2009 war das Jahr von Facebook. Das weltweit führende soziale Netzwerk ist von rund 150 Millionen auf weltweit über 350 Millionen Mitglieder angewachsen. Aber der Erfolg und das Wachstum haben auch Schattenseiten. Facebook steht vor einer ganzen Reihe ungelöster Probleme. 2010 wird für das Netzwerk zum Jahr der Entscheidung. MEEDIA analysiert die fünf größten Probleme für Facebook im kommenden Jahr.
1. Das Problem mit den "Freunden"
Die rasende Geschwindigkeit mit der Facebook wächst und wuchert schafft Probleme bei der Bedienung. Viele Nutzer sammeln hunderte oder gar tausende Facebook-"Freunde". Dies hat den Effekt, dass sich das Soziale Netzwerk kaum noch adäquat bedienen lässt. Das "Freunde"-Management wird immer komplexer und zeitaufwändiger, dadurch droht Frustration. Zwar ist es nicht erklärtes Ziel bei Facebook, wahllos Online-Freunde zu sammeln, im Gegenteil. Eigentlich soll Facebook laut Gründer Mark Zuckerberg dazu dienen, den Kontakt zu echten Freunden und Bekannten zu pflegen. Aber die "Freunde"-Manie in Sozialen Netzen hat längst eine eigene Dynamik erreicht und der Erfolg von sogenannten Social Games wie Farmville oder Mafia Wars bringen Nutzer dazu, immer mehr "Freunde" hinzuzufügen.
2. Das Problem mit der Privatsphäre
Facebook und die Privatsphäre - das sorgt immer wieder für Ärger. Zuletzt musste das Netzwerk viel Kritik einstecken, weil die Profil-Infos und Status-Updates per Voreinstellung öffentlich gemacht wurden. Via Google konnte jedermann im Internet die bisher privaten Statusmeldungen lesen. Zwar lässt sich das mit wenigen Handgriffen in den Privatsphäre-Einstellungen wieder ändern - der Ärger war trotzdem groß. Ähnlichen Ärger gab es, als Facebook kurzzeitig auf Nutzer zugeschnittene Werbung einblenden wollte. Facebook legt großen Wert auf die Privatsphäre. Bei dem Versuch, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, ist das Soziale Netzwerk aber über kurz oder lang gezwungen, auf die eine oder andere Weise die Nutzerdaten anzuzapfen und zu Geld zu machen. Der Spagat zwischen Privatsphäre und dem Ausbeuten der Nutzerdaten wird schwierig. Ob er gelingt ist die Gretchenfrage für den langfristigen Erfolg von Facebook.
3. Das Problem mit den Datenmengen
Laut eigener Statistik werden pro Monat über 2,5 Milliarde Fotos bei Facebook hochgeladen. Das Wachstum bringt das Soziale Netzwerk permanent an Kapazitätsgrenzen, ständig müssen die Server-Farmen ausgebaut werden. Das irrsinnige Nutzerwachstum bedeutet auch ständig wachsende Kosten, denn jeder neue Nutzer belegt Speicherplatz und bindet mit seinen Aktivitäten Rechner-Leistung. Als nächster Meilenstein werden 500 Millionen Nutzer weltweit angepeilt. Das treibt die Infrastrukturkosten von Facebook weiter in die Höhe. Die Strategie von Facebook lautet: wachsen, wachsen, wachsen. In 2010 sollten die Umsätze stärker wachsen als die Kosten, sonst hat Facebook ein Riesenproblem.
4. Das Problem mit dem Geschäftsmodell
Dies führt gleich zum nächsten Kernproblem. Dass Facebook kein Geschäftsmodell hat, ist falsch. Es hat bisher genau genommen sogar zwei: Werbung und der Verkauf von virtuellen Gütern. Ende 2009 sollen bei Facebook und anderen Online-Diensten, wie etwa dem Rollenspiel "World of Warcraft" über eine Milliarde Dollar an virtuellen Gütern umgesetzt werden. Das Geld bleibt nicht allein bei Facebook hängen, sondern auch bei Anbietern von Spielen und Anwendungen wie Farmville. Daneben hat Facebook als weiteres klassisches Geschäftsmodell die Werbung. Noch läuft es im Vergleich zur Größe des Netzwerkes eher schleppend, doch das könnte sich 2010 ändern. Facebook arbeitet außerdem daran, zu einer Art Bezahl-Plattform zu werden. Denkbar wäre, dass Facebook künftig zu einem digitalen Marktplatz mutiert, über den auch echte Waren gehandelt werden könnten und bei Transaktionen mitkassiert. All dies ist aber noch Zukunftsmusik. 2010 muss Facebook deutlich bei den Umsätze zulegen und zeigen, wie mit einem Sozialen Netzwerk zumindest perspektivisch Geld verdient werden kann. Ansätze sind da, aber das ist zu wenig.
5. Das Problem mit der Politik
Noch ist es es an der politischen Front eher ruhig. Derzeit hat vor allem die Suchmaschine Google Ärger mit der Politik und Lobby-Gruppen wie den Zeitungsverlagen. Der Grund ist simpel: Facebook verdient noch kein Geld. Sobald es aber seine Probleme mit dem Geschäftsmodell in den Griff bekommt und Geld fließt, werden die Lobby-Gruppen auch auf das Soziale Netzwerk aufmerksam werden und einen Teil vom Kuchen wollen. Wenn Facebook versucht, verstärkt aus den Nutzerdaten Kapital zu schlagen, wird dies die Datenschützer in einigen Ländern auf den Plan rufen. In undemokratischen Regionen der Welt fürchten Regime dagegen gerade die Offenheit und freie Kommunikation, die Facebook fördert, und könnten dies zu unterdrücken versuchen.
29.12.2009
29.12.09 22:11
von briest
Super Kommentar!
Wenn man solch eine "analyse" schreibt, sollte sie in der tat mehr bieten als o.g.
schließlich ist dies hier doch eine medienseite!
29.12.09 17:20
Marc-Nicolas Oerke Website
Hi, ich weiß nicht, ob der Artikel mittlerweile überarbeitet wurde, aber ich finde die Punkte nachvollziehbar und auch trennscharf, insb. Punkt 1 (Usability) und Punkt 3 (Datenmengen/Kosten). Die Branche (nicht FB allein) setzt 2009 1 Mrd. Dollar mit virtuellen Gütern um - auch diese Information finde ich bemerkenswert und beeindruckend.
LG
Marc
29.12.09 13:28
Horst-Folker Nollenberger
Liebe Meedia-Redaktion,
bei allem Respekt, aber wenn man sich vornimmt die "fünf größten Probleme von Facebook zu analysieren", dann muss schon deutlich mehr "Butter bei die Fische". Denn dieser Artikel ist anscheinend mehr oder weniger recherchefrei aus der Hüfte geschossen worden und wird dem Anspruch der Headline keinesfalls gerecht:
Inhaltlich gehört zudem das Problem Nr. 1 zu Problem Nr. 3 und Nr. 2 gehört zu Problem Nr. 5. Eigentlich werden also nur 3 "Probleme" angesprochen. Aspekte wie die in 2009 viel diskutierten Liquiditätsengpässe, die Frage inwieweit sich Facebook als Single-Player gegen Medien-Konzerne halten wird sowie das optimale strategische (und nicht usergetriebene) Wachstum, u.v.a. bleiben völlig aussen vor.
Was den für Facebook wichtigsten Aspekt, die Entwicklung eines langfristig tragfähigen Geschäftsmodells betrifft, ist die "Analyse"unter Punkt 4 sehr banal, oberflächlich und einfach auch sachlich nicht korrekt
(Facebook setzt in 2009 nicht 1 Mrd. Dollar mit virtuellen Gütern um!!!!!).
Und warum sich das Alles jetzt gerade in 2010 entscheiden soll, erschliesst sich dem Leser auch nicht. Vielleicht findet sich ja die Zeit für ein update,
Nix für ungut,
Beste Grüße,
Horst-Folker