Der Relaunch von Spiegel Online war mit Spannung erwartet worden. Doch nachdem die neue Site am Dienstagabend online ging, ist das Medienecho bislang verhalten. Zu den wenigen professionellen Stimmen, die sich zu einer Meinungsäußerung entschlossen haben, gehört FR-online: "Beim renovierten Auftritt ... könnte die Vorreiterrolle wanken." Das Blog Design-Tagebuch bringt einen Fußball-Vergleich: "SpOn kommt mir vor wie Italien: Nicht immer kreativ, dafür erfolgreich."
Die großen Konkurrenten Bild.de und Zeit.de schweigen sich dagegen bislang zur neugestalteten Seite des Leitmediums aus.
Auf eine eingehende Bewertung der neugestalteten SpOn-Seite verzichtet auch FR-online und verlagert sich auf eine Grundsatz-Kritik: Da es nun einmal unvermeidlich sei, dass SpOn die Marktführerschaft in naher Zukunft an Bild.de verlieren muss, wögen die häufigen inhaltlichen Fehler des Hamburger Magazins besonders schwer, denn "Qualität ist der Anspruch von Spiegel Online".
"Der Tagesspiegel" beschränkt sich ebenfalls auf eine Schilderung der Änderungen an der Oberfläche und in den Eingeweiden des Spiegel-Portals. Die nüchterne Zurückhaltung wird durch einen einzigen Satz gebrochen: "Auf der Startseite selbst hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert."
Deutlicher wird Achim Schaffrinna im Design-Tagebuch. Er begrüßt am neuen Layout, dass der Artikeltext nun rechts steht: "Noch sinnvoller ist dieser Seitenwechsel – und dies dürfte auch ein Mitgrund für die Umstellung sein – in Bezug auf die Vermarktung, denn der Skyscraper rückt so in unmittelbare Nähe zum Artikel." Insgesamt zeigt sich Schaffrinna aber enttäuscht: "Echte und vor allem überraschende Neuerungen sucht man aber vergebens. ... Wir reden hier über einen evolutionären Schritt, in dem in der Fotostrecke, die einige Tage vorher ins Netz gestellt wurde, bereits alles gesagt wurde, was zu sagen ist. ... Ich behaupte einmal, dass viele Leser den Wechsel überhaupt nicht wahrnehmen werden und so auch weder ein Wind und schon gar nicht ein Sturm der Empörung aufbrechen wird. Defensiv erfolgreich." Sein Fazit: "SpOn kommt mir vor wie Italien: Nicht immer kreativ, dafür erfolgreich."
Spiegel Online selbst geht in bester Web2.0-Manier sehr offen mit dem Relaunch um und bietet den Lesern gleich mehrere Möglichkeiten, um über das neue Design zu diskutieren. Via Facebook kommentiert noch ein überschaubarer Kreis von SpOn-Freunden. Im Seiten-eigenen Forum und via Twitter (Hashtag #sponneu) läuft die Diskussion durchaus lebhaft.
Das Erstaunliche: Die Meinungen der meisten User decken sich. Bemängelt wird, dass die Werbebanner Fehleranzeigen produzieren, dass die Videos nicht richtig laufen und dass es noch Darstellungs-Probleme mit einigen Browsern, wie beispielsweise Apples Safari, gibt. Substantieller wird die Kritik vor allem, wenn es um die linke Spalte auf den Artikelseiten geht. Amandaimnetz kommentiert stellvertretend für viele: "Die linke Spalte bei den Artikeln stört mich schon sehr!". Im Spiegel-Forum schreibt "Kallee": "Solange die Artikel nicht wieder auf der linken Seite des Browsers platziert sind, werde ich SPON boykottieren. Zudem finde ich es sehr gewöhnungsbedürftig, wie verschwenderisch mit dem vorhandenen Platz umgegangen wird. Dies führt eher zu "Mehrarbeit" für meine Augen, als zu Übersichtlichkeit."
Netzwertig-Blogger Martin Weigert twittert erstaunt: "Spiegel Online sieht jetzt aus wie ein Blog." Der NDR-Online-Journalist Alexander Svensson fasst die überwiegenden Meinung der meisten Twitter-Meldungen passend zusammen: "Von üblichen Relaunchproblemen abgesehen gelungener SpOn-Relaunch: Breite + Videogröße, Themenseiten , Navigation: Chapeau!"
19.08.2009
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