Mit dem redaktionellen Inhalt ist auch für Europas größte Tageszeitung kein Geld zu verdienen. Beim Mediengipfel am Donnerstagabend in Berlin erklärte „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann, dass es deswegen das Ziel sei, die Reichweite von Bild.de weiter zu steigern: "Es gibt den verfluchten Geburtsfehler des Internets, dass das Internet kostenlos ist. Diesen Fehler werden wir nicht korrigieren können." Gute Erlös-Chancen sieht Diekmann allerdings bei mobilen Services und Spezialangeboten.
Mit hohen Zugriffszahlen und und der Marktführerschaft ließen sich zudem im Bereich der Bannerwerbung gute Umsätze erzielen. Diekmann, der zugleich Content-Vorstand von Bild.de ist, setzt besonders auf mobile Angebote - Smartphones oder elektronische Lesegeräten – die schon jetzt interessante Erlösmodelle bieten würden Für auf die Nutzer zugeschnittene SMS seien diese jetzt schon bereit, 60 Cent auszugeben. Dort sei die Refinanzierung einfacher als bei redaktioneller Grundversorgung im Web.
"Bild' ist multimedial", so Diekmann weiter. Und das gilt natürlich auch für den Chefredakteur: „Ich habe immer eine kleine Kamera dabei und filme alles, was mir interessant vorkommt." Als Beispiel nannte er das Wildschwein, das sich jüngst in seinen Garten verirrt hatte. Was auf die Medienwelt in den nächsten zehn Jahren zukomme, wollte Moderator Hajo Schumacher wissen. Diekmann: "Wir müssen uns mit neuen Technologien beschäftigen." Aber auch an die Printausgabe glaubt er: "Man wird sich immer wieder auf die Zeitung besinnen, sie mit in die Badewanne nehmen und merken, was für ein gutes Medium sie ist."
Der Erfolg von Bild.de allerdings spricht, zumindest bezüglich der Reichweitengewinnung, für sich: Mit insgesamt vier Mitarbeitern startete 1996 das Web-Portal. Inzwischen ist Bild.de mit 1 Milliarde Page Impressions (laut IVW) eine der führenden printbasierten General-Interest-Sites Deutschlands mit 4,52 Millionen Unique-Usern. Der Mediengipfel wird von der Standortmarketinggesellschaft Medienboard Berlin-Brandenburg und vom Unternehmensnetzwerk media.net veranstaltet.
19.01.10 14:08
Peter Zingst Website
inzwischen versucht ja die Bild (und auch die WELT - beides Springer AG) mit einer kostenpflichtigen iPhone App Geld zu verdienen.
Bild.de soll dennoch weiter kostenlos für alle bleiben.
ich bin mal gespannt, wo die Reise hingehen soll..
22.03.09 14:06
Sven Spruch Website
Daß man im Internet nichts verdient, ist nicht so dramatisch, wenn man sich darauf einstellt. Die Frage müßte lauten, wieviele würden die Papier-Variante der BILD nicht mehr (nicht so oft) kaufen, wenn sie nicht durch die www-Ausgabe aufmerksam darauf gemacht werden. Eine Internetseite, die viele regelmäßige Leser hat, ist quasi (fast) kostenlose Werbung.
21.03.09 19:23
entsetzter Beobachter
Das Problem ist die Refinanzierung der Autoren. Noch werden sie aus den Erlösen der Zeitungen usw. auf Papier bezahlt und bestücken das vermeintlich kostenlose Internet mit seriöser Information. Nur von online leben können nur wenige, solange Werbung die einzige Einnahmequelle bleibt. Fällt die Quersubventionierung durch print weg, wird es einen erschreckenden Rückgang der Vielfalt und der Qualität journalistischer Information auch im WWW geben. Umsonst gibt es dann die Produkte von Selbstdarstellern und Journalisten im Nebenberuf sowie jede Menge von Gruppen- wie persönlichen kurzfristigen Interessen gefärbtes. Mag Diekmann da auch nicht der ideale Vertreter einer Gegenbewegung sein, so hat er soweit mit dem "Geburtsfehler" recht. Sein Ausweg ist allerdings, dank einem hohen Marktanteil zu den wenigen zu zählen, die übrig bleiben.
20.03.09 14:06
tazmanischer teufel
MyKlub ist ein großartiger Versuchsballon für Springer. Die erste iphone-Applikation von Springer schießt direkt in die Top-Listen. Ich bin mir absolut sicher, dass folgende Applikationen ein Erlösmodell beinhalten.
Bild macht als eines der wenigen News-Angebote alles richtig. Sie stellen sich natürlich breit auf und erdrücken erstmal alles mit ihrer Dominanz in Print und Online. Aber wem will man das verübeln? Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und Bild scheint aus Fehlern gelernt zu haben. Online wurde zuerst unterschätzt und da hat man Spiegel an sich vorbeiziehen lassen. Den Vorsprung will man nun einholen und in anderen Darstellungsformen vermeiden.
20.03.09 13:35
Ulli Safferling
... das ist kein Geburtsfehler, sondern eine Erbanlage für mehr Transparenz und Demokratie!