Knapp 7.000 Euro in sechs Monaten: Ein wirkliches Geschäftsmodell ist der freiwillige Bezahldienst Flattr für die taz noch nicht. Blogger wie Stefan Niggemeier, Johnny Haeusler und Udo Vetter gehören zu den größten Nutznießern der Plattform. Doch die Spendenwilligkeit der Deutschen nimmt ab. Seit Juni ist die Zahl der geflatterten Artikel um fast ein Drittel gesunken. Die US-Medienbranche hat solche Probleme nicht. Dort finden sich sogar spendable Milliardäre.
Spendenfinanzierter Journalismus scheint in Deutschland nicht zu funktionieren: Zwischen Juni und Oktober ging die Zahl der Flattr-Spenden an die 25 größten Nutznießer um fast ein Drittel (31 Prozent) zurück. Statt 3.490 Leuten spendeten nur noch 2.664. Anders ist es bei der taz. Die Flattr-Einnahmen der Tageszeitung steigen – wenn auch auf niedrigem Niveau.
Knapp 6.900 Euro in sechs Monaten
Unter den 25 Artikeln, für die im Oktober am meisten gespendet wurde, finden sich fünf von taz.de. "Mit 1.544 Euro Einnahmen war der Oktober unser bislang stärkster Monat", schreibt Online-Chefredakteur Matthias Urbach im Hausblog. Seit dem Start Mitte Mai sind die Texte auf taz.de 29.000 Mal geflattert worden. Knapp 6.900 Euro - bei durchschnittlich 26 Cent pro Klick - kamen dabei nach eigenen Angaben zusammen. Gegenüber MEEDIA sagte Urbach: "Wir hatten uns schon etwas mehr erhofft. Aber Flattr ist bei den Usern noch nicht so verbreitet."
Die hohen Erwartungen des taz.de-Chefs kommen nicht von ungefähr. In den ersten zwei Monaten, in denen die Nachrichtenseite Flattr einsetzte, stiegen die Einnahmen noch sprunghaft an. Aber vergleicht man die Monate Juli und Oktober miteinander, so legten die Erlöse nur um acht Prozent zu. Urbach: "Die Entwicklungen verlaufen immer sprunghaft. Vielleicht kommt bald der nächste."
Um die Flattr-Einnahmen zu beflügeln, will Urbach mehr für die Bezahlform werben. "Wir werden in regelmäßigen Abständen unter dem Artikel mit etwas größeren Hinweisen auf den Button aufmerksam machen. Und wir denken an eine begleitende Kampagne." Mit PayPal und Handy-Überweisungen will taz.de auch weitere Bezahlmöglichkeiten anbieten. Jetzt schon bietet das Nachrichtenportal eine Kontonummer als Flattr-Alternative an.
Flattr ist ein Tool für Blogger
Flattrs weitere Entwicklung in Deutschland scheint jedoch wenig erfolgversprechend. Bei 46.000 registrierten Nutzern sind gerade einmal 114.000 Euro durch das System gegangen. Wie das Medienblog Carta berichtet, stagnierte das Klick-Niveau im Oktober verglichen mit September. Mit 2.664 Spenden ist der Bezahldienst eine kleine Welt. Im Juni nutzten ihn noch fast 1.000 Deutsche mehr. Zu den Hauptnutznießern von Flattr gehören neben taz.de Stefan Niggemeier, der Lawblogger Udo Vetter und das Blog Spreeblick von Johnny Haeusler.
Hier zeigt sich auch schon, wer den freiwilligen Bezahldienst am sinnvollsten einsetzen kann. Für ein Medium wie die taz mögen Einnahmen von 6.900 Euro nicht viel sein. Wenn aber ein Blogger diese Summe in einem halben Jahr verdienen kann, lohnt es sich für ihn. Zudem könnte der Einstieg von weiteren großen Medienhäusern das Flattr-System stören. Mit ihrer Vielzahl von Angeboten könnten sie das Preis-pro-Klick-Niveau zum Einstürzen bringen – dann wären Artikel den Nutzern möglicherweise keine 26 Cent mehr wert, sondern deutlich weniger. Leidtragende wären die Blogger.
USA sind Vorreiter für spendenfinanzierten Journalismus
In anderen Ländern funktioniert das Modell des spendenfinanzierten Journalismus besser. Die USA hat gleich mehrere Projekte, die erfolgreich auf diese Weise arbeiten. 2007 gründeten die kalifornischen Immobilien-Milliardäre Herbert und Marion Sandler in New York die Organisation ProPublica. Die Idee dahinter: investigativen Journalismus fördern. Mit einem von den Sandlers gespendetem Jahresbudget von zehn Millionen Dollar recherchieren derzeit 32 Journalisten an aufwändigen Geschichten.
Schon seit 1977 existiert das Center for Investigative Reporting. Mit dem ehemaligen New-York-Times-Reporter Robert Rosenthal an seiner Spitze produziert es Texte für verschiedene große US-Magazine, wie 60 Minutes, New York Times, Los Angeles Times, Washington Post oder USA Today – alle durch Spenden finanziert.
Auf lokale Berichte hat sich das Web-Portal Spot.us spezialisiert. Journalisten bieten dort unterschiedliche Themen an und sagen, welches Budget sie dafür brauchen. Nutzer der Plattform können dann für eine Geschichte spenden. Sobald das benötigte Geld zusammengekommen ist, fängt der Journalist an zu recherchieren.
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