über die Gebührenzahler hinaus Anspruch auf eine authentische Berichterstattung und Aufklärung darüber, ob es tatsächlich manipulierte Bilder gegeben hat", mahnt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken und fügt hinzu, eine Manipulation müsse zu einem ganz erheblichen Vertrauensverlust dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen gegenüber führen. "Bislang reklamieren die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland hohe journalistische Standards für sich, bei der Übernahme der von Dritten erstellten Bilder hätten solche Manipulationen vertraglich ausgeschlossen werden müssen."
Gegenüber Welt Online sagte der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: "Wir legen großen Wert darauf, den Zuschauern die Realität zu zeigen. Wir befinden uns derzeit in einem Klärungsprozess und werden das Gespräch mit der UEFA suchen. Denn eins ist ganz klar: Wir werden keine Zensur akzeptieren. Uns ist sehr wichtig, dass wir die Realität abbilden. Was den Fall mit Löw und dem Balljungen betrifft, so kann es schon mal sein, dass Bilder vor dem Spiel aufgenommen und später eingespielt werden. Dann ist es jedoch wichtig, dass die UEFA die TV-Anbieter darüber informiert, damit der Reporter in der Lage ist, dem Zuschauer mitzuteilen, ob die Bilder vorab oder soeben entstanden sind. Wir werden mit der Uefa dezidiert reden. Die Botschaft ist klar: Es darf keine Zensur geben."
ARD-Teamchef Jörg Schönenborn hält die Kritik an der UEFA aber für "überzogen". "Wir arbeiten mit ihr sehr gut zusammen. Natürlich wäre für uns jede Form von Zensur oder Manipulation nicht tragbar. Gerade deshalb haben wir gegenüber der UEFA sehr deutlich gemacht, dass das deutsche Publikum erwartet, dass live drin ist, wenn live drauf steht. Live ist live und muss liev bleiben."
Letzte Kommentare
16.06.12 17:39
Frederik Weiss
In ARD und ZDF von hohen journalistischen Standards zu reden, ist schon verwegen. Was da von Journalisten, angelernten "Sportreportern" und self-made-Moderatoren alles geboten wird, läßt Verwunderung über die Leichtigkeit deren Mattscheiben-Seins aufkommen.
Gegenüber der UEFA nun mit dem angeblich auf authentisch gebürsteten "Gebührenzahler" zu argumentieren lässt zumindest die Vermutung zu, dass die öffentlich-rechtlichen "Anstalten" gelegentlich begreifen, woher die riesigen Summen für solche Events kommen.
Dass der Gebührenzahler sich mit einer völlig verkorksten "ZDF-Strandzentrale" an der Ostsee, oder mit einem journalistisch, fachlich und kommödiantisch eher unterirdischen ARD-Club von "Waldi" in Leipzig abspeisen lassen muß, interessiert die Sport- und Programmoberen offensichtlich nicht.
Was Fußball-Events mit einer Frittenkette (Fastfood-Werbung), bzw. mit Alkohol (Bierwerbung) zu tun haben, hat sich mir noch nie erschlossen. Darüber sollten sich ARD und ZDF im Sinne der Gebührenzahlergesundheit ernsthaft Gedanken machen. Wenn der mögliche Sportnachwuchs überfettet, oder betrunken auf der Couch liegt, dürfte das doch weder im Sinne der Sportwelt, noch im Sinne der überalimentierten Sender sein.
Sport und Fernsehen - da gäbe es viel zu überlegen, anstatt Gags von Löw mit Balljungen zu monieren. Sport nähert sich in den Medien immer mehr der Politik: Man bläst Unmengen von Kleinigkeiten auf, um von den echten, existenziellen Problemen abzulenken.
15.06.12 20:46
Harald Posny
Fast könnte man glauben, dieses mafiöse Getue von UEFA(auch FIFA) sollte in dieser Szene den deutscnen Fußball diskreditieren. Und dann noch in "Schurkenstaaten. Und die UEFA deckt solches Verhalten, weil sie sich Sorgen um deren Stimmen bei den nächsten Fußball-Präsidenten-Wahlen machen.