Aus dem Stand heraus hat es der Sport-Informations-Dienst (SID) geschafft, einen profitablen Videodienst zu starten. Die Agentur, die bisher lediglich für Texte und Bilder bekannt war, stieg mit den nun auslaufenden Olympischen Spielen in diesen Markt ein – und lieferte prompt Sendern wie N24 und DSF zu sowie den Portalen von Spiegel, Focus, T-Online, dem Kicker und der Welt. Wie SID-Chef Michael Cremer MEEDIA bestätigte, wirft der Dienst trotz Einführungspreisen bereits Gewinn ab – eine Erfolgsgeschichte.
Cremers Lieblings-Video zeigt Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma bei ihrer Ankunft in Vancouver. Sie steht da noch im Flughafen und wird von drei Kameras umringt. ARD und ZDF sind dabei, aber unter den Mikros ist auch ein Neuling zu entdecken: der SID. Die 33-Jährige sagt, es sei "wichtig, dass ich mich auf die Spiele konzentrieren tue". Ein Beitrag, der solide daherkommt und der auch auf vielen Onlineportalen zu sehen war. Cremer stößt nämlich mit seinem neuen Angebot auf viel Interesse.
Knapp 100 Beiträge hat SID-Images in den vergangenen Wochen aus Kanada abgesetzt - stets sowohl in der nötigen Qualität für Webportale und TV-Sender. Alle Beiträge sind zwischen zwei und drei Minuten lang. Sender können neben geschnittenen Filmen auch das Rohmaterial abrufen.
Damit das klappt, hat Cremer in einem ersten Schwung bereits gut eine Handvoll Mitarbeiter zu sogenannten Videojournalisten ausgebildet, die bisher lediglich als Textredakteure in die Tasten griffen. Sie haben gelernt, Kameras zu bedienen und ihre Aufnahmen an Laptops selbst zu schneiden und zu vertonen. Treibende Kraft war auch SID-Chefredakteur Timon Saatmann, der bis zum Jahreswechsel noch Sportchef von N24 war.
An den Olympia-Standorten Whistler und Vancouver war der SID mit drei eigenen Kamerareportern präsent. Zusätzlich nahm Saatmann ab und an die Kamera in die Hand. Außerdem tauschten die SID-Reporter ihr Material mit dem von zwei Videojournalisten der Agence France-Presse (AFP) aus. Der SID ist eine 100-prozentige Tochter der deutschen AFP GmbH und vertreibt sein Videomaterial über AFP-Server. Zusätzlich zum eigenen Material verkauft der SID auch DSF-Material (künftig Sport1) im Ausland.
Cremer sagte MEEDIA, der Dienst sei bereits profitabel - und das, obwohl die Abnehmer derzeit nur Einführungspreise bezahlen müssten. Ein Erfolg, der den Geschäftsführer beflügelt: Aus dem Testprojekt wird per sofort ein kontinuierlicher Dienst. Das nächste Großereignis, bei dem der SID starke Video-Präsenz zeigen will, steht zudem mit der Fußball-WM in Südafrika bereits in gut 100 Tagen vor der Tür. Cremer kündigte im Gespräch mit MEEDIA an, etwa 170 Videos von diesem Event zu liefern - ebenfalls in Kooperation mit dem Videodienst des AFP-Konzerns.
Für die WM rüstet Cremer weiter auf: Im März solle weiteren sechs SID-Agenturjournalisten der Umgang mit den Video-Kameras und der mobilen Schnitt-Technik beigebracht werden. Außerdem sollen noch im Februar zusätzlich zu den bisher drei Kamera-Sets des SID noch zwei weitere angeschafft werden. Künftig soll an jedem SID-Standort (Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und in der Zentrale in Neuss bei Köln) mit Equipment ausgestattete Videojournalisten sitzen, die von ihren Terminen nicht nur per Text sondern auch in Bewegtbild berichten können.
Der SID kann allerdings meist nicht direkt über Wettkämpfe im bewegten Bild reportieren, weil ihm dafür die Rechte fehlen. Er will stattdessen Trainingsberichte, das Geschehen am Rande der Spielfelder und auf Pressekonferenzen liefern sowie Interviews mit Sportlern, Trainern, Managern und Funktionären. Um dennoch das Geschehen auf den Plätzen zu zeigen, baut der SID seine eigenen Fotos in die Beiträge mit ein, die für die TV-Ausstrahlung im Einzelkauf etwa 500 Euro kosten. Der SID bietet sie jedoch auch im Paket zu individuellen Preisen an.
Stolz ist Cremer vor allem auf einen Kunden: Servus TV in Salzburg. Der Privatsender hat zusätzlich zu den Nachrichtenbeiträgen individuelle Produktionen aus Vancouver und Whistler bestellt. Dafür sprechen die SID-Reporter die Themen mit den Salzburgern ab und setzten bei den Exklusivproduktionen auch einen Servus-TV-Windschutz auf dem Mikro ein.
Der Markt für Bewegtbilder ist vor allem im Internet eng. Wirklich durchgesetzt hat sich als Content-Lieferant bisher nur Reuters, weil die Nachrichtenagentur auf umfassendes Material zurückgreifen kann, das sie ohnehin für TV-Stationen produziert. Auf dem Markt versucht sich auch die AFP. Die dpa hat ein vor wenigen Jahren gestartetes Projekt weitgehend zurückgefahren und arbeitet derzeit an einem Nachfolger. Im Sport produzieren zudem Spiegel und Kicker gemeinsam "kicker.tv".
Außerdem stellen Bild und Welt sporadisch eigene Sport-Filme ins Netz. Die Welt-Gruppe hat derzeit mit Christian Putsch zudem einen Mitarbeiter fest in Südafrika, der nicht nur für die Blätter und den Online-Auftritt schreibt, sondern auch als Videojournalist kleine Filme dreht.
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Letzte Kommentare
01.03.10 09:01
sören lender
Leider sind die SID-Videos von inhaltlich und technisch schlechter Qualität. Man sieht nur PK-Bilder und langweilige Fotos (Slideshow?). Und die Sprecher sind auch schlecht. Außerdem merkt man, dass die VJs bis vor kurzem noch Textmeldungen getippt haben. Schuster, bleib bei deinen Leisten.
28.02.10 12:34
Frank Didszuleit Website
Anbieter wie SID haben eine goldene Zukunft!
Die derzeit rasant steigende Anzahl der IPTV-Sender brauchen alle Content.
Und nicht alle IPTV-Sender können und werden diesen Content selbst in akzeptabler Qualität produzieren bzw. produzieren können.
Denn die große Herausforderung wird sein die richtige Zielgruppe zu erreichen und auf Dauer zu halten.