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Vorstandschef Döpfner verstimmt über Indiskretion im Spiegel

Springer kündigt Vertrag mit ddp

Teure Quittung für ein Spiegel-Interview: Beim Deutschen Depeschendienst flatterte die Kündigung des Axel-Springer-Konzerns ins Haus, weil der Verlag mit einer "weiteren Qualitätsverschlechterung" der Agentur rechne - und sich zudem von den beiden Eigentümern Martin Vorderwülbecke und Peter Löw provoziert fühlte. Döpfner ärgerte sich offenbar über eine Passage aus einem Spiegel-Bericht vom vergangenen Montag ("Zwei gegen alle"). Darin profilierte sich Vorderwülbecke auf Kosten des Springer-Chefs.

Ende der vergangenen Woche schrieb Mathias Döpfner ein paar Zeilen an seine Chefredakteure - von "Bild" bis "Welt". Der Verlagsboss teilte ihnen mit, dass sie vom 31. August 2010 an auf sämtliche Dienste der Nachrichtenagentur ddp verzichten müssten, Fotos wie Textmeldungen. Zur Begründung notierte Döpfner, man rechne unter den neuen ddp-Gesellschaftern Martin Vorderwülbecke und Peter Löw "mit einer weiteren Qualitätsverschlechterung" in den Diensten des ddp und wolle sich deshalb künftig lieber an Agenturen halten, die die Qualitätsansprüche des Verlages teilten.

Nach MEEDIA-Informationen fühlte sich Döpfner überdies von Vorderwülbecke und Löw kräftig provoziert. Im Konzern heißt es, die "Art und Weise des Umgangs der beiden Herren mit uns als Kunden haben das Fass zum Überlaufen gebracht". Die Kündigung ist also vor allem auch ein politisches Signal: Springer lässt sich nicht gerne vorführen.

Konkret habe sich Döpfner über einen Aspekt des Spiegel-Berichts vom vergangenen Montag geärgert (Titel: "Zwei gegen alle"). Darin hatte das Magazin protokolliert, was Vorderwülbecke an Döpfner schrieb, als der zögerte Verträge zu verlängern, nämlich: "Mein Mitgesellschafter Dr. Dr. Peter Löw hat mich auf die schlechten Erfahrungen hingewiesen, die er bereits im Zusammenhang mit der Weltkunst Verlagsgruppe mit Ihrem Verlag gemacht hat und zur äußersten Vorsicht aufgefordert. Deshalb fordere ich Sie auf, bis zum 18.1.2010 den verhandelten Vertrag von Ihrer Seite rechtsgültig an uns zurückzusenden (Fax reicht). Wir würden ansonsten die Dienste abschalten."

In diesem Fall ging es um den ehemaligen deutschen AP-Dienst, der seit Dezember ebenfalls zum ddp gehört und inzwischen DAPD heißt. Den Vertrag mit DAPD verlängerte Döpfner rechtzeitig. Allerdings, wie es im Konzern heißt, bereits vor dem Eintreffen des besagten Schreibens. Jetzt heißt es, auch der DAPD-Vertrag stehe auf dem Prüfstand. Er läuft allerdings noch ein paar Monate länger als der Vertrag mit den ddp-Diensten. Die Kündigung dieser Angebote ging nun am Freitag raus, angeblich fristgerecht.

Eine Verlags-Sprecherin wollte auf Anfrage zu dem Vorgang nichts sagen und teilte lediglich mit, dass sich ihr Haus grundsätzlich nicht zu Verträgen mit Dienstleistern äußere. MEEDIA wurde indes zugetragen, dass der Konzern ursprünglich noch die Vorstellung des für Ende Februar anstehenden neuen redaktionellen Konzepts der Agentur-Allianz aus ddp und DAPD abwarten wollte, die damit den Marktführer dpa angreifen und "verzichtbar" machen will, wie Löw und Vorderwülbecke nach dem Zukauf öffentlich beteuerten. Der neuerlichen Provokation wegen verzichtet Döpfner nun jedoch auch darauf.

Der ddp verliert damit einen großen Verlag als Kunden, aber auch nur einen, der ein paar Landesdienste und den starken ddp-Fotodienst abonniert hatte. Jetzt dürfte für den ddp die Chance vertan sein, aus dieser Geschäftsbeziehung mehr herauszuholen.

13.02.2010

Daniel Bouhs

MEEDIA RÜCKBLICK

  • 25.03.2010 ddp-Chefredakteur verlässt Agentur
  • 19.02.2010 Streit zwischen AFP und ddp eskaliert
  • 16.02.2010 Wolfgang Zehrt neuer ddp- und DAPD-Sprecher

Letzte Kommentare

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17.02.10 14:32

final reality

Die primäre Aufgabe der Medien ist eine vernünftige Versorgung mit Informationen. Zu denen gehören nunmal auch Dinge, die mitunter die Werbeeinnahmen schmählern.

Die ddp ist nun wirklich nicht das Maß der Dinge.
Hausfrau möchte gar nicht wissen, wieviele PR-Beiträge da versteckt wurden.

Selbiges gilt für die Qualität der Springer-Medien. Skandale der Bild sind nun wirklich alles andere als solche. Über die wirklichen Skandale traut man sich dort gar nicht erst zu berichten.

Nun kann man zwar wieder fusionieren oder dazukaufen, ändert es nichts daran, daß die Leser ausbleiben, weil sie einander auf ganz anderen Wegen um der vielen Informationen austauschen.

Mal ehrlich, wen bitte interessiert, ob Paris Hilton mit oder ohne Schlüpfer auf einer Party war? Niemanden, denn jeder, der ihren Bildungsfilm gesehen hat weiß, daß er das nicht mehr wissen möchte. Welch Kuriosen da auftreten. Das Vierbuchstäbige Schmalzblatt titelt "Ohne Schlüfer" und die Pädagogenversion titelt "Hat gar keine Privatsphäre". Das Ergebnis ist eine öffentliche Debatte mit einem erkaufen Gesetz von gleicher als gleich.

Das gut informierte Individum hat es nicht nötig, sich als Bürger beschimpfen zu lassen. Es vermag zu unterscheiden zwischen Unterhaltung, Verblödung, Theorie und Praxis.

Die Diktatur der Finanzen spaltet nicht nur diese Branche, soviel ist sicher. Wir dürfen gespannt sein, wann und in welcher Form die Kapitulationserklärung Bundesregierung durch die Propagandarohre schießt.

16.02.10 12:46

Hermann Friedrichs

@Christoph Zeuch:

Herr Zeuch,
macht eine Geschäftsbeziehung Sinn, wenn man ständig befürchten muss, bei der kleinsten Unstimmigkeit vom "Geschäftspartner" in der Öffentlichkeit vorgeführt zu werden.

Nach meinem Eindruck geht es hier einer Investmentseele darum, möglichst schnell eine Maximierung von irgendetwas zu erreichen.

Den Spirit der Lenker konnten andere Unternehmen bereits spüren. Und wenn ich als Verleger meine Art und Weise der Datenanlieferung "verordnet" bekomme, statt bestmögliche Lösungen wählen zu können, dann rundet dies das Bild zunehmend ab.

Viel Spass noch mit diesem "Geschäftspartner" ...

14.02.10 18:50

Christoph Zeuch Website

Nichts anderes habe ich von dem Marketing-Dienstleister Springer erwartet. In dubio contra journalism?

Es ist doch schon sehr verwunderlich, wie hier ein "Anlass" zur sofortigen Kündigung einer vermutlich langjährigen Geschäftsbeziehung mit einer großen Nachrichtenagentur führt. Springer und ein anderer Journalismus-"Dienstleister" dürfen sich seit ein paar Monaten der berechtigten Frage aussetzen, wieso man denn im selben Mietshaus (Berlin) arbeitet. Dabei weiß doch jeder, dass Kantinen und Mittagstische die Autobahn der Kommunikation sind.

Zu wissen, dass der ddp-Content keinerlei Distribution über Springer erfährt, sollte doch jetzt Verleger motivieren gerade hier unique einzukaufen. Dieser Sch(l)uss ging nach hinten los.

14.02.10 18:45

Stefan Heigelt

Leid muss es einem in der Tat um die ddp-Redaktion tun. Vor solchen sonderbaren Chefs kann einem nur grauen.

14.02.10 14:17

Meinung S. Freiheit

Zu den Herren Vorderwülbecke und Löw und der Qualität von ddp kann ich mangels eigener Erfahrung nichts sagen. Aber diese Meedia-Meldung paßt zur Geschichte Springer-ddp wie die Faust aufs Auge:
"Fälschungs-Skandal bei der dpa"

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