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Geschäftsführer Christian Nienhaus in der "w&v"

WAZ-Sparhammer: erneut 300 Stellen weg

WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus hat in "werben & verkaufen" eine neue Sparwelle verkündet. Die Verlagsgruppe will nochmals rund 300 Stellen abbauen, etwa 100 Stellen in den Geschäftsstellen und knapp 200 Stellen in der Zentrale. Zuvor wurden bereits in den NRW-Redaktionen knapp 300 Stellen gestrichen. Die NRW-Zeitungen werden trotzdem rote Zahlen schreiben, so Nienhaus. Den umstrittenen Rauswurf des Chefredakteurs der "Thüringer Allgemeinen" verteidigte er.

Dabei wählte Nienhaus einen etwas seltsamen Vergleich: "Ämter sind in unserer demokratischen Gesellschaft immer nur auf Zeit vergeben. Das gilt auch für die Position des Chefredakteurs", sagte er in dem "w&v"-Interview. Den Job eines Chefredakteurs mit einem demokratisch gewählten Staatsamt zu vergleichen ist zumindest ungewöhnlich. Laut Nienhaus habe es lange Gespräche mit Sergej Lochthofen über den künftigen Kurs der "Thüringer Allgemeinen" gegeben. Man sei dann zu dem Schluss gekommen, dass die "notwendige Veränderung der Thüringer Titel mit ihm als Chefredakteur nicht möglich ist."

In den Redaktionen wird befürchtet, die WAZ Gruppe könnte die Redaktionen ihrer Thüringer Zeitungen "Thüringer Allgemeine", "Ostthüringer Zeitung" und "Thüringische Landeszeitung" nach dem Vorbild der Zeitungen in Nordrhein-Westfalen zusammenlegen. Dort wurde unter "WAZ"-Chefredakteur Ulrich Reitz eine Zentralredaktion für alle vier Titel gebildet, insgesamt mussten knapp 290 Redaktionsmitglieder gehen.

Doch der Schrecken in NRW hat kein Ende. der jetzt von Nienhaus verkündete Abbau von weiteren 300 Stellen, übertrifft sogar die schon schlimmen Erwartungen. Ende September noch fürchtet man bei der Belegschaft den Abbau von bis zu 200 weiteren Stellen. Nun werden es 300. Der gesamte Stellenabbau der WAZ-Gruppe umfasst damit bisher knapp 600 Stellen. Mehr als in jedem anderen deutschen Verlag. Die Kosten des neuen "Abschmelzungsprozesses", wie sich Nienhaus ausdrückte, beziffert er auf rund 30 Mio. Euro. Genausoviel habe auch der Abbau der Redaktionsstellen gekostet. Zieht man die enormen Abbaukosten in Betracht, ist es freilich wenig verwunderlich, dass die NRW-Zeitungen 2009 rote Zahlen schreiben werden. Mit schwarzen Zahlen könnte die WAZ-Gruppe einen derart massiven Stellenabbau auch nicht rechtfertigen.

03.12.2009

swi

Das schreiben die anderen

wuv.de: "WAZ-Chef Nienhaus verteidigt Lochthofen-Entlassung"
WAZ-Protestblog: "Bei der WAZ KG stehen bis zu 200 Arbeitsplätze auf der Kippe"

MEEDIA RÜCKBLICK

  • 10.12.2009 WAZ bestätigt Streichung von 113 Stellen
  • 02.12.2009 WAZ: Lochthofen muss früher gehen
  • 27.11.2009 WAZ: die Hintergründe des Falls Lochthofen
  • 30.09.2009 WAZ-Sparkurs: nach Redaktion nun Verlag
  • 29.09.2009 WAZ: Keine betriebsbedingten Kündigungen
  • 22.09.2009 WAZ: Weitere 200 Stellen in Gefahr?

Letzte Kommentare

Anzeige: 1 - 3 von 3

03.12.09 13:44

tatuetata tete

Das Demokratie-Zitat des Herrn Nienhaus ist wirklich bemerkenswert. Hält er die anderen für so doof oder denkt er wirklich das, was er sagt? Ämter würden in einer Demokratie nur auf Zeit vergeben, das sei auch bei Chefredakteuren nicht anders. Eine Ansage, die gleich mal signalisieren soll, dass Lochthofen kein Demokrat (klar: Ossi, noch dazu in Russland geboren, was erwarten Sie eigentlich?) ist.

Eine Ansage, die absurd ist, wenn man sich die realen Verhältnisse in der WAZ-Gruppe anschaut: Die zwei Geschäftsführer Nienhaus und Hombach entscheiden, dass sich ihre Rationalisierungspläne (alles wird billiger und zugleich qualitativ besser gemacht - der schlecht bemäntelte Fabrikgedanke für die Zeitung) mit Lochthofen nicht durchsetzen lassen und drücken das mit Hilfe ihres als Sparvorbereiter platzierten Statthalters Schrotthofer (Auch wenn es verlockt; für seinen Namen kann niemand.) bei der TA durch. Von Demokratie keine Spur, die von den Anteilseignern eingesetzten Hierarchen im Unternehmen handeln halt, wie sie es für nötig halten - ein völlig normales Vorgehen für eine Firma. Und wenn man eine Regionalzeitung als ein Produkt wie Tapete oder Toilettenpapier betrachtet, ist das ein sinnvolles Verhalten. Wenn man eine Regionalzeitung als Produkt sieht, das von seiner Verankerung vor Ort und der Kreativität lebt, fragt man sich schon, ob die WAZ-Gruppenchefs klar denken können. Aber offenbar haben sie sich festgelegt - die Rendite wird nicht über bessere Zeitungen, die auch mehr Leser anziehen, gesteigert; nein: die Kosten müssen stärker sinken als die Abozahlen - wenn sich diese Relation verbessert, wächst auch die Gewinnmarge. So denken Leute, deren weitester Horizont das eigene Fortkommen ist. Aber egal, so ist es offenbar.

Nun kommt aber bei der TA noch etwas dazu, was die Demokratie-Bemerkung des Kollegen Nienhaus interessant macht: Die TA-Redaktion hat ihren Chefredakteur gewählt und beim Verkauf an die WAZ wurde die Wahrung des Redaktionsstatuts vereinbart. Danach aber kann der Chefredakteur nur mit zwei Drittel der Redaktionsstimmen abgewählt werden. Das ist natürlich nicht passiert: 100 TA-Mitarbeiter haben sich öffentlich und einstimmig dafür ausgesprochen, dass Lochthofen bleibt. Und Nienhaus hat sich damit geoutet als das, was er anderen unterstellt: Als Anti-Demokrat, der von vereinbarten Abmachungen nichts mehr wissen will, wenn es seine Renditeziele gebieten. Und übrigens: Die TA hat bisher immer schwarze Zahlen geschrieben. Aber genug ist nicht genug. Erst recht, wenn man in NRW so viel Mist gebaut. Montgomery lässt grüßen!

03.12.09 11:53

Edda Bohle

Nun ist es soweit und es scheint nicht aufzuhören, trotz riesiger Protestwelle von allen Seiten und offenbar in panischer Missmanagementmanier wurde Sergej Lochthofen raus geschmissen, die Geschäftsführung zensiert Beiträge und 300 Mitarbeiter werden entlassen. Es ist peinlich das Vorgehen der WAZ-Geschäftsführung zu beobachten. Herr Schrotthofer, Herr Nienhaus und Co. werden sich einen Namen machen, als die die mit sicherer Hand genau das Falsche machen - nicht zum ersten Mal. Gratulation - das kann man schwer toppen.

03.12.09 10:59

Qualitätsjournalismus forever

Ein Armutszeugnis. Alle Achtung, wie sich ein Verlag innerhalb kürzester Zeit selbst zerlegt und aus dem ernsthaften publizistischen Geschäft verabschiedet.
Die WAZ zeigt auf erschreckende Art und Weise was passiert, wenn ein verlegerisches Erbe Parteipolitikern und Geschäftemachern überlassen wird. Mit solchen Gegenspielern wird der Großfeind google, den Herr Hombach in Sonntagsreden immer als Hauptgegner für den heeren Anspruch seiner Qualitätsblätter ausgemacht hat, leichtes Spiel haben. Ins Knie geschossen mit der fragwürdigen Ablösung von Sergej Lochthofen in Thüringen, Zensurvorwürfe gegen leitende Verlagsangestellte und schnell noch 300 Leute feuern - Wer macht bei denen eigentlich die Öffentlichkeitsarbeit? Toller Job!

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