Ein von ihm selbst als "revolutionär" gepriesener Plan des AOL-Chefs Tim Armstrong bringt allmählich die Netz-Beobachter in Wallung: "Valleywag" sieht eine "maschinelle Traffic-Prostitution" voraus, das deutsche Blog "Basicthinking" spricht von einer "robotisierten Armee von Content-Affen". Tatsächlich wirkt Armstrongs Konzept wie eine zynische Zuspitzung dessen, was den Online-Journalismus ohnehin schon belastet: Maschinen sortieren Begriffe und "befehlen" Journalisten, Texte dazu zu liefern.
Die Kurzform des Konzepts, mit dem AOL nach Abspaltung von Time Warner selbst an der Börse reüssieren will: Eine Software filtert aus dem Internet die gerade aktuellen Schlüssel- und Reizwörter heraus, ein Heer von freien Schreibern liefert Texte dazu, die wiederum nach dem Erfolg bei Klicks und Werbung honoriert werden. Für Menschen, die im Internet ohnehin den Untergang des Journalismus nahen sehen, gibt es quasi noch eine Zugabe: Wer auf einer bestimmten Seite werben will, kann einen passenden Promotion-Text selbst einfügen oder passgenau dazubestellen; gegen Bezahlung natürlich. Übrigens übernimmt wiederum eine Software die Prüfung auf anstößige Inhalte oder Plagiate aus dem Netz.
Wie die etwa 500 nach Massenentlassungen verbliebenen AOL-Redakteure und die angeblich rund 3000 verfügbaren "Freien" mit maschineller Hilfe vorgehen sollen, stellte Rupert Murdochs "Wall Street Journal" ausführlich dar (jedoch in deren "Paid Content"-Abteilung). Die Bewertung übernahmen andere: David Kaplan ("Guardian") spricht von einer "Google-isierung" der AOL-News, räumt der Strategie des ja wirklich von Google abgeworbenen Armstrong aber durchaus Chancen ein.
Ein galliges Stück liefert die Netzeitung ("Wo Maschinen sortieren und Redakteure werben") – mit dem bitter-ironischen Hintergrund, dass diese Seite nach dem Beschluss des neuen Besitzers DuMont in Kürze selbst in einen maschinellen Aggregator umgewandelt wird. Hamilton Nolan macht es für "Valleywag" kurz: "Neither useless crap on the internet nor AOL sucking is anything new."
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