Eine Pro-Guttenberg-Fanpage versammelt innerhalb weniger Tage weit über 100.000 User. Ein schielendes Opossum avanciert zum Webliebling und gewinnt in wenigen Tagen mehr Fans als die Bundeskanzlerin. Sie alle sind Webhypes und damit für die Medien Anlass genug, um darüber zu berichten. Aber lässt sich solch ein Hype auch faken? Ja. Eine Grupppe von Programmierern einer großen US-Sicherheitsfirma hat simuliert, wie man große Mengen scheinbar echter Accounts fernsteuert. Um einen Hype zu erzeugen.
So berichtet Heise.de über einen Mailverkehr zwischen Mitarbeitern der US-Sicherheitsfirma HBGary Federal. In den geleakten Nachrichten diskutieren die Programmierer über die Möglichkeit, mit einigen Tools eine Gruppe von künstlich angelegten Phantom-Nutzer so zu steuern, die im Social Web Meinungsmache betreiben und damit die Debatte über Personen oder Gruppierungen gezielt beeinflussen.
Wie das funktionieren soll, ist schnell erklärt. Ein menschlicher User steuert virtuelle Maschinen, in denen User mit bereits installierten E-Mail-Accounts, Web-Seiten und etwa Mitgliedschaften in sozialen Netzen stecken. Nach außen hin sind sie von “echten” Usern nicht zu unterscheiden.
In den Mails ging es darum, gleich eine große Anzahl von “Usern” in Social Networks, der Blogosphäre und mit Foreneinträgen im Web zu etablieren und sie mit Echtnamen auszustatten. Über ein Tool könnten dann Phantom-Nutzer aufgebaut werden, die beispielsweise gegeneinander kommentieren. So könnte die eine Person einen Link zu einer bestimmten Seite, einem bestimmten Video etc. posten, eine andere könnte das Vorgehen harsch kommentieren. So entstünde eine Debatte, bei der der eine User Glaubwürdigkeit verliert, der andere Ansehen gewinnt. Zumindest in den Augen der anderen User. Dass hinter beiden Usern nur eine Maschine steht, die gesteuert Kommentare hinterlässt, ist nicht ersichtlich.
Wie das funktioniert, wird einleuchtend erklärt: “Wenn wir die entsprechenden Social-Media-Accounts nutzen, können wir das Posten von Einträgen automatisieren. Dazu nutzen wir spezielle Social-Media-RSS-Feeds, denen wir folgen und die wir beispielsweise auf Twitter mit passenden Hashtags versehen können. Mit diesen Hashtags und einen lokalen Check-Ins können wir es so aussehen lassen, als wär diese Person tatsächlich auf einer Konferenz oder einem ähnlichen Event. Da gibt es eine Reihe von Tricks, mit der wir die Echtheit dieser fiktiven Personen pushen könnten.”
HBGary Federal ist keine kleine Programmierklitsche, sondern kann Kunden wie das FBI, das NSA und die US Navy vorweisen. Die Diskussion unter den Programmierern habe wohl damit geendet, dass der beauftrage Hacker erklärte, dass er so etwas nicht entwickeln wollen würde. Dennoch beunruhigt eine solche Diskussion. Dass Social Networks für die PR genutzt werden, ist nicht neu. Dass nicht immer nur User ein Produkt empfehlen oder kommentieren, hat die WeDepp-Affäre gezeigt. Allerdings halten sich solche Aktionen im Rahmen. Dass eine kleine Gruppe von Menschen allerdings wissentlich eine große Anzahl gefakter Persönlichkeiten steuern kann, erinnert schon ein wenig an moderne Kriegsführung in Zeiten des Web 2.0.
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