Eine kleine Elefantenrunde diskutierte am Mittwoch am Rande der CeBit auf dem Podium: Telekom-Chef René Obermann, Springer-CEO Mathias Döpfner und Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron. Das Trio verkündete dabei eine strategische Allianz. Die Deutsche Telekom wird künftig als elektronischer Kiosk für den Spiegel fungieren und zudem Springers Payoffensive im mobilen Bereich durch ein vereinfachtes Abrechnungsmodell ankurbeln: Bezahlt wird über die Telefonrechnung.
"Die Telekom ist unser Kiosk", brachte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner auf dem Podium den Kern der Kooperation auf den Punkt. Selbstkritisch fügte der 47-Jährige hinzu, die Verlage hätten die Gratiskultur im Web selbst mit verschuldet. Die neuen mobilen Medien brächten nun die Chance, Content gegen Bezahlung digital zu vertreiben. Das Bündnis mit der Telekom biete eine Reihe von Vorteilen: "Einfache Abrechnung, keine Beschränkungen und einen Partner, der keine inhaltlichen Ambitionen hat", sprich selbst als Content-Lieferant aufzutreten. Auch Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron zeigte sich überzeugt, dass die "Bezahlung im Web einfacher werden muss". Gleichzeitig sei er vom Potenzial der reinen Werbefinanzierung "irgendwie enttäuscht", da Spiegel Online auch nach eineinhalb Jahrzehnten gerade mal 20 Millionen Umsatz jährlich erziele.
Die Telekom übernimmt die Verbreitung und das einfache Abrechnen für die neuen und ab sofort verfügbaren Premium-Inhalte von Spiegel und Bild mobil. Und: Der Spiegel als E-Paper wird künftig auch über die Startseite t-online.de vermarktet und erreicht damit mehr als 17 Millionen Leser.
Die neuen Regionalangebote des Bild-Mobilportals können ebenfalls ab sofort mit jedem internet-fähigen Handy von den über 40 Millionen Mobilfunkkunden der Telekom genutzt werden. René Obermann erklärte bei der Podiumsrunde, sein Konzern verstehe sich "als Partner der Verlage" im Bemühen um neue Geschäftsmodelle.
Der Spiegel als E-Paper ist bereits samstags ab 22 Uhr online verfügbar. Kunden von t-online.de erhalten mit ihren bestehenden Kennungen Zugang und bezahlen einfach über die Telekom-Rechnung.. In der Einführungsphase bis Ende März 2010 erhalten Telekom-Kunden dabei 50 Prozent Rabatt und zahlen nur 1,90 Euro pro Ausgabe statt der üblichen 3,80 Euro. Bei der bereits eingeführten digitalen Verbreitung über den Apple App-Store gelten aufgrund der Geschäftsbedingungen des US-Konzerns abweichende Preise: 1,99 Euro in der Schnupperphase, danach 3,99 Euro. Telekom-Kunden zahlen also 9 bzw. 19 Cent weniger pro virtueller Magazinausgabe.
Neu ist auch das Angebot die Regionalinhalte von Bild mobil: T-Mobile Kunden können 12 Regionalsausgaben via internet-fähigem Handy einfach und sicher über ihre Mobilfunkrechnung bezahlen. In der dreimonatigen Einführungsphase wird auch hier Rabatt gewährt und es werden lediglich 0,14 Euro pro Tag statt 0,19 Euro berechnet. Damit weitet Axel Springer die kostenpflichtigen Zonen im Webangebot aus. Bislang waren zunächst die Regionalinhalte der Abo-Zeitungen Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost sowie die lokalen Webinhalte auf kostenpflichtig umgestellt.
„Wir freuen uns, mit der Deutschen Telekom einen starken Partner an der Seite zu haben, der die Verlagshäuser dabei unterstützt, die Bezahlung für journalistische Inhalte in der digitalen Welt zu vereinfachen. Neben attraktiven Inhalten ist vor allem eine einfache, sichere Abrechnung elementare Voraussetzung für langfristigen Erfolg. Hier setzten wir auf die langjährige Erfahrung und Expertise der Deutsche Telekom“, so Mathias Döpfner in einer offiziellen Mitteilung von Axel Springer.
Donata Hopfen, Geschäftsführerin Bild digital, zur Zukunftsstrategie: „Nach dem erfolgreichen Start unserer Apps für Bild und Welt mit mehr als 100.000 Downloads in den ersten Wochen gehen wir nun den nächsten Schritt unserer Initiative und weiten das Angebot aus. Der neue Premium-Bereich auf Bild mobil bietet Abonnenten exklusive Nachrichten aus ihren Regionen und damit einen attraktiven Mehrwert. Gleichzeitig sind die iPhone-Apps von Bild und Welt nach dem Ende des Testzeitraums künftig in optimierten Update-Versionen als kostenpflichtige Abo-Modelle zum Download verfügbar.“
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