Schluss mit Gratiskultur: Ab heute bekommen regelmäßige Leser der Online-Ausgabe der New York Times nur noch gegen Bezahlung zu sehen. Gelegenheitsnutzer haben kostenlosen Zugriff auf 20 Texte. In drei Varianten können Leser nun den Zugang kaufen. 40 bis 50 Millionen Dollar hat der Verlag in den digitalen Grenzzaun investiert. Ein kanadischer Entwickler hat den nun mit wenigen Codezeilen geknackt. Mit dem Bezahlmodell verbindet die "beste Zeitung der Welt" große Hoffnungen. MEEDIA erklärt das System.
20 Artikel sind pro Monat frei zugänglich. Ab dem 21. Artikel muss der User zahlen: 15 Dollar im Monat für den Zugang zur Webseite inklusive Smartphone-App, 20 Dollar für das Paket mit Tablet-App, 35 Dollar für den vollen digitalen Zugang auf allen Endgeräten. Die Abonnenten der gedruckten Ausgabe haben unlimitierten Zugang.
Wie etwa bei Springers Regionalzeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost) können User, die über Social Networks und Suchmaschinen auf einen Artikel gelangen, auch auf das Angebot zugreifen, wenn sie das Kontingent an freien Texten schon aufgebraucht haben. Denn natürlich will die New York Times auf möglichst wenig Online-Reichweite verzichten. Allerdings beschränkt die Zeitung den kostenfreien Zugang von Google auf fünf Artikel pro Tag.
Benachteiligt werden also vor allem Power-User, die eventuell in ihrer journalistischen Arbeit auf das Angebot der NYTimes angewiesen waren. Gelegenheitsleser, die nur ab und an via Twitter oder Facebook auf einen Artikel stoßen, werden von der Bezahlschrank gar nichts mitbekommen.
Trotzdem wirkt die Paid-Content-Strategie der Times fair. Und setzt einen Trend weg von der virtuellen Content-Mauer der News Corp. So werden Leser der Londoner Times konsequent ausgesperrt, wenn sie nicht zahlen wollen.
Ärgern dürfte Herausgeber Arthur Sulzberger allerdings die Arbeit des kanadischen Entwicklers David Hayes. Seine Web-App heißt “NYTClean” und hebelt mit wenigen Codezeilen die gesamte Paywall aus. Seine Software schaltet sich zwischen das Java-Script, das nach dem 20. kostenlosen Artikel zum Abschluss eines Abos auffordert. Das Script wird einfach im Browser als Bookmark abgelegt und verhindert, dass der User erneut gefragt wird.
Martin Nisenholtz erklärte allerdings schon im Vorfeld der Einführung gegenüber "All Things Digital", dass der Verlag nicht allzu viel Energie in das Schließen von Lücken in der Paywall investieren werde. Nisenholtz ist Senior Vice President und verantwortlich für alle digitalen Geschäftsfelder des Verlages. Er geht davon aus, dass die Lücken kaum ausgenutzt würden und interessierte Leser den Abschluss eines Abos nicht scheuen würden.
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