Wer bisher gedacht hatte, die Print-Branche würde deswegen sterben, weil nachwachsende Generationen sich nur noch im Internet herumtreiben würden, muss seine Meinung wohl etwas revidieren. Die neuen Verkaufszahlen der IVW zeigen: Mit für Jugendliche relevanten Inhalten lässt sich auch im Jahr 2009 noch kräftiges Auflagenwachstum bei Teenies generieren. Die vier größten Jugendzeitschriften des Landes haben im dritten Quartal nämlich allesamt zugelegt, Marktführer "Bravo" um heftige 82.807 Exemplare.
Von 473.127 verkauften Exemplaren im dritten Quartal 2008 auf nun 555.934 verbesserte sich die "Bravo" - ein Wachstum von stolzen 17,5%. Zum ersten Mal seit drei Jahren sprang die Teenie-Bibel damit wieder über die 500.000er-Marke. Ähnlich die Situation bei den Verfolgern: "Popcorn", "Bravo Girl" und "hey!", die die Plätze 2 bis 4 des Jugendzeitschriften-Rankings belegen, verbesserten ihre Verkaufszahlen ebenfalls allesamt deutlich. So gewann "Popcorn" im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 6,9% hinzu, "Bravo Girl" 13,8% und "hey!" sogar 21,0%. Das Magazin aus dem Panini Verlag, das alle 4 Wochen erscheint, erreichte damit ebenfalls die höchste Verkaufsauflage seit 2006. Sonstige Verkäufe spielen bei den Jugendzeitschriften im Übrigen keine große Rolle, bei fast allen Titeln besteht die verkaufte Auflage zu ca. 98-99% aus harten Verkäufen am Kiosk und per Abo.
Die Gründe für den ungewöhnlichen Boom der Jugendmagazine sind dabei nicht so leicht zu fassen. Am Tod von Michael Jackson, wie mancher sicher gerade denkt, lag es zumindest nicht allein. Zwar verkauften sich die "Bravos" mit dem King of Pop auf dem Titel sehr gut, doch Hefte mit Lady Gaga, Miley Cyrus oder Robert Pattinson gingen genau so oft über die Ladentische. Die "Popcorn" hatte MJ ohnehin kein einziges Mal auf dem Titel und verkaufte sich mit einem Titel mit Miley Cyrus, Ashley Tisdale und Robert Pattinson am besten. Auch "Bravo Girl" und "hey" kamen ohne Michael-Jackson-Titel aus.
Trotz des Internets scheinen Jugendliche also wieder stärker zum Medium Papier zu greifen, um sich über ihre Stars zu informieren. Auch das Thema Poster könnte eine Rolle spielen, schließlich gibt es die nur auf Papier. Doch auch sie können kein Argument dafür sein, warum gerade in der jüngeren Vergangenheit wieder mehr Jugendzeitschriften verkauft werden, gab es die Poster doch schon immer. Ein Blick auf den Langzeit-Trend zeigt, dass die Zeiten für die Magazine natürlich schonmal besser waren. Doch er zeigt auch, dass ungefähr im Jahr 2007 ein Gegentrend einsetzte. Der Auflagen-Sturz wurde gestoppt, die Zahlen entwickeln sich wieder nach oben.
Diese Entwicklung sollte ein ermutigendes Zeichen für alle Zeitschriftenmacher sein, zeigt sie doch, dass selbst in den Generationen, die mit dem Internet aufwachsen, die also gar keine Medienwelt ohne das Netz mehr kennen, immer noch zur Zeitschrift gegriffen wird. Print lebt also. Auch bei den Jugendlichen.
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Letzte Kommentare
22.10.09 14:41
Jens Schröder Website
@Andreas Vogel: Sie haben mit Ihrem Einwand im Bezug auf die Einordnung einzelner Titel durchaus recht, ich habe mich für die Betrachtung aber an die offiziellen Segmente der IVW gehalten. Und da tauchen die genannten Zeitschriften nunmal im Segment Jugend auf. "Top of the Pops", "Freche Mädchen" und "Gute Zeiten - Schlechte Zeiten" im Übrigen auch. Ich habe mich allerdings bei der Tabelle auf eine Top Ten beschränkt, die die drei mit ihren Auflagen nicht erreicht haben.
22.10.09 13:04
Andreas Vogel Website
Boomen ist wohl in der Tat für das gesamte Segment übertrieben. Aber es sieht so aus, als gäbe es Licht am Ende des Tunnels. Die Segmentbetrachtung ist natürlich abhängig von den einbezogenen Titeln. Ich würde weder Mosaik (Comic), noch Pferd + Co (Kinder), noch Bravo Hip Hop Special (Musik) zum engeren Jugendsegment zählen. Stattdessen aber Bravo Sport, Top of the Pops, Freche Mädchen und Gute Zeiten - Schlechte Zeiten. Und dann sieht man bei insgesamt 11 Titeln, dass die Auflage im 3. Quartal 2009 im Vergleich zum 3. Quartal 2008 weitgehend stabil geblieben ist. Eine Grafik zum Langzeitvergleich 1975-2009 ist über das WIP erhältlich.
21.10.09 19:16
Frank Plümer Website
Bei der Betrachtung des Jugendsegments darf auch SPIESSER - die Jugendzeitschrift nicht fehlen: Das Magazin verbucht im 3. Quartal 2009 mit seinen 18.000 Auslagestellen eine bundesweit verbreitete IVW-Auflage von 955.508 Exemplaren.
Frank Plümer
SPIESSER Pressesprecher
21.10.09 16:20
Horst Medienbär
Die Einstellung von Yam! kann noch nicht zum Zuwachs der übrigen Jugendzeitschriften im Vergleich mit dem dritten Quartal des Vorjahres geführt haben: Yam! wurde erst 01/2009 eingestellt.
Wohl aber die Einstellung von Elle Girl 11/05, Starflash 02/08 und Sugar 09/08 - insgesamt wird es auf dem markt der jugendzeitschriften nämlich eisig kalt! Von wegen "ermutigendes Zeichen"!
Sie sollten ein Werk für 100-Watt-Glühbirnen errichten, die Nachfrage ist gerade so groß wie nie...
21.10.09 16:01
Marc de Laporte Website
Sehr geehrter Herr Schröder,
Ihr Plädoyer für das Jugendsegment in allen Ehren. Bei Ihrer Betrachtung lassen Sie allerdings außer Acht, dass mit der (gerelaunchten) YAM! im vergangenen Jahr noch ein Titel erschien, der gerade die älteren Jugendlichen ansprechen sollte. Auch wenn das Konzept offensichtlich nicht für eine wirtschaftlich tragfähige Auflage gereicht hat, so hinterließ die Einstellung von YAM! Ende letzten Jahres ein Lücke, die bislang noch nicht gefüllt wurde.
Marc de Laporte