Der ARD-Autor Klaus Martens präsentierte am Montag einen Bericht über die Salbe Regividerm, die angeblich Neurodermitis-Kranken Linderung verschaffen könne, doch von der Pharmaindustrie ignoriert wird. Dann geht es Schlag auf Schlag: Martens will ein Buch zum Thema veröffentlichen, die Salbe findet einen Produzenten und Frank Plasberg setzt sich ungewöhnlich offensiv für das Mittel ein. Fünf Tage später ist klar: Die Story ist ein PR-Inszenierung auf die viele Medien reinfielen.
Am Tag nach der Ausstrahlung des Films "'Die Story': Heilung unerwünscht" greifen viele Tageszeitungen, wie die "Süddeutsche Zeitung" die Geschichte auf. Kernaussage: "Millionen von Neurodermitis-Kranken könnte geholfen werden - doch die Pharmaindustrie blockiert das Medikament. Eine ARD-Dokumentation über Profitgier und ihre Folgen." Wichtig ist allen Berichten, dass sich noch kein Unternehmen gefunden habe, dass bereit, sei die Salbe, für die bereits 1994 ein Patent angemeldet wurde, zu produzieren. Die ARD-Radiosender berichten ebenso wie Spiegel Online über die Story.
Einen ersten Höhepunkt finde der Medien-Hype in der Plasberg-Sendung "Hart aber Fair". Die Neurodermitis-Salbe war eigentlich gar nicht Hauptthema der Talkshow-Sendung am Mittwoch. Nach einer eher lahmen Diskussion über die Schweine-Grippe-Impfung, "wird es" laut "Süddeutscher Zeitung" "auch Frank Plasberg zu fad. Er lässt seine Runde allein und redet am Nebentisch mit einem Gast über die Pharmaindustrie." Zu Besuch ist Martens und er erzählt noch einmal von seinem Film und Buch, ohne das Plasberg gewohnt scharf nachfragt. Stattdessen – und das soll später vielfach kritisiert werden – sagt der Moderator, dass es Studien gäbe, die die Wirksamkeit der Salbe beweisen. Am nächsten Tag, so verspricht Plasberg, sollen die entsprechenden Untersuchungen auf der Webseite hartaberfair.de veröffentlicht werden.
Das passiert auch. Allerdings gibt es Zweifel an der Aussagekraft an den Untersuchungen. In der einen Untersuchung wurde die Creme lediglich an 49 Patienten getestet, in der anderen nur an 13 Patienten.
Während der Sendung bescheinigt bereits Siegfried Throm, der Geschäftsführer des Verbandes forschender Pharmaunternehmen, Martens und der ARD ein großes PR-Talent: "Herzlichen Glückwunsch, das ist ein genialer Marketingcoup. Mithilfe eines Filmes ein Buch zu protegieren, das demnächst herauskommen soll, und dann passend auch noch die entsprechende Salbe. Da können sich selbst unsere Marketingabteilungen noch eine Scheibe abschneiden."
Seit Donnerstag ist klar, dass Throm mit seiner Einschätzung nicht falsch lag. Denn auf einmal erklärt sich die Schweizer Pharmafirma Mavena bereit, die Salbe zu produzieren. Das Unternehmen räumte aber auch ein, dass der Deal schon länger feststand. Die Bekanntgabe wurde offenbar aus Marketing-Gründen in die Woche nach der Dokumentation gelegt wurde.
Die Geschichte hat das Zeug zu einem kleinen Medienskandal. Denn mittlerweile stellt sich die Fragen: Wussten Martens, ARD und Plasberg, dass sie Teil einer geschickten PR-Strategie waren?
Zumindest Martens hat sich und das Thema geschickt inzeniert. Sonst könnte er kaum noch das Buch zum Fall vorlegen. "Heilung unerwünscht. Die Geschichte eines verhinderten Medikaments" wird zwar erst am 11. November erscheinen, belegt in den Amazon-Verkaufscharts bereits jetzt schon den elften Platz.
Hinweis:
Unter gesundheit.blogger.de gibt es eine ausfühliche Dokumentation zu dem Fall
Es ging sportlich zwar um gar nichts, aber trotzdem war der Fußball am Dienstagabend wieder das dominierende TV-Programm. 5,07 Mio. Fans sahen im Ersten das Freundschaftsspiel zwischen Bayern München und der Nationalmannschaft der Niederlande - ein starker Marktanteil von 18,5% und der klare Tagessieg. Auch im jungen Publikum war das Spiel ein Hit, hier siegte aber die RTL-Serie "CSI:... mehr...
"Die süße Falle: Diabetes" titelte der Focus am 16. April und bewegte damit deutlich mehr Menschen als in den Wochen zuvor, dass Münchner Magazin zu kaufen. Bei den am Dienstag veröffentlichten IVW-Zahlen für die Verkaufswoche 16 kommt der Focus damit auf 140.324 Heftverkäufe im Einzelhandel (Kiosk, Supermärkte, Tankstellen & Co.) bei einem Gesamtverkauf von 581.419 Exemplaren. Weniger... mehr...
Die US-Firma Visual Revenue hat eine Analysesoftware entwickelt, mit der die Durchschlagskraft von Online-Überschriften getestet werden kann. Das "Instant Headline Testing" soll die Klickraten auf Websites deutlich erhöhen. Die Empfehlungen, wo und wie lange Artikel online stehen sollen, werden laut Unternehmensangaben in Echtzeit gegeben, auf Basis der Nutzerschaft eines... mehr...
Nach hundert Tagen als Besitzer des Deutschen Fernsehballetts sagt Peter Wolf: "Das ist ein Himmelfahrtskommando". Der Berater und TV-Produzent hatte dem MDR das Ballett zum Jahresbeginn abgekauft, die neue Intendantin Karola Wille muss sparen. Reue, Willes Angebot angenommen zu haben, sagt Wolf, verspüre er zwar nicht. Aber die Aufgabe, aus der bisher gebührensubventionierten Truppe... mehr...
5000 Folgen in 20 Jahren. Das sind Zahlen, die im schnelllebigen Medienbusiness für beeindruckende Konstanz stehen. “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” feiert in dieser Woche Jubiläum. Keine andere Serie hat sich im deutschen Free-TV so lange so gut gehalten. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Am Mittwoch lädt RTL zur 5000. Episode. MEEDIA blickt auf das Phänomen "GZSZ", bei dem die... mehr...
Seit der Talk-Reform in der ARD leiden die Talksendungen im Ersten an Themen-Armut und miesen Quoten. Die geballte Ladung von fünf konzeptionell sehr ähnlichen Gesprächssendungen an fünf Tagen hintereinander war keine gute Idee. “Hart aber fair” rettet sich immer öfter in Gaga-Themen, “Anne Will” sucht noch immer ihre Nische und “Beckmann” leidet unter dem Donnerstag-Sendeplatz. Wir... mehr...
Als die ARD ihre "Markenchecks" im Januar aus dem WDR Fernsehen ins Erste verschob, sorgten die ersten Ausgaben für eine Quoten-Sensation. Mehr als 6 Mio. Leute sahen den "Lidl-Check", darunter mehr als 2 Mio. 14- bis 49-Jährige. Doch die drei neuesten Ausgaben kamen im Mai längst nicht mehr an diese Zahlen heran. Nutzt sich das Konzept schon ab? Und welches waren bisher die... mehr...
Die zweite Staffel von "Rachs Restaurantschule" könnte schon die letzte gewesen sein. Nur 1,82 Mio. 14- bis 49-Jährige wollten das Finale am Montag sehen - ein unbefriedigender Marktanteil von 15,5%. Das erste Staffel-Finale sahen im Herbst 2010 noch 2,69 Mio. (19,9%), fünf der sechs Folgen der zweiten Staffel landeten unter den RTL-Normalwerten. Gewonnen hat den Dienstag die Soap... mehr...
Transparenz sieht anders aus: Die "Landespressestelle Bremen" der Piratenpartei hat über ihren jüngsten Landesparteitag Halbwahrheiten verbreitet. Sie berichtete in einer Pressemitteilung über die Wiederwahl des Landesvorsitzenden, unterließ dabei aber jeden Hinweis auf eine Kampfabstimmung um den Vorsitz. Mehrere Medien verließen sich auf die verschleiernde Mitteilung, viele Bremer... mehr...
Google soll der EU-Kommission möglichst in wenigen Wochen Rede und Antwort stehen. Die Kommission hatte Ende 2010 ein Kartellverfahren gegen den Internetkonzern eingeleitet. Vorwurf: Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung auf dem Markt der Suchmaschinen. Joaquín Almunia, Vizepräsident der Europäischen Kommission, hat am Montag einen Zwischenstand gegeben – und fordert... mehr...