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Offener Brief des „Nordkurier“-Chefredakteurs

„Honorare sind unterirdisch niedrig“

Die Debatte um Qualität und eine angemessene Entlohnung freier Journalisten bekommt durch einen offenen Brief des „Nordkurier“-Chefredakteurs Michael Seidel neue Nahrung. Seidel schreibt: „Die Honorare, welche wir unseren Mitarbeitern zahlen, sind unterirdisch niedrig. So wie die Honorare der meisten freien Mitarbeiter fast aller Tageszeitungen in diesem Land.“ Anlass für dieses Bekenntnis ist der Wirbel um eine in den Medien missverstandene Honorar-Reform beim „Nordkurier“.

So schreibt der „Nordkurier“ seine Aufträge an freie Mitarbeiter seit kurzem über eine Online-Plattform aus. Durch einen Text der „Süddeutschen Zeitung“, der zu großen Teilen eine Mitteilung der Journalisten-Gewerkschaft DJV wiedergegeben hat, entstand der Eindruck, dass sich Mitarbeiter gegenseitig bei den Honoraren unterbieten könnten. Dies ist aber nicht der Fall, es werden Honorar-Pauschalen gezahlt. „Nordkurier“-Chefredakteur Seidel klagt nun seinerseits die Gewerkschaften DJV und Verdi an, das Image des „Nordkurier“ und seiner Geschäftsführung nachhaltig beschädigen zu wollen: „Alle Angriffe von DJV und Verdi – ob es ums vermeintliche Honorardumping geht oder die Behauptung, wir würden absichtsvoll die Demokratie insgesamt gefährden, weil wir mit einem benachbarten Zeitungshaus kooperieren, haben nur diesen einen Grund: das Ringen um Macht und Einfluss in den Betrieben, welche die Grundlage jeder Gewerkschaft ist“, schreibt Seidel in seinem offenen Brief.

In Wahrheit, so Seidel weiter, interessierten sich DJV und Verdi nicht für die Mitarbeiter. Er verweist darauf, dass die Kurierverlagsgruppe den angestellten Mitarbeitern Gehälter zahlt, die über das doppelte des Durchschnittslohns in der Region hinausgehen. Das Verlassen der Tarifgemeinschaft 2007 sei ein Schritt zur Rettung des gesamten Unternehmens gewesen.

Was die „unterirdisch niedrigen“ Honorare für freie Mitarbeiter betrifft, so schreibt Seidel: „Ich wünschte, das wäre anders. Wir schätzen unsere freien Mitarbeiter sehr und ich bedaure, dass wir sie nicht besser bezahlen können.“ „Nordkurier“-Geschäftsführer Lutz Schumacher hatte zuvor bekannt, die Mehrzahl der freien Mitarbeiter der Zeitung bestünden aus „Hausfrauen, Studenten und pensionierten Lehrern“. Alles in allem bemerkenswert offene Worte.

14.05.2009

Stefan Winterbauer

Interessante Links im Web

Pressemitteilung des "Nordkurier" zum Artikel der "Süddeutschen Zeitung"

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  • 21.04.2009 Honorare 2009: Leben mit 10 Cent pro Zeile
  • 09.01.2009 „Nordkurier“: Aus für Mantelredaktion
  • 26.09.2008 Nordkurier will 37 Mitarbeitern kündigen

Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 1 von 1

25.05.09 15:21

Michael Fengler Website

Es klingt wie Hohn, wenn Lutz Schumacher an anderem Ort (http://www.freischreiber.de/home/nordkurier-doch-nicht-so-schlimm) davon spricht "Ein etwas anders formulierter Text, ein wenige Sekunden später gemachtes Foto des gleichen Motivs kann jederzeit am freien Markt angeboten und verkauft werden." Welchem freien Markt denn? Im Verbreitungsgebiet des Nordkurier erscheint nur der Nordkurier, respektive UckermarkKurier. Es gibt den freien Markt für Lokalberichterstattung in Vorpommern und Mecklenburg-Strelitz nicht. Die Anzeigenblätter klammere ich dabei bewusst aus. Die Scheinargumente für das Onlineportal finde ich lächerlich und die Zahl 2000 für die freien Mitarbeiter unglaubwürdig. Es muss die Frage gestattet sein, wieviele Karteileichen Herr Schumacher dabei mitzählt und was diese freien Mitarbeiter denn überhaupt noch zu den Lokalteilen beitragen können, wenn er selbst an anderem Ort (Stefan Niggemeier, Wutmäander zur Qualitätsdebatte, Kommentar 207) sagt: "In dieser Gegend gibt es kaum professionelle freie Mitarbeiter, weswegen wir bei bestimmten Themen (Sportergebnisse, Bastelnachmittage etc.) auf Mitarbeiter zurückgreifen, die im Hauptberuf Hausfrau, Rentner oder Schüler sind. Den ganz, ganz überwiegenden Teil unserer aus meiner Sicht gut gemachten Lokalteile bestreiten jedoch Festangestellte!"
Michael Seidel ist mit dem, was hier bei Meedia zitiert wird, eher noch mehr Zielscheibe, als Opfer, denn als Chefredakteur hat er m.E. für die Redaktion zu kämpfen und nicht ein Lamento über die Honorarhöhen anzustimmen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass Michael Seidel nach dem Motto verfährt "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing." Wohin sollte er in M-V auch wechseln, wenn er für die Redaktion kämpfte und dafür die Entlassung drohte. Die Kurierverlagsgesellschaft ist nicht Opfer, sondern Täter.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Fengler

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