Neues Jahr, alte Missstände: Das schlingernde Internetportal Yahoo hat weiter viele Hürden zu meistern. In erster Linie sind dies die Nachfolgeregelung für den scheidenden Vorstand Jerry Yang und die Wiederbelebung der Übernahmegespräche mit Microsoft. In den vergangenen Tagen kam Bewegung an beide Fronten: So könnte Autodesk-CEO Carol Bartz als neue starke Frau zu Yahoo stoßen, während Steve Ballmer seine Überlegungen zum Kauf des Suchgeschäfts öffentlich macht.
Showtime bei Yahoo. Nach quälenden Monaten der Hiobsbotschaften und Blamagen verdichten sich nun beim schlingernden Internetportal die Zeichen für eine entscheidende Weichenstellung. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Am Rande der Consumer Electronic Show in Las Vegas wurden Spekulationen laut, dass sich beim Online-Pionier der ersten Stunde endlich eine Nachfolgeregelung für den scheidenden CEO Jerry Yang abzeichnet.
Yang hatte vor zwei Monaten in einer aufwühlenden Mitteilung erklärt, seinen Chefsessel für einen geeigneten Nachfolger zu räumen, den er selbst mit suchen wollte. Wie mehrere Branchenmedien übereinstimmend vermelden, könnte sich die Suche nun auf den letzten Metern befinden. Carol Bartz, Aufsichtsratsvorsitzende von Autodesk, könnte schon bald in die Fußstapfen von Yang treten, heißt es.
Die 60-Jährige, die unter der Bush-Administration als Beraterin fungiert hatte, leitete für 14 Jahre die Geschicke des weltgrößten Software-Unternehmens für digitales 2D- und 3D-Design. In Branchenkreisen gilt Bartz als absoluter Silicon Valley-Veteran: Auf dem vom ehemaligen Internetaktienanalysten Henry Blodget betriebenen Technologieportal Alley Insider reihen sich seitenweise Lobeshymnen aneinander.
Microsoft erneuert Interesse an der Suche
Das könnte auch dem Softwareriesen Microsoft in die Karten spielen, dessen CEO Steve Ballmer sich auf der Consumer Electronic Show abermals zu einer Übernahmemöglichkeit von Yahoo äußerte.
"Wir haben nun jemanden ausgewählt, der unser Onlinegeschäft führt, während Yahoo sich nach einem neuen CEO umsieht", wurde Ballmer in der britischen Ausgabe der "Financial Times" zitiert. "Wenn es noch zu einer Übernahme des Suchmaschinengeschäfts kommen sollte, dann sollte der Deal wahrscheinlich in dieser Übergangsperiode für die beiden neuen Manager gemacht werden."
Gleichzeitig betonte Ballmer, dass Microsoft nach der zweimaligen Ablehnung der Übernahmeofferte im letzten Jahr nicht mehr an einer Akquisition des ganzen Unternehmens interessiert sei, sondern eben nur am Filetstück. "Wir hatten einen fertigen Vertrag auf dem Tisch liegen, aber den wollten sie nicht. Die Suche aber macht noch Sinn." So klingen verpasste Chancen.
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