Den Papier-Markt beherrschen derzeit die Firmen Holmen aus Schweden, Norske Skog aus Norwegen und UPM Kymmene sowie Stora Enso aus Finnland. Seit Ende 2010 will die Industrie eine Preissteigerung von 25 Prozent durchsetzen, wonach eine Tonne Papier über 500 Euro kosten würde. Wir haben uns in der Branche umgehört und gefragt, wie Verlage auf die Mehrkosten reagieren wollen. Verringerte Auflage, schlechteres Papier? Preisänderungen will kaum jemand ausschließen.
Momentan lassen steigende Nachfragen aus der Türkei, Indien und China den Preis weiter in die Höhe schnellen und den Bestand verknappen. "Wir haben den Eindruck, dass es bei der Preisfeststellung ausgesprochen große Einigkeit gibt", erklärte Zeitungsverleger Dirk Ippen vergangene Woche. Die Skandinavier hätten nach Ansicht der Verlage in den vergangenen Jahren die Produktion systematisch zurückgefahren. "Durch die Schaffung neuer Kapazitäten in Russland würde dieses Problem dauerhaft gelöst", sagt WAZ-Chef Bodo Hombach.
Jedoch nicht von heute auf morgen: Der Bau einer neuen Fabrik würde rund zwei Jahre dauern. Derzeit befinden sich die Verlage mit den skandinavischen Papierkonzernen in Verhandlungen über die Preiserhöhungen. Wie denkt die Branche darüber?
“Die Papierpreise waren in den vergangenen Jahren auf einem relativ niedrigen Niveau. Auch in anderen Industriezweigen steigen die Rohstoffpreise momentan, zum Beispiel in der von Baumwollpreisen abhängigen Textilbranche. Das macht die aktuelle Situation indes nicht besser, sie stellt für Condé Nast aber auch kein massives Problem dar”, erklärt Deutschland-Chef Moritz von Laffert. Für die nächste Zeit sieht man sich bei Condé Nast noch weitestgehend unabhängig vom Preispoker: “Wir verändern keinesfalls die Qualität, Ausstattung oder den Umfang unserer Magazine. Selbstverständlich suchen wir nach alternativen Papierfabrikaten, solange die Qualität identisch oder besser ist. Und selbstverständlich können Veränderungen auf dem Papiermarkt keinen Einfluss auf unsere Vertriebspreis-Politik haben – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Condé Nast hat sich rechtzeitig vergleichsweise günstige Papierkontingente gesichert.”
Im Jahreszeiten-Verlag setzt man Hoffnungen auf eine EU-weite Regelung: “Wir hoffen und glauben auch, dass die EU-Behörde die aktuell angestrebte Übernahme des Papierkonzerns Myllykoski durch UPM sehr kritisch untersucht. Sofern die Behörde im Rahmen der Prüfung unsere Besorgnisse der Marktbeherrschung teilt, sie die Übernahme dann möglicherweise untersagt oder mit erkennbaren Auflagen versieht”, erklärt Robert Rabe, Leiter Einkauf und Herstellung.
Die UPM-Kymmene Corporation will die Myllykoski Corporation übernehmen. Die Transaktion braucht noch die Zustimmung der Aufsichtsbehörden. Myllykoski muss solange unabhängig operieren. Die Übernahme soll im zweiten Quartal 2011 abgeschlosssen sein. Zum Umgang mit den Mehrkosten erklärt Rabe: “Aus heutiger Sicht werden wir versuchen, unsere Kunden mit keiner der von Ihnen angesprochenen Maßnahmen zu belasten.”
Wolfgang Wagener, Produktionsleiter beim Zeit-Verlag, sieht gleich mehrere Gründe für den Anstieg der Papierpreise: “Gründe sind eine nachhaltige Verknappung der Produktionsmengen für den europäischen Markt. Außerdem darf natürlich nicht unberücksichtigt bleiben, dass speziell die Preise für SZO-Papiere im vergangenen Jahr extrem niedrig und sicher nicht immer kostendeckend für die Papierindustrie waren. Zusätzlich spielt der derzeit hohe Altpapierpreis und steigende Energiekosten eine nicht unbeträchtliche Rolle.” Einen schnellen Anbieterwechsel hält er allerdings für extrem unwahrscheinlich: “Falls möglich, ein Ausweichen auf Lieferanten aus Kanada und Russland. Durch die anstehende Übernahme von Myllykoski durch UPM wird allerdings die Palette der Anbieter immer geringer und vermutlich die Abhängigkeit vom skandinavischem "Kartell" vorerst bleiben.”
Gruner + Jahr hält sich als Europas größter Verlag mit klaren Angaben noch zurück: “Unsere Titelverantwortlichen werden zur gegebener Zeit geeignete und für das jeweilige Produkt passende Maßnahmen treffen, die sie für richtig halten”, erklärt ein Sprecher gegenüber MEEDIA. Die Axel Springer AG führt derweil Gespräche mit dem russischen Papierhersteller Solikamskbumprom über mögliche langfristige Abnahmevereinbarungen und würde so den Bau einer neuen Papierfabrik unterstützen. Die Argumente der skandinavischen Papierhersteller kann man in Berlin nicht nachvollziehen: "Es ist für unser Unternehmen nicht plausibel, warum bei weiter sinkender Nachfrage durch die Zeitungsverlage in Europa die Preise für Zeitungspapier um einen erheblichen Prozentsatz steigen sollen, auch unter Würdigung höherer Rohstoff- und Energiekosten bei der Papierherstellung."
Viele Verlage wollten sich auf Anfrage nicht äußern. Doch Norske-Skog-Chef Sven Ombudstvedt deutete bereits Unnachgiebigkeit an: Eine Erhöhung von rund 15 Prozent sei im Verhältnis zu den Kosten zu gering. Bereits im vergangenen Jahr litten die Print-Renditen der Medienhäuser unter den gestiegen Preisen. Springer konnte diese nur dank seines starken Digital-Geschäftes ausgleichen.
Bleiben die Skandinavier bei ihrer maximalen Forderung bleiben den Verlage genau fünf Optionen: die Druckauflagen verringern, den Copypreis erhöhen, die Papierqualität ändern, die Heftumfänge verkleinern oder Rendite-Einbußen in Kauf zu nehmen. Es wird spannend sein zu beobachten, welcher Verlag sich für welche Lösung entscheidet.
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