Wenige Wochen nach dem Start und bei einem Marktanteil in der Gegend von 0,1 Prozent wird der neue ZDF-Ableger "neo" zum Zankapfel der Medienpolitik. Privatfunk-Sprecher Jürgen Doetz nannte das Projekt am Donnerstag wenig überraschend ein "Vox light", das den Privaten gezielt das Wasser abgrabe und gestoppt gehöre. Der Drehbuchautor Philipp Weinges ("Allein unter Frauen") erahnt in dem Digitalkanal nicht weniger als die Rettung des deutschen Fernsehens.
Die Front zwischen Privat-TV-Lobbyisten und großen Teilen der feuilletonistischen Medienkritik zeichnete sich schon vor dem Start am 2. November ab: Als allmählich klar wurde, dass das ZDF mit avancierten und als cool geltenden US-Serien ("30 Rock", "Seinfeld" etc.) und einem originellen Programm auf junge Zuschauer setzt, die den Öffentlich-Rechtlichen ansonsten verloren gehen. Die Sendergruppen um RTL und Pro7Sat1 sahen sich nicht ohne Grund angegriffen – zwar nicht ernsthaft beim Marktanteil, aber beim Image als erste Adresse für junge und neugierige Zuschauer.
Die Einlassungen von Doetz und Weinges spitzen die Positionen typisch zu. Es sei unerträglich, dass die Politik zulasse, dass ein gebührenfinanziertes, rein auf das Erreichen der jungen Zielgruppe ausgerichtetes Programm privaten Anbietern das Wasser abgrabe, sagte der Chef des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT). Auf der Mitgliederversammlung des Interessenverbands war sogar schon von rechtlichen Schritten die Rede, falls ZDF den genehmigten Finanzrahmen von 30 Millionen Euro überschreiten sollte.
Drehbuchautor Weinges, der auch im Verwaltungsrat der Filmförderanstalt sitzt, beklagt in einem Beitrag für die "Süddeutsche" ausführlich die Verarmung und Vergreisung der öffentlich-rechtlichen Programme, um am Ende eine Hoffnung aufzubauen: "Eine Art öffentlich-rechtliches HBO." Nur neue Sender – Channel 4 in England, RTL in Deutschland, HBO und Showtime in den USA – hätten historisch Veränderungen des Fernsehens eingeleitet: "Wenn wir Veränderung wollen, brauchen wir neue Sender mit genug Geld, frische Leute einzustellen und ungewöhnliche Formate zu produzieren." Der solle "keine Konkurrenz zu den Privaten sein, sondern die Lücke im dualen System schließen, die sich von Jahr zu Jahr vergrößert."
ZDFneo bräuchte dafür mehr Geld, eine größere Verbreitung und "eigene, originelle Fiktion" (Weinges). Genau das würde Jürgen Doetz und den VPRT so richtig auf die Barrikaden treiben – selbst, wenn der Marktanteil dann immer noch unter einem Prozent läge.
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