RP Online-Geschäftsführer Oliver Eckert muss derzeit viel Kritik einstecken: das Internetangebot der "Rheinischen Post" wird fast täglich von Deutschlands bekanntesten Bloggern mit Häme überzogen. Zu bunt, zu nachlässig recherchiert, zu "klickgeil" heißt es immer wieder. Im Interview mit MEEDIA gibt sich Eckert gelassen. Die Site habe alles andere als ein Qualitätsproblem, und die User wüssten das zu schätzen. Die Klickzahlen sprechen dafür: RP Online ist das erfolgreichste Regionalportal.
Die unangenehmste Frage zuerst, Herr Eckert: Sind Sie der Prügelknabe der Blogosphäre?
Nein, überhaupt nicht. Die Blog-Berichterstattung über RP Online ist nicht größer als die über unsere Konkurrenten. Blogs gehen sehr kritisch mit News-Portalen und dem Beruf des Journalisten um. Wir verfolgen das – und dort wo Kritik angemessen ist, nehmen wir sie gerne an. Jede Kritik - ob interne oder externe – gibt uns Anlass, weiter hart an der eigenen Qualität zu arbeiten.
Die Userzahlen geben Ihnen ja auch Recht: RP-Online ist das erfolgreichste deutsche Regionalportal. Womit generieren Sie all die Klicks?
Mit journalistischer Qualität. Wir haben unser Angebot in den vergangenen zwei bis drei Jahren kontinuierlich verbessert, und unser Ehrgeiz ist es, auch weiterhin Monat für Monat, Tag für Tag besser zu werden. Wir richten uns mittlerweile an 1,2 Millionen Unique User pro Monat. Die wissen unsere Qualität sehr zu schätzen.
Und ich muss ganz ehrlich sagen – wenn die Kritik der Blogs alles ist, was man uns vorwerfen kann, dann können wir sehr stolz auf die tägliche Qualität sein. Wir arbeiten rund um die Uhr, minutenaktuell. Wir bieten eine große überregionale Berichterstattung ebenso wie ein Regionalportal mit 26 Lokalausgaben. Insgesamt publizieren wir täglich mehr als 300 Artikel. Dazu gibt es noch Fotos, Videos, Tools, und die Community. Das ist ein unglaublich großes Angebot. Das ein oder andere Blog wäre sehr lang, wenn es all die guten Dinge hervorheben würde.
Ist das vielleicht ein generelles Problem des Onlinejournalismus? Alles muss sehr schnell gehen, eine letzte Qualitätskontrolle, Textkontrolle bleibt da manchmal auf der Strecke.
Eine Tageszeitung hat wegen des Andruckprinzips mehr Möglichkeiten, Texte noch einmal auf Fehler zu prüfen. Das ist bei einem Newsflow-Prinzip, bei dem die Seite ständig im Wandel ist, viel schwerer umzusetzen.
Wir verfolgen deshalb ein Mischkonzept: Einerseits arbeiten wir daran, dass große Themen durch eine Schlusskontrolle gehen. Andererseits wollen wir im Sinne eines „Total Quality Managements“ erreichen, dass die Schlusskontrolleure immer weniger zu tun bekommen.
Es ist allgemein bekannt, dass die Refinanzierbarkeit von Nachrichtenportalen schwierig ist. Schreiben sie schwarze Zahlen?
Über unsere Geschäftszahlen sprechen wir grundsätzlich nicht. Allerdings kann ich sagen: Wir sind mit unseren Umsätzen genauso zufrieden wie mit unseren Reichweiten. Und damit sich das weiterhin so positiv entwickelt, verfolgen wir nicht nur auf der Redaktions-, sondern auch auf der Vermarktungsseite eine Qualitätsstrategie. Unser Portal wird durch den Quality Channel gemeinsam mit Spiegel Online, Sueddeutsche.de und Kicker Online vermarktet. Wir befinden uns im Premium-Bereich.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten für RP Online?
Wir haben insgesamt 23 feste Mitarbeiter, davon sind etwa die Hälfte Redakteure. Hinzu kommen freie Mitarbeiter – und natürlich die rund 200 journalistischen Kollegen der Zeitung, die uns sehr helfen und ohne die wir unser großes Angebot gar nicht schaffen würden.
Was zeichnet ein gutes Regionalportal aus?
Sie müssen nah an den Menschen sein. Ihre Informationen sollten relevant, einzigartig, genau und verlässlich sein, dazu natürlich aktuell und möglichst interaktiv. Ein gutes Regionalportal ist mehr als eine Zeitung im Internet. Wir glauben, dass wir eine Art „Informationslogistiker“ werden müssen – ein Portal im Schnittpunkt eigener, externer und User-Inhalte.
Integrieren Sie denn schon Fremdinhalte auf RP Online?
In geringem Maße. Wir entwickeln ein Konzept, das uns ermöglicht, Experten und Stimmen aus den verschiedensten regionalen und lokalen Bereichen auf unserem Portal zu versammeln. Unsere Plattform soll der Resonanzboden für das Leben in der Region sein.
Fühlen Sie sich vom WAZ-Portal DerWesten angetrieben?
Wir freuen uns über Konkurrenz: Sie belebt ja bekanntlich das Geschäft. Insgesamt kommt eine weitere Professionalisierung des Onlinebereichs der Branche zugute.
Wie viel Boulevard braucht eine erfolgreiche Website, Herr Eckert?
In solchen Kategorien denke ich nicht. Uns Onlinern wird immer vorgeworfen, wir würden die Reichweite über Boulevardthemen ziehen. Das stimmt aber nicht. Unsere beiden Ressorts Gesellschaft und Panorama machen jeweils nur einen einstelligen Prozentsatz unserer Gesamtreichweite aus. Das Leben ist bunt – deshalb fragen unsere User auch Gesellschaftsthemen nach. Aber sie sind nicht der Kern von RP Online. Der besteht aus Politik, Wirtschaft, Kultur und vor allem aus dem großen Regionalteil.
Wie passen sechs verschiedene Fotogalerien zu Madonnas Scheidung, jede mit mehr als 20 Fotos, die sich teilweise auch noch doppeln, zu Ihrem Qualitätsanspruch?
Es ist onlinetypisch, dass in aktuelle Artikel auch Archivmaterial und weiterführende Geschichten verlinkt werden. Genau das ist hier passiert. Die User interessieren sich für die vorangegangene Berichterstattung, Nebenaspekte und auch verwandte Themen. Unsere User schätzen das sehr, wir bekommen dafür positive Rückmeldungen.
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Letzte Kommentare
20.03.09 15:54
Herbert Maier Website
Wenn der Online-Auftritt der Rheinischen Post genauso dämlich ist wie die Printausgabe, dann muss man schlimmes befürchten.
Die RP ist und bleibt ein Käseblättchen, dessen Chefrededakteur früher bei in leitender Position bei der Bild-Zeitung gearbeitet hat. Dazu oft rechtspopulistisch.
Immerhin kann man in Düsseldorf auf zwei andere Zeitungen umsteigen (NRZ und WZ), die zwar auch nicht das Gelbe vom Ei sind, aber meines Erachtens doch besser.
20.03.09 15:52
Herbert Maier Website
Wenn der Online-Auftritt der Rheinischen Post genauso dämlich ist wie die Printausgabe, dann muss man schlimmes befürchten.
Die RP ist und bleibt ein Käseblättchen, dessen Chefrededakteur früher bei in leitender Position bei der Bild-Zeitung gearbeitet hat. Dazu oft rechtspopulistisch.
Immerhin kann man in Düsseldorf auf zwei andere Zeitungen umsteigen (NRZ und WZ), die zwar auch nicht das Gelbe vom Ei sind, aber meines Erachtens doch besser.
06.11.08 12:42
Macmissionar RP-Online-Durchschnittsbesucher
RP, ihr seid einfach nur peinlich und eines der schlechtesten Portale, die es gibt. Technisch wie auch inhaltlich.
Dieses Interview wird auch erst richtig interessant, wenn man RP-Online kennt und weiß, wie man die Worte des Gewäschs zu deuten hat.
Erstmal scheint Ihr gar nicht zu wissen, wie Recherche geschrieben wird. Am Anfang habt Ihr blind alles, was es zum Mac gibt, schlechtgeredet. Microsoft wohnte sogar immer in Richmond (sogar auf meinen Kommentar hin habt ihr diesen gelöscht und auf einmal ohne Entschuldigung Redmond hingeschrieben – das ist schon echt erbärmlich). Dann hatte das MacBook einen 24 " Monitor. Wie verblödet muß man sein, um soetwas ohne Nachzudenken hinzuschreiben?
Und dann immer diese Uralt-Verlinkungen: Zu einem aktuellen Artikel werden Bildstrecken von 2005 dazugepackt, die auch heißen "Die neuen..." So kann man natürlich auch den gemeinen Leser verblöden und in die Irre führen.
Von Entschuldigungen haltet Ihr auch nichts, Kommentare werden blind gelöscht und Sachen stillschweigend geändert. Jeder kann sich mal irren.
Dann diese peinlichen Bildstrecken – alle Inhalte nur von anderen übernommen (natürlich jedesmal ohne Quellenangabe) – und dann 10 Halbsätze auf 20 Bilder verteilt. Das gibt ordentlich Klicks...
Ich schaue nur auf RP-Online für den Regionalteil. Nachrichten selbst kann man bei Euch schlicht nicht lesen.
04.11.08 15:50
Seiddocheinmal Ehrlich
Guten Tag,
warum kann nicht einmal jemand ehrlich sagen: "Wir werden von unseren Chefs anhand von Klickzahlen bewertet, mit anderen Portalen monatlich verglichen, und auch die meisten Werbegelder werden noch danach verteilt. Mein Job und die Jobs meiner Kollegen hängen also an Klickzahlen. DESHALB machen wir Madonna-Fotostrecken mit 20 Bildern."
Ich käme mir an Eckerts stelle selbst komisch vor, so einen Humbug von Premium-Qualitäts-Journalismus zu erzählen.