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MEEDIA-Interview mit CEO Markus Berger-de León

StudiVZ – "ein großes Medienunternehmen"

Seitdem er im Amt ist, wächst das Unternehmens-Ego: Markus Berger-de León, Vorstand der VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ) steht mittlerweile einem selbstbewussten Marktführer mit über 15 Millionen Mitgliedern vor. Im MEEDIA-Interview spricht der Holtzbrinck-Manager über schwarze Zahlen, den großen Rivalen Facebook, zurückhaltende Werbebudgets und was ihn mit Focus-Macher Helmut Markwort verbindet: "Produkt, Produkt, Produkt und immer um die Nutzer kümmern."

Ärgert es Sie, wenn Sie sehen, dass Facebook im "Stern" eine eigene Titelgeschichte bekommt?
Ja und Nein. Es ärgert mich schon, wenn ich in einem deutschen Magazin eine lange Geschichte über Soziale Netzwerke sehe und es entsteht der Eindruck, als ob es nur Facebook und keine deutschen Anbieter geben würde. In diesem Fall sind die Einheimischen ja sogar noch erfolgreicher. Anderseits freuen mich solche Magazin-Geschichten auch, weil sie helfen, Soziale Netzwerke noch populärer zu machen. Es gibt immer noch genügend Leute, die weder bei uns noch bei Facebook sind.
 
Die VZ-Gruppe hat jetzt über 15 Millionen Mitglieder. Wie groß können Sie denn noch werden?
Unser Angebot ist sinnvoll für jeden Internetnutzer. In England ist bereits jeder dritte Bürger in einem Social Network aktiv. Von dieser Abdeckung sind wir noch ein gutes Stück weit entfernt.
 
Wo liegt Ihre Wachstumsgrenze? Bei 20 Millionen?
Nein. Weit dahinter. Uns gehört die Zukunft. Social Networks verändern gerade die gesamte Web-Kommunikation. Was früher die E-Mail war, sind heute die Plattform-Nachrichten und was früher der Messenger war, wird langsam vom Plauderkasten bzw. von den Statusmeldungen abgelöst.
 
Diese gesamte Kommunikation spielt sich aber doch noch hinter den abgeschlossenen Wänden der einzelnen Plattformen ab.
Noch. Aber das ändert sich. Schon bald werden die Nutzer über die verschiedenen Plattformen hinweg kommunizieren. Ähnlich wie bei der E-Mail braucht es dazu allerdings erst einmal einen gemeinsamen Standard. Aber mit Open Social scheint er gefunden. Das System wird sich durchsetzen.
 
Werden die Netzwerke überhaupt erlauben, dass die Nutzer über die Plattformen hinweg miteinander kommunizieren?
Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Weder die Nutzer noch ihre Daten sind 
Eigentum der Plattformbetreiber. Das ist zumindest der Grundsatz, der für die VZ-Netzwerke gilt.
 
Das klingt so, als ob Sie schon eine klare Vision der Social Network-Zukunft hätten?
Nein. Die ist noch sehr unkonkret. Keiner kann seriös sagen, was in zwei Jahren ist.
 
Ein erster Schritt hin zu dieser Öffnung könnte der Start der Open Social-App auf den VZ-Netzwerken sein. Wann ist es soweit?
Im 4. Quartal dieses Jahres.
 
Noch dieses Jahr?
Definitiv ja.
 
Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger? Seitdem Sie da sind, hat sich zumindest die Wahrnehmung der VZ-Netzwerke doch erheblich verändert?
Das freut mich, dass Sie das sagen. Was ich allerdings anders mache, weiß ich nicht. Ich habe nie unter meinen Vorgängern gearbeitet. Es ist allerdings so, dass ich gemerkt habe, dass vielen Mitarbeitern hier das nötige Selbstvertrauen gefehlt hat. Wir sind mit Abstand die Nummer eins in Deutschland. Das ist eine Leistung, auf die man unheimlich stolz sein kann. Ich habe also als Erstes versucht, unseren Mitarbeitern mehr Selbstvertrauen einzuimpfen. Ansonsten kann ich nur sagen, wo meine Prioritäten liegen.
 
Wo denn?
Produkt, Produkt, Produkt und immer um die Nutzer kümmern. Seitdem ich da bin, haben wir alle zwei Wochen ein neues Feature gestartet.
 
Was ist mit Wachstum? Gehört das auch zu den Top-Prioritäten?
Ja klar.
 
Ist die Bundestagswahl für die VZ-Netzwerke ein Glücksfall? Sie sind ja sehr aktiv am Wahlkampfgeschehen beteiligt und werden in vielen Medien mit ihren Nutzer-Umfragen zitiert.
Wir haben dazu eine ganz klare Strategie entwickelt. Bereits vor Monaten haben wir beschlossen, das Thema zu besetzen.
 
Haben Sie das Gefühl, dass Sie durch Ihr großes Wahl-Engagement auf einmal auch von der Politik ernst genommen werden?
Ja. Aber man darf auch nicht vergessen, dass wir mit unseren 15 Millionen Mitgliedern zu den großen Medienunternehmen dieses Landes gehören. Wir erreichen in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen mehr Deutsche als jeder Fernsehsender.
 
Wie sollen die VZ-Netzwerke mittelfristig ihre Position als Marktführer halten?
Entscheidend wird sein, dass wir vor allem regional punkten. Wir müssen superdeutsch sein. Darüber hinaus müssen wir die Unterschiede zu den Konkurrenten noch stärker in den Vordergrund stellen.
 
Welche sind das?
Das ist vor allem der Datenschutz. Ich glaube, dieses Thema wird schon bald immer wichtiger. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass wir uns als deutsches Unternehmen auch an die einheimische Gesetzgebung halten müssen. Das sieht bei Facebook ganz anders aus. Es ist doch so: Sobald wir ein neues Feature einführen wird gleich zwei bis drei Mal so genau hingesehen.
 
Stimmt es, dass Sie in den Monaten vor der Sommerpause zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben haben?
Der Sommer lief gut. Allerdings haben wir keine schwarzen Zahlen geschrieben.
 
Wie sieht es für das restliche Jahr aus?
Der Break-even ist nicht unsere erste Priorität. Unser Fokus liegt auf Wachstum. Dafür investieren wir ständig weiter.
 
Heißt: Wenn Sie wollten, könnten Sie sofort Gewinne erzielen?
Ja.
 
Über zwei Drittel der US-Unternehmen mit den größten Werbespendings schaltete im vergangenen Jahr Werbung bei Facebook. Sind die deutschen Unternehmen noch zu zurückhaltend?
Ja. Die Unternehmen hierzulande fangen jetzt erst an zu verstehen, wie Soziale Netzwerke funktionieren. Aber wie gesagt: Von unserer Größe und Reichweite her müssten wir ähnliche Werbebudgets erhalten wie RTL oder Sat.1.

Alexander Becker

09.09.2009
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