Nach dem Steuerhinterziehungs-Skandal erreicht die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) die nächste Hiobsbotschaft. Wie die "taz" berichtet, hat die Gesellschafterversammlung der Gruppe Württembergischer Verleger (GWV) am Mittwoch über eine notwendige Kapitalerhöhung um 90 Millionen Euro bei der Holding beraten. Dazu drohen jetzt zusätzlich gigantische Nachzahlungen an Finanzamt und Sozialversicherung, die die finanziellen Kräfte der kleineren GWV-Verlage überfordern könnte.
Die finanzielle Schieflage des Konzerns, dem unter anderem "Stuttgarter Zeitung" und "Rheinpfalz" gehören, wird durch die zu erwartenden Folgen des Steuerbetrugs gefährlich verstärkt. Vor allem die 650 Millionen teure Übernahme der angeschlagenen "Süddeutschen Zeitung" im Jahr 2007 belastet den Verlag schwer. Derzeit werden bei fast all seinen Blättern gravierende Sparmaßnahmen eingeleitet. Knapp 45 Prozent an der SWMH gehören der GWV. Deren kleine Verlage leiden aber selbst unter erheblichen Einnahme-Rückgängen. Für sie sind die Finanz-Manipulationen eine Hiobsbotschaft. "Die Kleineren trifft das zur Unzeit", zitiert die "taz" den Medienexperten Horst Röper.
Welche zusätzlichen Mittel die GWV-Verlage über die 90 Millionen hinaus genau aufbringen müssen, steht zur Zeit noch nicht fest. Es ist aber von zu erwartenden Millionenforderungen die Rede.
Wie der SWR berichtet, hat die SWMH seit Jahren systematisch Sonderschichten und Überstunden zum Vorteil von Konzern und Mitarbeitern falsch abgerechnet. "Im Mittelpunkt steht eine jahre-, wenn nicht jahrzehntelange Entwicklung", berichtet der SWR. Um die nach umfassenden Sparmaßnahmen verbliebenen rund 1.000 Mitarbeiter für regelmäßige Sonderschichten zu belohnen, seien ihnen weitgehend abgabenfreie Sonntags- und Wochenenddienste aufgeschrieben worden. Ein entlassener Abteilungsleiter hat sich wegen dieses Steuerbetrugs bereits selbst angezeigt.
Herausgekommen ist die systematische Steuerhinterziehung bei einer hauseigenen Revision der SWMH. Gegenüber dem SWR erklärte Richard Rebmann, Geschäftsführer seit 2008, der Staatsanwaltschaft alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung stellen zu wollen. Der Betriebsrat reagierte "äußerst verwundert" auf die Ergebnisse der aktuellen Revision, die Manipulationen seien "seit vielen Jahren ein offenes Geheimnis gewesen".
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