Die Euphorie bei Verlegern über neue Erlösquellen durch Apples iPad erhält erste Dämpfer. Wie die Financial Times berichtet, halten Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser nach ersten Gesprächen mit Apple vor allem zwei Aspekte für problematisch: Die Verteilung der Einnahmen und den Umgang mit Nutzerdaten. Laut einer neuen Studie würde immerhin jeder Dritte deutsche Internet-Nutzer für journalistische Inhalte auf dem iPad zahlen.
Die Studie wurde von dem Kölner Marktforschungsunternehmen YouGovPsychonomics für den Mediendienst Turi2.de durchgeführt. Laut der Umfrage würden rund 30 Prozent der Internet-Nutzer für journalistische iPad-Inhalte zahlen. Aber nur 1,6 Prozent wären bereit zehn Euro oder mehr pro Monat auszugeben. 21,1 Prozent würden unter fünf Euro pro Monat ausgeben wollen. Befragt wurden 1.064 Internet-Nutzer ab 16 Jahren.
Bis es aber ans tatsächliche Bezahlen geht, muss das iPad erst einmal auf den Markt kommen und die Verlage müssen sich mit Apple auf Konditionen einigen. Was Preise und Ausschüttung angeht, will Apple sich offenbar an den Verträgen mit den Buchverlagen orientieren, die mit 70 Prozent der Erlöse für eBooks sehr zufrieden sind. Herausgeber von Abonnementtiteln oder Tageszeitungen werden aber kaum damit leben wollen, 30 Prozent der Erlöse an den Hardwarehersteller abzutreten. Das Modell, die Umsätze nach dem 70:30 Prinzip aufzuteilen mache für wiederkehrende Zahlungen wie Abonnements wenig Sinn, sagten Verleger laut der Financial Times.
Auch der Umgang mit Nutzerdaten bereitet den Verlagen Kopfzerbrechen. Apple neigt – wie schon bei Musikverkäufen über iTunes – dazu, den Produzenten der Inhalte wenig mehr als die nackten Verkaufszahlen mitzuteilen. "Wir müssen den Kontakt zu unseren Lesern halten", wendet Sara Öhrvall vom schwedischen Verlagsmulti Bonnier dagegen laut FT ein. "das ist der einzige Weg, um ein gutes Magazin zu machen." Natürlich sind Nutzerinformationen im Hinblick auf die Werbewirtschaft und für das Marketing auch bares Geld wert. Ein Zeitungsmanager sagte der FT, dieser Punkt sei "verdammt nah an einem Dealbreaker".
Vorreiter bei neuen digitalen Versionen für den iPod ist offenbar Condé Nast, das schon mit seiner iPhone-Anwendung des Magazins GQ Erfolg hatte. Für den weitaus größeren iPad angepasste Ausgaben bereiten Vogue, Vanity Fair und Wired bereits vor. Sarah Chubb, Chefin des digitalen Zweigs CondéNet, erklärte, der Verlag sehe das iPad weniger als Vertriebskanal für Abonnements, sondern als digitalen Kiosk, sprich als Vertriebsweg für Einzelverkäufe.
Unterdessen hat die Condé-Nast-Zeitschrift Wired ein Video veröffentlicht, das eine beispielhafte Wired-Ausgabe für einen Tablet-Computer zeigt. Allerdings entwickelt mit der Firma Adobe, die die Flash- und Air-Software herstellt, die auf Apple-Geräten wie dem iPhone und dem iPad nicht läuft. Apple-Chef Steve Jobs hält die Adobe-Software für zu fehleranfällig. Es sind noch viele Fragen zu klären, bis die ersten Multimedia-Magazine auf dem iPad unter die Fingerspitzen der zahlenden Kundschaft geraten.
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