Der Chef der Sendergruppe ProSiebenSat.1 verwundert die TV-Branche mit immer neuen Ankündigungen. Jetzt sagte er auf einer Diskussion in Berlin, er wolle das Budget für die Nachrichten-Sendungen auf ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins um zwei Drittel der gegenwärtigen Kosten drücken. Die Kanäle sollen auf Fotos statt bewegtes Bild setzen. Um den Kommerz-Sendern zu helfen, will Ministerpräsident Wulff zudem die mit Gebühren aufgebaute Infrastruktur von ARD und ZDF für das Privatfernsehen öffnen.
Montagabend, die prächtige Bayerische Landesvertretung in Berlin-Mitte. Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1-Familie, stellt sich der Medienöffentlichkeit. Auf Einladung des N24-Redaktionsausschusses will er über seine Sparpläne beim Nachrichtenfernsehen diskutieren. Es moderiert das Gruppen-Gesicht Christiane Jörges, geborene Gerboth. Lange fallen allzu bekannte Beteuerungen und beliebte Forderungen. Doch dann das: Der Konzern-Chef bestätigt erst, für die Nachrichten seiner drei Vollprogramme künftig nur noch ein Drittel des aktuellen Budgets ausgeben zu wollen. Und dann antwortet er auch noch auf die Frage, wie er das denn schaffen wolle: "Man muss ja nicht immer unbedingt ein bewegtes Bild zeigen. Ein Foto reicht doch auch."
Ein Raunen geht durch den Saal, in dem vor allem N24-Mitarbeiter sitzen. Sie betreiben derzeit massives Lobbying in der Politik, hatte Ebeling doch im vergangenen Dezember angekündigt, für seine N24 GmbH alle Optionen zu prüfen - außer einer Schließung. Der Sender, der neben dem Betrieb des eigenen Nachrichten-Kanals auch die drei Schwesterprogramme ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins mit News bestückt, soll entweder in einen Sender mit noch mehr Dokus umgewandelt oder verkauft werden. N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann plant, den Sender zusammen mit dem Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust per Management-Buy-Out zu übernehmen.
Ebeling sagte, es gebe weitere Interessenten, nannte aber keine weiteren beim Namen. Noch sei es zu früh, die Ernsthaftigkeit der Bewerbungen zu prüfen. Was mit der N24 GmbH passiert? "Wir haben unseren Denkprozess noch nicht abgeschlossen", sagte Ebeling in Berlin. "Ein Fortbestand in der jetzigen Form ist aber in jedem Fall nicht angedacht."
Der Senderchef, der die Rendite-Erwartung der Investoren Permira und KKR erfüllen muss, erneuerte jedoch die Beteuerung, Nachrichten gehörten "auch für mich persönlich zu einem guten Programm dazu". Er kündigte zudem an, die Sendezeiten für die ProSieben-"Newstime", die "Sat.1 Nachrichten" und die "Kabel Eins News" nicht antasten zu wollen. Das war zweifellos vor allem für die Sendung auf Sat.1 ein Zugeständnis, die parallel zur "Tagesschau" um 20 Uhr läuft und fast eine Viertelstunde dauert.
Niedersachsens Ministerpräsident Christan Wulff (CDU) quittierte Ebelings Überlegung, insbesondere bei niederrangigen Nachrichten auf billige Standbilder denn vergleichsweise teure Videos zu setzen, mit purem Spott. "Dann könnten wir Ihnen ja auch einfach eine Videotext-Seite geben", sagte der Politiker.
Wulff forderte indes auch, Privatsendern, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten wollten, unter die Arme zu greifen. So schlug er vor, Privaten die Infrastruktur der gebührenfinanzierten Programme zu öffnen: "Wenn die Öffentlich-Rechtlichen wie jetzt nach dem Beben auf Haiti in Krisengebieten eine TV-Station errichten, müssen die Privaten das zu festen Bedingungen mit nutzen können."
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Letzte Kommentare
23.02.10 14:04
Gra Ger
Immer noch alles viel zu teuer - Fotos sind purer Luxus. Zeichnungen sind die Lösung! Mit Bleistift! Von einem Kindergarten zur Verfügung gestellt! Spart Geld (bei Herrn Ebeling) und fördert Kreativität (bei den Kindern und bei den Zuschauern)!
23.02.10 10:49
Wolf Merkel
Wie wäre es, wenn sich Märchenonkel Ebeling selbst mit seinem Fotoalbum vor die Kamera setzt, uns die Meldungen des Tages erzählt und dabei gelegentlich einen der Schnappschüsse aus dem Bilderbuch in die Kamera hält. Das geht ohne weiteren Personalaufwand im Selbstfahrerstudio. Dann klappt's auch wieder mit der Rendite. Und die ganzen freigestellten und arbeitslosen Journalisten, Redakteuer und Bildgestalter kann Westerwelle dann zum Schneeschippen schicken. Manche Dinge sind ganz einfach, man muss nur darauf kommen...
23.02.10 10:38
peter lanz
Bei ProSieben fehlt mittlerweile jegliche kreativität... die gehen zu zahlengetrieben an das ganze thema .. verschlafen dabei die konvergenz ...
derern online seiten schmieren ab.. tv technisch läufts auch nicht und dann noch die schulden ... wie das noch endet..
sparen ist ja gut..aber die aussage bild anstelle video ist ja schon lächerlich..