Selten war die Verunsicherung in den Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen so groß wie in den vergangenen Monaten. Die Anzeigenkrise sorgt für Umsatzverluste, die Auflagen schrumpfen und die Internet-Geschäftsmodelle sind immer noch nicht ausgereift. Doch welche Printmarken haben bisher überhaupt den Sprung ins Netz geschafft, sind zumindest bei den Nutzerzahlen gut aufgestellt? MEEDIA wollte es wissen und hat mit Hilfe des Google-Research-Tools Ad Planner eine Top 75 der Printmarken im Netz erstellt.
Für unsere Analyse haben wir die Ad-Planner-Zahlen für den Februar herangezogen. In die Wertung kamen dabei die Unique Visitors aus Deutschland. Die Ad-Planner-Zahlen bieten gegenüber noch ausgereifteren Daten wie denen der IVW und der AGOF den Vorteil, dass eine Website nicht Mitglied werden muss, damit Daten vorliegen. Zudem sind Tricksereien nicht möglich, die Hochrechnungen aus dem Ad Planner beziehen sich einzig und allein auf die jeweilige Domain und nicht auf ganze Konglomerate von Websites.
Auf den ersten vier Plätzen entspricht unser Ranking dem der AGOF aus dem vierten Quartal: Chip.de führt mit im Februar erreichten 7,40 Mio. Unique Visitors recht klar vor Bild.de (5,60 Mio.) und Spiegel.de (4,60 Mio.). Das Computermagazin Chip war schon zu recht frühen Internetzeiten mit einem populären Angebot vertreten und hat dieses immer wieder ausgebaut und angepasst. Ähnliches gilt für Bild.de und Spiegel Online. Zu den Aufsteigern der vergangenen Jahre gehört hingegen Computerbild.de, das Stück für Stück zulegen konnte.
Auf den weiteren Rängen folgen große Nachrichtenangebote wie das des Focus, der Süddeutschen Zeitung und der Welt. Ebenfalls Top-Ten-Plätze erkämpfen konnten sich die Computermagazine c't (heise.de) und PC-Welt. Überaus stark ist auch immer noch die Website des Programmies TV Today. Mit 910.000 Unique Visitors lag sie im Februar weiterhin klar vor TV Movie und TV Spielfilm - und das, obwohl sie auf dem Printmarkt nur noch eine TV-Spielfilm-Kopie mit anderem Layout und deutlich geringerer Auflage ist.
Dass auch ohne extrem auflagenstarkes Print-Objekt ein großer Erfolg im Netz möglich ist, zeigt die Nummer 28 unseres Rankings: Buffed. Die Computec-Zeitschrift für Rollenspieler verfügt über eine verkaufte Auflage von derzeit rund 44.000, im Internet erreicht Buffed.de mit 430.000 Unique Visitors rund zehnmal so viele Leute und schlägt damit auch so große Marken wie das manager magazin, die Sport Bild oder die Gala. Ebenfalls inzwischen recht weit oben platziert ist der Print-Auflagen-Gigant Apotheken Umschau, der im Netz mit Gesundheits-Tipps und Ratgebern immer mehr Menschen anlockt.
Ein weiteres Beispiel eines recht kleinen Print-Magazins mit großem Erfolg im Netz ist die TV-Technik-Zeitschrift Digital Fernsehen, die sich mit 390.000 Unique Visitors auf Platz 30 befindet. Besonders das Forum der Website ist mit 290.000 Nutzern extrem populär. Mit Hürriyet auf Platz 41 und dem österreichischen Standard auf Rang 47 finden sich zudem zwei ausländische Print-Ableger auf den ersten 50 Plätzen:
Auf den Rängen 51 bis 75 finden sich mit der New York Times, der Presse, der türkischen Sportzeitung Fanatik, Milliyet, der NZZ und der Daily Mail viele weitere ausländische Print-Websites. Zustande kommen diese Erfolge dadurch, dass der Ad Planner nicht nach Nationalität unterscheidet, sondern nach Geographie. Wenn also viele türkische Mitbürger in Deutschland auf türkische Zeitungs-Websites klicken, finden die sich weit oben im Deutschland-Ranking wieder.
Überaus erfolgreich sind zudem die kleinen Technik-Magazine Hardware Luxx und t3n. Hardware Luxx verfügt laut IVW gerade mal über 6.545 Print-Käufer, t3n ist dort gar nicht vertreten. Im Netz spielt man mit 200.000 bzw. 180.000 Unique Visitors hingegen ganz weit oben mit.
Viele der großen Print-Auflagengiganten fehlen in unserem Internet-Ranking komplett. So erreicht die meistverkaufte am Kiosk erhältliche Zeitschrift TV 14 im Internet gerade mal 32.000 Unique Visitors. Andere Titel wie die Freizeit Revue verfügen sogar im Jahr 2010 immer noch nicht über eine eigene Website (abgesehen von der gemeinsam mit anderen Burda-Titeln betriebenen Community Freizeitfreunde), oder wie z.B. bei TV Hören und Sehen nur über ein rudimentäres Beiboot ohne echten Grund, es zu besuchen.
[Anmerkung: In der ersten Version unseres Rankings fehlte playboy.de. Grund: Google klassifiziert playboy.de als "Adult"-Website. Für solche Websites spuckt der Ad Planner offiziell keine Zahlen aus. Durch einen Trick ist es uns aber in der Zwischenzeit gelungen, die Unique Visitors von playboy.de doch noch aus dem Ad Planner zu kitzeln. Playboy.de findet sich daher nun neu auf Platz 54 wieder.]
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