Pünktlich zum Jahreswechsel räumt Holtzbrinck bei der VZ-Gruppe kräftig auf. Mit Dennis Bemmann und Michael Brehm verlassen die letzten beiden Manager aus der Gründerzeit das Portal. Zweite wichtige Änderung: Zum 20. Januar schließt StudiVZ seine Auslandsableger in Spanien, Italien, Frankreich und Polen. „Wir konzentrieren uns auf den deutschsprachigen Markt und wollen hier die Position des Marktführers weiter ausbauen", sagte ein VZ-Sprecher der Seite Onlinekosten.de.
Bereits zum Jahresende sollen Bemmann und Brehm das Unternehmen verlassen. Bemmann gehörte neben Essan Dariani zu den Gründern der Plattform. Im Sommer 2005 hatte der Berliner das Portal fast im Alleingang programmiert. Rund ein Jahr später stieß der Investmentbanker Brehm zum Gründerteam um Dariani und Brehm. Beide gehören zu den Stars der jungen deutschen Web2.0-Szene und galten innerhalb der VZ-Gruppe als wichtige Integrationsfiguren, hatten in den letzten Monaten jedoch – innerhalb des Unternehmens - eher beratende Funktionen.
In der Ankündigungs-/Verabschiedungs-Mail, die die betroffenen Mitglieder über das drohende Aus informierte, heißt es laut Onlinekosten.de: „Wir bitten dich, der Einladung zu folgen und dich auf meinVZ.net zu registrieren. Dies ist der Ort, wo die brandneue englische Version gestartet wird.“ So weit so gut. Doch dann folgt noch der leicht missratene Nachsatz: „So schön unsere einzelnen Sprachen auch sind – unsere gemeinsame Sprache ist Englisch."
Die Manager hofften vor allem lange Zeit auf einen Erfolg der polnischen Version. Doch der jetzt vollzogene Schritt ist wohl mehr als überfällig. Den Kampf gegen lokale Konkurrenten und vor allem gegen Facebook hatte die Holtzbrinck-Tochter schon vor einen Jahr praktisch aufgeben. In einem FAZ-Interview kündigte der damalige VZ-Chef Marcus Riecke bereits an: „Wir konzentrieren uns jetzt voll auf den deutschsprachigen Raum. Hier haben wir die Marktführerschaft und wollen diese Position auszubauen. Das internationale Geschäft spielt im Augenblick eine Nebenrolle für uns.“
Das Riecke-Interview sorgte damals für einen überraschenden Paradigmen-Wechsel. Denn dass Jahr 2007 war noch geprägt von einer aggressiven Expansionsstrategie des Holtzbrinck-Konzerns und der ehemaligen Gründer. Mit viel Aufwand versuchten das aufstrebende deutsche Studentenportal vor rund zwei Jahren den EU-Raum möglichst schnell zu erobern. Ein logischer Schritt, denn 2006 war der große US-Rivale Facebook in Europa noch nicht ernsthaft aktiv.
Wie viele Nutzer von der Schließung betroffen sind ist nicht bekannt. Auf Anfrage von MEEDIA wollte StudiVZ keine Angaben dazu machen. Aktuell hat die gesamte VZ-Gruppe 12,5 Millionen Mitglieder, von denen rund zwei Millionen auf MeinVZ entfallen.
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