Rainer Tittelbach ist Medienjournalist, sein selbsternannter Auftrag: die Wiederbelebung anspruchsvoller Fernsehkritik. Mit seinem jetzt gestarteten Online-Magazin Tittelbach.tv schreibt der 51-Jährige im Alleingang Kritiken, Analysen, Drehberichte und führt Interviews. Im Vordergrund steht die Qualität der Texte. "Ich bin kein Aktualitäts-Junkie", sagt Tittelbach über sich selbst. Sein Web-Portal ist ein journalistisches Angebot. Seine Zielgruppe ist vor allem der Fernsehbetrieb.
"Medien sind für mich kein x-beliebiges Thema, Fernsehkritik ist für mich nichts, was auch der Praktikant übernehmen kann", so Tittelbach. Die Arbeitstage des Journalisten sind lang, etwa 14 bis 15 Stunden im Durchschnitt. Er sieht jeden Film selbst, er schreibt jeden Text selbst. Tittelbach.tv ist eine One-Man-Show – noch: Langfristig möchte der Fernsehkritiker eine kleine Redaktion aufbauen. Doch jetzt zähle es erst einmal, die Seite in der Branche bekannt zu machen, sagt er.
Aktuell befinden sich 392 Texte online, die Site durchlief ab Mitte September eine Closed-Beta-Phase und ist seit rund einer Woche für die gesamte Öffentlichkeit zugänglich. Das Layout der Site ist in einer klar strukturierten Print-Optik gehalten, es dominieren die Farben Rot und Grau. Auf Tittelbach.tv erscheinen monatlich rund 50 Besprechungen von Fernsehfilmen und Reihen aller deutschen TV-Sender. Berücksichtigt werden sehenswerte Premieren und die besten Wiederholungen.
Dafür sieht Tittelbach rund 20 bis 30 Filme pro Monat. "Ich sehe systematisch fern", sagt der Journalist. Die Kritiken sind reflektierend und beziehen die handwerklichen und künstlerischen Entwicklungen der heimischen Fernsehfiktion mit ein. Zudem werden Hintergrundberichte zu den wichtigsten neuen Premieren bereits drei Wochen vor dem Sendetermin angeboten. Alle Filme, Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler sind systematisch erfasst und via Suchfunktion in einer Datenbank abrufbar.
Erklärtes Ziel Tittelbachs ist, die anspruchsvolle Fernsehkritik wiederzubeleben. Bis Sommer 2010 will sich der 51-Jährige Zeit lassen, um sich mit der Praxis im Internet vertraut zu machen. Anschließend will er mit dem Verkauf von Werbeplätzen auf der Site beginnen. Was den Businessplan angeht, so gibt der Medienjournalist selbst zu, ist er noch etwas blauäugig. Ob er mit der Site Geld verdienen kann, hänge davon ab, ob es gelingt den Bekannheitsgrad entsprechend zu steigern. Genaue Zahlen wollte Tittelbach allerdings nicht nennen.
Tittelbach ist seit 25 Jahren Medienjournalist. Er arbeitete als Redakteur unter anderem für die "Welt" und gehört seit 1992 zum Kreis der Juroren des renommierten Adolf-Grimme-Preises. Rainer Tittelbach ist außerdem Prüfer der FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen).
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Letzte Kommentare
24.11.09 14:09
Désirée V. Website
Qualitative Film- und Fernsehkritik gibt es wirklich selten, gerade im Netz. Dort ist es ja immer eher popkulturell angehaucht und mit Pop-Referenzen gespickt. Und wenn ein alter Hase es von sich aus auch im Netz versucht, finde ich das unterstützenswert!
Es ist keine peinlich-bemühte 'New-Media-Kampagne', die ihm von irgendeiner Beratungsfirma aufgeschwatzt wurde, sondern anscheinend aus eigenen Stücken und eigenem Interesse heraus geschehen. Hut ab!
Wenn man jetzt noch von der allzu beherrschenden Dominanz von Times New Roman weggekommen könnte (zumindest Überschriften und Sidebars könnte man ja mit Verdana, Arial o.ä. füllen), dann würde es auch etwas leichter rüberkommen.
23.11.09 19:41
Markus Merz Website
Guter Tipp. Die Seite gefällt und speziell die routiniert sauber geschriebenen Inhalte gefallen.
Nach einigem Durchschauen bekomme ich allerdings ein wenig Kopfschmerzen vom sehr auftragenden dreispaltigen Design sowohl optisch als auch strukturell.
(...) Der Kommentar wurde länger und länger. Nun ist es ein eigener Artikel:
http://sankt-georg.info/artikel/891/fernsehprogramm-fernsehen-tv-programm-webseite