Wer hätte das für möglich gehalten: Die MacWorld Expo – für Apple-Fans so etwas wie das Woodstock der Computer-Ära – wird im nächsten Januar ohne CEO Steve Jobs stattfinden. Die mehr als erstaunliche Nachricht gab der Mac-, iPod- und iPhone-Hersteller nach Handelsschluss bekannt. Stattdessen wird Marketing-Chef Philip Schiller die Keynote halten. Mehr noch: Es wird tatsächlich die letzte Apple-Veranstaltung dieser Art sein. Damit sind die Gerüchte über einen Rücktritt des Apple-Gründers eröffnet.
Es gibt in der Computerindustrie Konstanten, die schienen für die Ewigkeit gemacht zu sein. Eine davon lautete: Es gibt Microsoft, gegründet von Bill Gates – und den natürlichen Gegenpart Apple, gegründet von Steve Jobs. Die beiden Antagonisten existieren bis heute. Ihre Gründer indes wandeln auf Abwegen: Bill Gates hat das Unternehmen inzwischen verlassen, Apple-CEO Steve Jobs könnte bald folgen, wie immer mehr Anzeichen signalisieren.
Nachdem der 53-jährige Apple-Gründer Anhänger und Anleger in diesem Jahr mehrfach durch seine offenkundig angeschlagene Physis verunsichert hatte, schockiert Apple-Aficionados nun eine Nachricht, die noch bis gestern undenkbar schien: Die Apple-Hausmesse Mac World Expo muss im Januar ohne den charismatischen Jobs auskommen.
Rückzug von der MacWorld Expo: Apple will künftig eigener Hausmesse fernbleiben
Das vermeldete das an der Technologiebörse Nasdaq gelistete Unternehmen nach Handelsschluss an der Wall Street. Stattdessen wird Apple-Marketingchef Philip Schiller die Eröffnungsrede der MacWorld Expo am 6. Januar im Moscone Center halten. Doch damit nicht genug: Gleichzeitig kündigte Apple an, letztmalig überhaupt an der eigenen Veranstaltung teilzunehmen.
Messen hätten für Apple - wie auch für andere Unternehmen - an Bedeutung verloren, hieß es im begleitenden Statement. Was für eine Abkehr vom seit jeher heiß erwarteten Jahresbeginn von Apple, der traditionell den Rahmen für das Produktjahr des Computerpioniers setzte! In der Vergangenheit waren auf der MacWorldExpo bahnbrechende Innovationen wie neue iMac- und iPod-Modelle sowie das iPhone vorgestellt worden.
Analysten: "Der Schritt markiert einen Führungswechsel bei Apple"
Analysten wie Anleger reagierten regelrecht geschockt auf die völlig unerwartete Ankündigung aus Cupertino. Die Apple-Aktie brach im nachbörslichen Handel in der Spitze um mehr als 6 Dollar ein, ehe sich das bei Papier bei 93 Dollar oder einem Minus von knapp drei Prozent fing.
„Damit ist eines klar“, erklärte Piper Jaffray-Analyst Gene Munster: „Der Schritt markiert einen Führungswechsel bei Apple“. Toni Sacconaghi von Sanford C. Bernstein äußerte sich gegenüber dem „Wall Street Journal“ ziemlich verstimmt: „Das wirft die Frage auf, ob das Unternehmen wirklich transparent gegenüber Anlegern ist“, erklärte der Analyst in Hinblick auf die anhaltenden Gerüchte über Jobs' Gesundheitszustand.
18.12.08 22:53
Andreas Borchert
Ich habe als langjähriger Chefredakteur einer Mac-Zeitschrift mehrfach den Keynotes des Meisters beigewohnt. Jedesmal eindrucksvoll - aber jedesmal nach Verlassen der Veranstaltung auch das beklemmende Gefühl, der Gehirnwäsche eines Sektenführers ausgesetzt gewesen zu sein. Trotzdem schade! -
Phil Schiller habe ich mehrfach persönlich getroffen, ein - im Gegensatz zu Jobs - sehr sympathischer, offener und pragmatischer Mann. Bei Apple mit tausendprozentiger Sicherheit aber der Mann, dem Steve Jobs am meisten vertraut. -
Ich persönlich glaube, dass der Rückzug von Jobs nur mittelbar etwas mit seinem Gesundheitszustand zu tun hat. Vielmehr wird Jobs als Großaktionär der Medienkonzerne Pixar und vor allem Disney sich intensiver um diese kümmern wollen. Medienproduktion und deren Inhalte - das ist das, was Jobs seit Jahren mehr am Herzen liegt als die Herstellung von Computern, mp3-Playern und Telefonen.