Das aktuelle Titanic-Cover provoziert die Gemüter: Fast 100 Beschwerden sind beim Presserat eingegangen, auch der Staatsanwaltschaft Frankfurt liegen zwei Strafanzeigen vor. Titanic-Chef Leo Fischer sieht's gelassen. Gegenüber MEEDIA sagte er: "Wir werden in christlicher Gelassenheit abwarten, bis das Publikum sich wieder beruhigt und einen verständigen Blick auf den Titel geworfen hat." Man werde den Presserat und die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen "nach Kräften beraten und unterstützen".
Das gemalte Titelbild zeigt, wie ein katholischer Priester vor einem Kruzifix steht – allerdings aus besonderer Perspektive: Den Priester sieht man nur von hinten; sein Gesicht ist in Höhe des Genitalbereichs der Plastik angeordnet. Die Jesus-Figur hat einen erröteten Kopf und blutet aus den Wunden: "Kirche heute" lautet der Titel. Die Idee stammt von Titanic-Redakteur Stephan Rürup, illustriert wurde sie von dem Münchener Maler Rudi Hurzlmeier. Es ist eine satirische Andeutung auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, der seit einigen Wochen die Medien beherrscht.
Wie eine Sprecherin des Deutschen Presserates auf MEEDIA-Nachfrage mitteilte, sehen die Beschwerdeführer in dem Cover eine Verletzung der Ehre (Presseziffer 9) und der religiösen, weltanschaulichen und sittlichen Überzeugungen (Presseziffer 10) sowie eine Diskriminierung von Anhängern einer religiösen Gruppe (Presseziffer 12). Am 27. Mai werde sich der Beschwerdausschuss in einer Sitzung mit dem Fall beschäftigen.
Nach einem Bericht von Dwdl.de sind bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt zwei Strafanzeigen gegen den verantwortlichen Redakteur eingegangen. Vorwurf: Volksverhetzung. Die Staatsanwaltschaft prüfe jedoch eher einen möglichen Verstoß gegen Paragraf 166 des Strafgesetzbuches, das die Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen beinhalte. Der Oberstaatsanwalt Jörg Claude teilte dem Branchendienst mit, dass in der nächsten Woche über ein Ermittlungsverfahren entschieden werde, er aber nicht mit einer Einleitung des Verfahrens rechne.
Für Fischer sind diese Reaktionen unverständlich, wie er im MEEDIA-Interview erklärt.
Herr Fischer, was sagen Sie zu den rund 100 Beschwerden, die beim Presserat eingegangen sind und den zwei Strafanzeigen, die der Staatsanwaltschaft Frankfurt vorliegen?
Diese Reaktion ist für uns unverständlich, insbesondere der Vorwurf, durch diesen Titel könnte die katholische Kirche beleidigt werden. Wir wissen nicht, woher diese Interpretation kommt, und wir sind schockiert über die zum Teil anstößigen und jugendgefährdenden Phantasien, die dieser Titel in manchen Hirnen auslöst. Wir von Titanic sehen hier einen Priester, der sich hingebungsvoll einem Kruzifix zuwendet - vielleicht in demütiger Anbetung, vielleicht poliert und entstaubt er das heilige Utensil sogar, zum Wohlgefallen des Heilands. Die Kirche auf ihrem schwierigen Weg der Selbstreinigung symbolisch zu unterstützen, das war unser Ziel.
Hatten Sie mit dieser Reaktion gerechnet?
Wir hatten damit selbstverständlich nicht gerechnet, insbesondere nicht damit, daß wir so viele engagierte katholische Leser haben. Die lesen normalerweise andere satirische Zeischriften, etwa Focus oder Cicero.
Bereuen Sie Ihr Vorgehen?
Nein, wir sehen uns bestätigt. Die Tatsache, daß die Kirche selbst bisher keine Stellung zum Titel genommen hat, zeigt uns, daß die Kirchenoberen die Botschaft dahinter sehr wohl verstanden haben. Die Meinungen einzelner Katholiken, denen dieses Verständnis leider fehlt, fallen da nicht ins Gewicht.
Was werden Sie jetzt unternehmen?
Wir werden in christlicher Gelassenheit abwarten, bis das Publikum sich wieder beruhigt und einen verständigen Blick auf den Titel geworfen hat. Den Presserat und die Staatsanwaltschaft Frankfurt werden wir bei ihren Ermittlungen nach Kräften beraten und unterstützen.
Die Titanic macht sich sichtlich ihren Spaß aus der Sache. Auf der Homepage veröffentlichte die Redaktion Mitschnitte von Anrufen aufgebrachter Leser, die teilweise mit einer Klage drohen. Ein "gewisser Herr S. aus H." beschimpft die Redakteure gar als "Feiglinge" und beendet das Telefonat damit: "Sie sind ein Schwein und bleiben ein Schwein. Ich kann nur für Sie beten".
Der Entwurf eines Leistungsschutzrechts für Verlage im Internet lässt weiter auf sich warten. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat nun in einer Rede bei der CDU Medianight durchblicken lassen, dass es auch sobald mit dem Gesetz nichts werden dürfte. Mit einer "einfachen Rechtssetzung" sei es nicht getan, es gelte, eine gesellschaftliche Diskussion zu führen. Bei der "jungen Generation"... mehr...
Wenn am Samstag der Eurovision Song Contest in Baku über die Bühne geht, können einem beim Zuschauen gemischte Gefühle beschleichen. In die Freude über schräge Teilnehmer wie die Russen-Omas und die Spannung, wie Roman Lob abschneidet, mischt sich ein ungutes Gefühl. Gerade hat die BBC in einer Reportage eindrucksvoll die Menschenrechtsverletzungen im Vorfeld des Song Contests und die... mehr...
“Was ist das”, werden Sie jetzt eventuell fragen. Streetside war die Antwort des Redmonder Softwareriesen auf Google Streetview. Im vergangenen Jahr mit gleich 50 Städten gestartet scheint Microsoft den Service unerwartet in die Sommerpause geschickt zu haben. Seit dem Wochenende ist der Webdienst nicht mehr erreichbar. Woran lag es? Mangelnde Nutzung? Zu hohe Kosten? In einem Blog gibt... mehr...
Seit einigen Jahren ist die Glamour-Shopping-Week der größte Auflagenbringer für das Magazin, auch in diesem Jahr lief es hervorragend. Ausgabe 4/2012 verkaufte sich dank Rabattkarte für viele Geschäfte so gut wie kein Heft seit zwei Jahren. Mit einem Einzelverkauf, der mehr als 40% über dem Glamour-Normalniveau lag, gewinnt das Heft auch die neueste Ausgabe des MEEDIA-Kiosk-Checks -... mehr...
Mit Empörung hat der Deutsche Journalisten-Verband auf den im Internet kursierenden Mordaufruf eines Islamisten reagiert. Darin wird unter anderem dazu aufgerufen, Redakteure eines Fernsehsenders zu ermorden, die Demonstranten der rechtsextremen Vereinigung Pro NRW mit Mohammed-Karikaturen gezeigt hätten. Urheber des via YouTube und auf zahlreichen Websites verbreiteten Videos ist ein... mehr...
Die Neue Zürcher Zeitung ist gerade dabei, sich digital neu zu erfinden. Die Digital-Abteilung um Peter Hogenkamp hat parallel zur bestehenden Website NZZ Online die Beta-Version des neuen Web-Auftritts live geschaltet. Die Marke NZZ Online soll verschwinden, Online- und Print-Redaktion wurde zusammengelegt, es wird schrittweise eine Paywall nach Vorbild der New York Times eingeführt... mehr...
Während Facebook sich außergerichtlich mit Klägern einigen muss, die juristisch gegen Werbung in ihrem Namen vorgegangen waren, hat Twitter seine Tracking-Pläne offenlegt. In den neuen Datenschutzrichtlinien erklärt das Social Network, an welchen Stellen im Web man plane, Nutzerdaten zu sammeln und was mit ihnen passiere. Vorbildlich: Twitter erklärt, wie man sich diesem Tracking... mehr...
Peter-Matthias Gaede zieht gegen die Gegner des Urheberrechts ins Feld: Der Geo-Chef hat eine Erklärung verfasst, in dem er die Chefredakteure in Deutschland dazu aufruft, den Wert des geistigen Eigentums offensiv zu verteidigen. Immer mehr Musiker, Autoren und Künstler bezögen Position "gegen das Freibeutertum", nur die Chefredakteure schwiegen bislang. Gaede schweigt nicht - und... mehr...
Es ging sportlich zwar um gar nichts, aber trotzdem war der Fußball am Dienstagabend wieder das dominierende TV-Programm. 5,07 Mio. Fans sahen im Ersten das Freundschaftsspiel zwischen Bayern München und der Nationalmannschaft der Niederlande - ein starker Marktanteil von 18,5% und der klare Tagessieg. Auch im jungen Publikum war das Spiel ein Hit, hier siegte aber die RTL-Serie "CSI:... mehr...
"Die süße Falle: Diabetes" titelte der Focus am 16. April und bewegte damit deutlich mehr Menschen als in den Wochen zuvor, dass Münchner Magazin zu kaufen. Bei den am Dienstag veröffentlichten IVW-Zahlen für die Verkaufswoche 16 kommt der Focus damit auf 140.324 Heftverkäufe im Einzelhandel (Kiosk, Supermärkte, Tankstellen & Co.) bei einem Gesamtverkauf von 581.419 Exemplaren. Weniger... mehr...