RTL.de gehört jetzt schon zu den meistbesuchten Seiten im deutschen Web. Diese Positionierung reicht den Kölnern aber nicht. Sie wollen die Reichweite weiter steigern, ohne dafür aber die Web-Investitionen massiv erhöhen zu müssen. Genau dieses Kunststück soll der neue Relaunch erfüllen. Zum einen hofft RTLs Bereichsleiter Online, Matthias Büchs, dass das renovierte Portal nun noch mehr Leser anzieht. Zum anderem wurde die Technik so optimiert, dass die Redaktion jetzt noch effizienter arbeiten kann.
"Wir möchten aus uns selbst wachsen und wir investieren mit hohem Augenmaß", sagt Büchs gegenüber MEEDIA. "Gleichzeitig überprüfen wir aber auch ständig unsere Strukturen. Unter dieser Prämisse haben wir uns entschieden, unsere bestehenden redaktionellen Ressourcen noch effizienter einzusetzten, dies können wir mit den neuen Strukturen und Systemen, in die wir in den vergangenen zwei Jahren investiert haben, erreichen."
Ähnlich pragmatisch, wie RTL auch an die Gestaltung seines TV-Programms rangeht, packten die Web-Manager den Relaunch an. Die wichtigste Basiseinheit der neuen Seite ist die Standardgröße eines Medium Rectangles, der aktuell wohl wichtigsten Werbeform: "Wir haben die neue Seite so konzipiert, dass sie aus flexibel einsetzbaren modularen Elementen besteht. Dadurch können wir nun auf der gesamten Site – überall wo es Sinn macht – Bewegtbild jederzeit flexibel integrieren. Damit nutzen wir unseren Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen noch stärker, denn immer mehr User rufen aufgrund der hohen Breitbandanbindung Videos im Internet ab", erklärt Büchs.
Je nach aktuellem Anlass lassen sich die Elemente auf der Seite verschieben. "Das neue RTL.de ist in drei Spalten á 300 x 250 Pixel untergliedert", erläutert Büchs. "Der neue Seitenaufmacher umfasst dabei zwei Spalten, kann aber auch bei wichtigen Ereignissen über die ganze Breite ausgedehnt werden." Bei Breaking News oder besonders wichtigen Nachrichten kann die Top-Story dann allerdings auch drei Blöcke umfassen.
Optisch wirkt das neue RTL.de durchaus frischer. Die Seite ist nun überwiegend in Weiß gehalten, dazu wurde die Navigation überarbeitet. "Zentrales Element des Relaunches war für uns, vor allem die Bewegtbildinhalte noch stärker in den Vordergrund zu rücken und überall einzusetzen." Zudem wurde das Ratgeber-Angebot massiv ausgebaut.
Die wichtigste Änderung des Portals befindet sich jedoch im nichtsichtbaren Bereich. Denn Büchs und sein Team haben mit der neuen Seite vor allem auch ein neues Content Management System geschaffen. "Wir können jetzt alle wichtigen RTL-Portale über eine Benutzeroberfläche erreichen. Dadurch kann die Redaktion noch effizienter arbeiten", sagt Büchs.
Die Kölner meinen erkannt zu haben, dass man mit einem bestimmten Web-Portal nur eine endliche Zahl an Nutzern erreichen kann. Um die Reichweite weiter zu steigern, muss man also weitere Themenportale launchen, die eine bisher unerreichte Zielgruppe anspricht. Der kaufmännische Clou dabei: Da die neuen Angebote eine andere Leserschaft haben, lassen sich einfach die existierenden Texte nur mit einer angepassten Überschrift und einem neuen Teaser mitnutzen. "Die neue RTL-Plattform erlaubt es uns jetzt, alle redaktionellen Angebote wie vip.de, Sport.de oder eben RTL.de über ein technisches System zu befüllen", sagt Büchs.
Für die Content-Produktion ist eine rund 50-köpfige Zentral-Redaktion zuständig. Sie bestückt und betextet die Angebote aller RTL-Themenwelten und alle Vox-Angebote. Dazu kümmern sich das Team von Chefredakteur Frank Müller auch um die Mobilportale, die nächste Woche überarbeitet werden, den Videotext und die iPhone-Apps.
Auf ihre redaktionelle Leistung sind die Kölner besonders stolz. „Wir verstehen uns als Infotainment-Portal und weniger als reines TV-Portal. So gesehen sind unsere Mitbewerber die General Interest Sites wie Bild.de, Spiegel Online und nicht die anderer TV-Sender-wie ProSieben.de oder Sat1.de.“
ProSieben.de liegt bei den Visits noch sehr weit vor RTL.de. Die Kölner kamen im Oktober zwar auf 361 Millionen Page Impressions, aber nur auf 43 Millionen Visits. Die Münchner Rivalen verzeichneten dagegen nur 309 Millionen Klicks, aber 137 Millionen Visits. Selbstvertrauen zieht man dagegen aus der AGOF-Auswertung.
Im Vergleich zu Spiegel Online und Focus Online sprechen die Kölner allerdings ein andere Klientel an. Die aktuellen RTL-Aufmacher sind "Das Super Talent: So Gefühlvoll wird das Halbfinale", "SPD-Sturzflug: Nur noch 19 Prozent" und Oliver Pochers Angst um sein Baby. Spiegel Online dagegen vermeldet: "Gericht hält Solidaritätszuschlag für verfassungswidrig"
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