Mit 19 Jahren sollte man eigentlich aus dem Lego-Alter raus sein. Für Fabian Moritz aus Laatzen ist das Spiel mit den Bauklötzen aber der Eintritt in die Medienbranche. Mit seiner Idee, Fußball-Spiele von Bundesligist Hannover 96 mit den Steck-Figuren nachzuspielen und als Video ins Netz zu stellen, schaffte es der Abiturient sogar in die "Sportschau". Zur WM macht er nun aus seinem Hobby ein Geschäft und verkauft die deutschen und englischen Partien an Bild.de und den Online-Auftritt des Guardian.
Die Idee hinter dem Lego-Fußball ist nicht neu. 2003 stellten drei Studenten im Rahmen einer Seminararbeit an der Hochschule Offenburg das Endspiel der WM 54 unter dem Projektnamen "Helden von Bern" mit den Steckfiguren nach und drehten einen Animationsfilm. 2006 machten sie dann erneut auf sich aufmerksam, als sie zur WM im eigenen Land die damalige deutsche Elf gegen eine Weltauswahl im Mini-Format antreten ließen. Bild.de berichtete über die Lego-Regisseure.
Fabian fing mit seiner Lego-Mannschaft zunächst auf Bundesliga-Ebene an. Seit der Saison 2007/2008 stellt er alle Spiele seines Lieblingsvereins Hannover 96 ins Internet und verbindet damit seine zwei Leidenschaften: Lego und Fußball. In filigraner Handarbeit stellt er dabei das Stadion nach, besetzt jeden Zuschauerplatz (sofern die Partie ausverkauft) mit einem gelben Männchen, klebt den Spielern die maßgeschneiderten Original-Trikots auf den Bauch und lässt den Ball rollen - allerdings nicht die kompletten 90 Minuten, sondern nur für die Torszenen.
Der Aufwand hinter den durchschnittlich zweiminütigen Videos der Mini-Kicker ist riesig: Fabian fotografiert mit zwei Kameras Szene für Szene, schneidet diese dann aneinander und unterlegt die Stop-Motion-Clips mit dem Original-Kommentar aus der TV-Übertragung. Durchschnittlich drei bis vier Stunden braucht der Amateurfilmer für ein Tor.
Auf die hannoverschen Partien folgten die deutschen EM-Spiele, dann probierte sich der Abiturient an dem Champion-League-Spiel Manchester United gegen FC Bayern München - und das mit einem echten Wiedererkennungswert: Spielmacher Wayne Rooney erkennt man an dem nicht vorhandenem Haar-Schopf, die Figur von Frank Ribery hat die unvergleichlichen Narben im Gesicht.
Das Video stellte er als Bild-Leserreporter bei Bild.de hoch und traf damit ins Schwarze: Der Clip erregte so viel Aufmerksamkeit, dass der britische Guardian sich meldete und kurzerhand alle WM-Spiele der englischen Three Lions bei Fabian bestellte. Umgerechnet 200 Euro bekommt er pro Video, das er dem Online-Portal mit seinen durchschnittlich 30 Millionen Leser pro Monat verkauft. Auch Bild.de fand an dem Engagement Gefallen und sicherte sich die Exklusiv-Rechte an den Lego-WM-Partien von Jogis Elf.
Lego-WM-Spiel Deutschland-Australien
Dies bescherte Fabian dann auch die erste kurze Nacht: "Bei dem Deutschland-Spiel bin ich morgens um 4 Uhr aufgestanden und war dann Nachmittags mit dem Video fertig", erzählt er von seinem Wochenend-Kick. Die professionellen Kurzfilme sind detaillegetreu nachempfunden. Die Frisuren von Poldi und Co. werden genau in Form gebracht, das hauptsächlich afrikanische Publikum in der Real-WM sitzt auch in Fabians Making-off in der ersten Reihe, selbst Linienrichter gibt es, die mit ihren Fähnchen wehen. Weiteres Highlight: Die Lego-WM hat auch ihren eigenen Song: "Good Things" von Hella Donna, der in Trailer, Intro und den Highlight-Videos abgespielt wird.
In seiner Rolle ist Fabian Regisseur und Produzent in einem - das Drehbuch geben aber die Profi-Fußballer vor. Dennoch reizt den 19-Jährigen das Filmgeschäft. "Ich kann mir gut vorstellen, später in der Branche beruflich tätig zu sein." Als Nächstes stehen aber erst die Bewerbungen um eine Ausbildungsstelle auf dem Plan. "Mein absoluter Favorit wäre eine Ausbildung als Mediengestalter." Mit diesen Arbeitsproben könnte er dabei einen Volltreffer landen.
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