Die Web-Öffentlichkeit hat sich durchgesetzt: Im Disput zwischen Jako und dem Blogger Frank Baade rudert der Sportausrüster zurück. „Wir haben ganz offensichtlich überreagiert”, erklärt der Vorstandsvorsitzenden Rudi Sprügel via Pressemitteilung. „Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen”, sagt er weiter, “aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt”.
Sprügel verspricht darüber hinaus, dass dem Blogger aus dieser Auseinandersetzung „keine finanziellen Nachteile erwachsen”.
Mit der Entschuldigung macht der Manager genau das, was viele Kommunikationsberater dem Hohenloher Unternehme geraten hatten. Durch den Streit mit dem Blogger und dem immer heftigeren Reaktion aus der Blogosphäre, aber auch von klassischen Medien wie „Handelsblatt“ oder „Süddeutscher Zeitung“, war ein enormer Imageschaden entstanden.
Auslöser der Kommunikations-Katastrophe war ein Blog-Eintrag von Frank Baade alias "Trainer Baade". Mitte April veröffentlichte der Duisburger ein Posting, in dem er sich mit dem neuen Logo des Sportausrüsters beschäftigte. Wie Kai Pahl in seinem Blog vorrechnet, wurde der Text voraussichtlich von cirka 400 Leuten gelesen.
Knapp vier Wochen später bekam Baade dann Post von den Anwälten des Trikot-Herstellers. "Die Abmahnung richtete sich gegen vier Formulierungen aus dem Blogeintrag. Es gab mehrere Vergleiche der Marke JAKO und eine Bewertung des Logos, die als 'unzulässige Schmähkritik' gegen das Wirtschaftsunternehmen(!) bewertet wurden", schreibt Pahl. Obwohl Baade nach der ersten Abmahnung das entsprechende Postings zügig von seiner Seite nahm, die Kostennote (1.085,04 Euro) beglich und – allerdings nur teilweise – die geforderte Unterlassungserklärung unterzeichnete, ließen die Jako-Anwälte nicht locker. Denn sie fanden Wochen später beim Nachrichten-Aggregator Newstin.de noch eine Kopie des alten Blogeintrages und verlangten diesmal noch einmal zusätzliche rund 5000 Euro vom Duisburger.
03.09.2009
04.09.09 18:13
Christoph Salzig Website
Die "Entschuldigung" in Pressemitteilungsform, die ja eigentlich eher eine ungeeignete Rechtfertigung ist, zeugt in der Tat nicht davon, dass die Verantwortlichen wirkliche Lehren aus diesem Vorfall gezogen haben. Ein derart unentspannter Umgang mit Bloggern gepaart mit scheinbarem Großmut zeugt nicht davon, dass JAKO bereit ist, mit Kritikern (und damit letztlich mit potentiellen Kunden) auf Augenhöhe zu kommunizieren. Siehe auch http://trg.li/fc
Gleichzeitig belegt die Pressemitteilung das mangelnde Verständnis für die Funktionsweise der neuen Medienwirklichkeit noch einmal eindrucksvoll. Denn hier ist kein Anwalt in vorauseilendem Gehorsam vorausgeprescht, sondern wurde expressis verbis beauftragt, ohne dass den beteiligten klar war, was sie damit auslösen. Überdies hat sich nicht erst später herausgestellt, dass das nochmalige Auffinden des Blogposts nicht das Verschulden des Herrn Baade gewesen ist (Zitat der PM: "Erst hinterher stellte sich heraus, dass der tschechische Nachrichtenaggregator„Newstin“ den inzwischen von Baade gelöschten Text kopiert hatte und weiterhin verbreitete."). Das muss mir mal jemand erklären, wie sich das "erst hinterher" herausgestellt haben soll. Ehrliche Einsichten werden anders formuliert.
04.09.09 13:32
Horst Schlämmer
Ich kann Hustenix nur zustimmen: Von einer Entschuldigung ist die Stellungnahme von Jako weit entfernt. Zwischen den Zeilen kann man lesen, dass nur durch die vom bösen Blogger ohne Erlaubnis der Jako-Leute aktivierte Blogger-Comminity und die Medienberichterstattung zur Umkehr bewegten, weil die so jungen und flippigen Jako-Leute die Hosen gestrichen voll hatten, weiteren Imageschaden zu erleiden. Ein Einsehen hat da keiner, und wenn die Wellen nicht so hoch geschlagen wären, hätten die den Baade bis aufs Unterhemd ausgezogen und gegen die Wand geklagt. Jako ist einfach ein echt ganz trauriger Laden...
04.09.09 10:12
Hustenix Gallier
Wo bitte schön steht denn in der PM das Wort "Entschuldigung". Also ich konnte das nicht finden.
Die größte Frechheit ist der Satz ... Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene. ...
Und dann dieses Werbe Blah Blah.
Also Reue und Einsicht klingen anders!
04.09.09 10:07
Simon Grünze
Warum hört denn der Artikel so abrupt mittendrin auf?