Kaum ein Tag vergeht ohne Ankündigungen von neuen Google-Diensten. Der Suchmaschinen-Betreiber will nun offenbar doch ein eigenes Smartphone herausbringen, und im britischen "Telegraph" verkündete Google-Managerin Marissa Mayer, dass die Firma derzeit an einer personalisierten Suche unter Einbindung sozialer Netzwerke tüftelt. MEEDIA listet beispielhaft auf, was die Suchmaschine heute schon alles über jeden einzelnen Internet-Nutzer wissen kann: Der gläserne Surfer ist längst Realität.
Nehmen wir Herrn K.. Herr K. besitzt das brandneue Google-Handy, das ausschließlich mit Software der US-Firma bestückt ist und lässt sich morgens über die Weckfunktion des Handys von seinem Google-Kalender wecken. In den Google-Kalender, der sich automatisch zwischen Internet und Handy synchronisiert, hat er auch berufliche und private Termine sowie die Geburtstage von Verwandten und Freunden eingetragen.
Bei Google ist also gespeichert, wann Herrn K. Frau und Kinder Geburtstag haben. Vorausgesetzt die übrigen Familienmitglieder von Herrn K. nutzen ebenfalls Google-Dienste, wovon auszugehen ist, kann die Suchmaschine Herrn K. via Google-Kalender an Geburtstagstermine erinnern und gleich passende Geschenk-Vorschläge unterbreiten. Google "weiß" ja, was die Kinder von Herrn K. und seine Frau jüngst bei der Google Produktsuche so gesucht haben, und darum sind die Geschenk-Vorschläge von Google bestimmt mindestens genauso gut wie die von Amazon und auf jeden Fall besser als alles, was Herrn K. selbst so einfallen würde. Fast scheint es, als kennen Google und Amazon die Wünsche von Herrn K. und seinen Lieben besser als er selbst.
Nach dem Aufstehen lädt Herr K. noch ein paar Bilder von der gestrigen Firmen-Weihnachtsfeier bei Picasa hoch, ebenfalls ein Google-Service. Praktischerweise kann er seine Picasa-Bilder via Google Maps und Google-Earth mit lokalen Informationen verknüpfen. Auf diese Weise kann Herr K. zum Beispiel auch die Fotos vom jüngsten Ägypten-Urlaub bei Google-Earth direkt bei Luxor in Ägypten einpflegen. Ein toller Service! Die Maschine "weiß" nun, wo die K.s Urlaub gemacht haben, kennt vielleicht deren Hotel und "weiß", ob ihnen die Unterkunft und das Angebot ihres Reiseveranstalters (der über Google gesucht wurde) gefallen hat oder nicht.
Während Herr K. de Bilder hochlädt, meldet sich ein Kollege über Google-Chat. Der ist ja praktischerweise bei Google Mail eingebaut und man kann den sogar, weil Web-basiert, in der Firma benutzen Der IT-Heini im Büro verbietet zwar die Installation von Instant-Messaging-Programmen wie Skype oder ICQ aus Sicherheitsgründen aber der Google-Chat funktioniert trotzdem. Und verpasst er mal eine Chat-Anfrage, wird diese Herrn K. bequem als Mail-Protokoll von Google zugesendet. Schnell noch ein bisschen über den Chef bei der Weihnachtsfeier gelästert. Die Maschine speichert auch das.
Herr K. findet es ein bisschen schade, dass er hier in Deutschland nicht alle tollen Google-Dienste benutzen kann. Google Voice, zum Beispiel. Dann hätte er nur noch die eine Google-Nummer und könnte die je nach Belieben auf sein Handy, auf sein Festnetz-Telefon oder das Faxgerät umleiten. Auch bei Umzügen oder dem Wechseln der Telefongesellschaft bleibt die Google-Nummer immer gleich. Ganz nebenbei erfährt die Maschine, welche Nummern er wählt und von welchen er angerufen wird. Oder Google Health. Da wird die komplette persönliche Krankenakte von Herrn K. bei Google gespeichert, verschlüsselt selbstverständlich. Und wenn er den Arzt wechselt, genügt ein Mausklick, und die alten Röntgenbilder und Berichte stehen dem neuen Doktor zur Verfügung. Das spart Zeit, Geld und Nerven.
Bei der Fahrt zu seinem Kunden (Herr K. ist Außendienstler) montiert er sein Google-Handy in die Saug-Halterung für die Autoscheibe und lässt sich von der Google-Navigation leiten. Die funktioniert prima, wird ständig aktualisiert, merkt sich seine Lieblings-Fast-Food-Kette und ist sogar gratis! Dass die Suchmaschine "weiß", wo sich Herr K. gerade aufhält ist vielleicht auch mal ganz nützlich, um ihm unterwegs relevante Anzeigen auf sein Mobiltelefon zu senden. Oder einen Shopping-Alarm, wenn die Outdoor-Jacke, die er neulich bei Google Shopping gesucht hat, in einem Laden ganz in der Nähe im Sonderangebot zu haben ist.
Wieder zu Hause, tippt Herr K. seinen Bericht für den Bürodienst am nächsten Tag in Google Docs (auf Deutsch: Google Text & Tabellen). Dort aktualisiert er auch seine Umsatztabelle für diesen Monat. Das ist sehr praktisch. Da Google Docs online arbeitet, hat er die Texte immer auf dem Firmenrechner auch zur Verfügung und kann dort Texte und Tabellen einfach in das CMS-Programm der Firma rüberkopieren. Die Firma selbst arbeitet aus "Sicherheitsgründen" nicht mit Google Docs, aber was der Administrator nicht weiß, macht ihn nicht heiß.
Wie wir sehen, macht sich Herr K. Google gegenüber zum gläsernen Nutzer. Die Suchmaschine weiß sehr viel über ihn. Und da Herr K., wie viele andere auch, einen Google-Account mit seinem echten Namen besitzt, müsste die Maschine noch nicht einmal die IP-Adresse seines Computers entschlüsseln, um diese Informationen der Person zuzuordnen. Google lebt vom geschickten Platzieren von Anzeigen in relevanten Lebenssituationen. Sei es bei der Websuche vor dem Rechner oder künftig beim Einkaufsbummel mit dem Google-Handy in der Tasche. Um die Anzeigen relevant zu platzieren, sammelt Google Informationen und wertet diese aus.
Ein bisschen unheimlich dabei ist, dass Firmen wie Google oder auch Amazon, die auf riesigen Datenbergen sitzen, die Nutzer manchmal besser zu kennen scheinen als die eigenen Ehepartner. Die Macht der Suchmaschine kann sogar bis in intimste Details hineinreichen. Ob Herr K. manchmal heimlich bei YouPorn surft, weiß seine Frau vielleicht nicht. Google schon.
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