Ein Leitmedium wird zum Sanierungsfall: Bei der "Süddeutschen Zeitung" sollen laut "Tagesspiegel" 60 Stellen in Redaktion und Verlag gestrichen werden. Dies sei den Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung am Dienstag eröffnet worden. 2008 waren bereits 90 Jobs bei der größten überregionalen Zeitung des Landes weggefallen. Die "SZ" selbst berichtet von betriebsbedingten Kündigungen in noch unbekannter Höhe in der Redaktion. Der Betriebsrat wirft dem Management "hektische Sparbemühungen" vor.
Die Reduzierung ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen, ist das Ziel von Arbeitsgruppen; laut "Tagesspiegel" hat der Verlag aber angekündigt, dass dies kaum zu erreichen sei. Der Konzernbetriebsrat kündigte Proteste an. Im Wirtschaftsteil der "Süddeutschen" ist die Rede von weiteren fünf Prozent Stellen, die in den Verlagsabteilungen gestrichen werden sollen. Geschäftsführer Detlef Haaks habe bei der Betriebsversammlung erklärt, dass die "Einzelheiten" in den nächsten Wochen verhandelt werden sollen.
Auch für die Redaktion, in der rund 400 Mitarbeiter beschäftigt sind, habe Haaks Einsparungen und ebenfalls betriebsbedingte Kündigungen angekündigt. Details allerdings hätten die Mitarbeiter allerdings mit Hinweis auf die laufenden Gespräche mit der Chefredaktion nicht erhalten. Laut "SZ" habe Haaks erklärt, Ziel des Verlages sei es, "zu verhindern dass die lokale und überregionale Spitzenstellung" des Blattes "beschädigt" werde.
Die wirtschaftliche Lage des Süddeutschen Verlags ist angespannt: In den ersten drei Quartalen 2009 gingen die Umsätze im Anzeigenbereich gegenüber dem schon mauen Vorjahr weiter zurück, der Verlag wird das Jahr mit roten Zahlen abschließen. Haaks habe daher für das kommende Jahr "ein mindestens ausgeglichenes Ergebnis" gefordert, damit die "SZ" in der bisherigen Form weitergeführt werden könne.
Der Betriebsrat dagegen sprach laut "SZ" von "hektischen Sparbemühungen" und forderte bei Sparmaßnahmen Augenmaß und Weitsicht. Die Süddeutsche Zeitung ist seit Anfang 2008 mehrheitlich im Besitz der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH), die dem Verlag einen konsequenten Sparkurs verordnet hat.
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Letzte Kommentare
31.10.09 16:51
Ulf J. Froitzheim Website
Das Problem mit Aktualitätsjunkies wie Karl Fuchs ist, dass sie Schnelligkeit mit Relevanz verwechseln. Wenn bei mir mal die SZ ein, zwei Tage liegen bleibt, weil ich keine Zeit zum Lesen hatte, werfe ich sie nicht ungelesen weg. Ich finde immer Beiträge, die zu schade sind, unbeachtet im Altpapier zu landen (vor allem auf der Seite Drei). Ich lebe nicht schlechter, wenn es News gibt, die andere Menschen vor mir erfahren haben. Fernsehnachrichten habe ich mir abgewöhnt, Radio kann man, von einer Stunde "Welt am Morgen" mal abgesehen, eh nicht mehr ertragen. (Selbst stinkbiedere Nachrichtenredakteure des Bayerischen Rundfunks halten z.B. Paprika und Curry für "Küchenkräuter". Wieviel ahnen die wohl von wirklich wichtigen Dingen?)
Die Zeitung am Morgen liefert mir kompakt einen Überblick, gibt mir Hintergrund, andere Meinungen. Ich lese durchaus auch online Zeitung, nämlich das Handelsblatt, aber selbst dabei läuft bei mir manchmal drei Tage lang das Postfach mit den Teasern voll, bis ich die gesammelten Headlines im Schnellverfahren durchsehe und das für mich Relevante stapelweise in den Browser schiebe und, ja, abarbeite. Das ist nämlich kein Vergnügen, wie es das Zeitunglesen sehr wohl sein kann.
Die nach meinem Interessenprofil vorsortierten Neuigkeiten oder Pseudoneuigkeiten kommen - wie auch bei RSS - zwar auf dem Präsentierteller daher, aber alle gleichgewichtig. Und das finde ich ziemlich anstrengend.
Wenn ich meine SZ aufschlage, sehe ich ganz bequem, was eine kleine Sache ist und was eine große. Hinzu kommt: Die Fälle, in denen ich tagesaktuell oder gar stundenaktuell informiert sein muss, halten sich sehr in Grenzen, und wenn etwas wirklich so wichtig ist, findet mich die Nachricht von selbst (wie es auf dem Printgipfel in München so schön hieß, ich glaube Jeff Jarvis sagte das).
@ Jan-Bernd:
Du hast Recht, wenn Du die SZ als überdurchschnittliches Blatt verteidigst. Allerdings stimmt es schon, dass zwischen den Texten, die die Abogebühr rechtfertigen, immer wieder auch peinliche Fehlleistungen zu finden sind. Die Süddeutsche bietet Kritikern mehr Angriffsfläche, als sie sollte, und das liegt zum einen - wie Du richtig sagst - daran, dass am Redaktionsetat gespart wird. Zum anderen liegt es aber auch an Personen. Im Zamdorfer Vierkantbolzen arbeiten neben vielen Könnern auch ein paar Redakteure, deren Texte so weit weg sind vom richtigen Leben, dass ich mich ernsthaft frage, wie die wohl ihren Arbeitsvertrag ergattert haben. Aber will ich ihretwegen die ganze SZ missen? Bestimmt nicht!
28.10.09 16:52
Jan-Bernd Meyer
moin, moin,
es ist langsam etwas ermüdend, von so genannten oder auch selbst ernannten Web-Aficionados darauf hingewiesen zu werden, dass Online ein schnelles Medium ist. Lieber Herr Fuchs - das hat sich schon geraume Zeit herumgesprochen. Das gehört zum - wie sagen dass die alerten, fixen Web-Spezialisten in ihrem Neusprech? - common sense. Originell ist es nicht, auch wenn es natürlich wahr ist.
Der Vergleich der Zeitungen sollte lediglich darlegen, dass es mit der SZ nicht irgendein Wald- und Wiesenblatt betrifft, sondern eine Zeitung, die m.E. sehr wohl mit Recht als Qualitätszeitung geführt wird.
Interessanter ist da schon die Bemerkung, dass man ja, wenn man kostenlos bei SPon was liest, dies nicht für Geld bei der SZ kaufen muss. Jetzt frage ich mich: Was ist das für ein Geschäftsmodell des Spiegel-Verlags, der mittlerweilen rund 90 Redakteure/innen nur für die Online-Redaktion unterhält (= bezahlt), damit die gute Inhalte produzieren, die sie dann verschenken?
Will meinen: All die medialen Schnäppchenjäger, die alles für lau bekommen wollen, was andere unter Einsatz von Investitionen (und eine Redaktion ist erst einmal eine Investition) an Werten schaffen, sollen mal erklären, wie sich das für ein Medium (egal welches) rechnen soll. Das ist doch mal ein gutes gesellschaftliches Konzept: Für ein gutes Produkt nichts mehr zahlen zu wollen. Man sollte das auf andere Branchen übertragen. DAS wäre originell. (Das war übrigens nicht ganz ernst gemeint)
28.10.09 15:56
Karl Fuchs
Toller Vorschlag von Jan-Bernd Meyer: 20 Zeitungen kaufen und vergleichen. Er versteht nicht, dass die Tageszeitungen in harter Konkurrenz zu Online stehen. Wenn ich eine Meldung schon ein, zwei Tage zuvor bei Focus Online oder Spiegel Online kostenlos gelesen habe, brauche ich doch keine Süddeutsche kaufen, die mir berichtet, was ich schon weiß. Die Süddeutsche ist einfach zu langsam - und Geschwindigkeit ist auch ein Qualitätsmerkmal - zumindest bei einer TAGES-Zeitung.
28.10.09 13:41
Jan-Bernd Meyer
moin, moin, liebe Kommentatorinnen und Kommentatoren,
wer über die Qualität eines Produktes eine Meinung vertreten will, dem sei ein probates Mittel an die Hand gegeben: Er oder sie möge vergleichen zwischen vergleichbaren Produkten. In München geht das in Bezug auf Zeitungen sehr gut. Man gehe z.B. zum Hauptbahnhof und kaufe sich (etwa zum Wochenende) einmal 20 Zeitungen.
Bei der Lektüre kann man dann wunderbar die Berichterstattung zu ein und demselben Thema verfolgen und erhält einen Überblick über die Meinungsvielfalt und publizistische Qualität der unterschiedlichsten Medien.
Ich tue das gelegentlich und - Wunder über Wunder - ich stelle fest, dass die SZ neben den üblichen anderen Verdächtigen wie NZZ, FAZ, etc. zu den herausragenden überregionalen Blättern gehört.
Richtig ist allerdings auch, dass in der SZ Redakteure/innen vom Schlage eines Riehl-Heyse gearbeitet haben und noch arbeiten. Und von diesem stammt ja der unnachahmlich richtige Satz: "Guter Journalismus kostet Geld, schlechten Journalismus braucht niemand."
Hier liegt das tatsächliche Problem aller Medien - und nur hier.
Wenn nun die SZ in Mitleidenschaft gezogen wird aus vermeintlichen Sparzwängen, schadet das zunächst den Mitarbeitern/innen, a la longue schadet es allen, die Interesse haben, sich von gut ausgebildeten Menschen täglich über Zustände in der Welt informieren zu lassen - mit allen Mängeln, die dabei passieren können. Ich ziehe hier den Mut zur Lücke dem schwarzen Loch vor.
28.10.09 08:57
Björn Thomsen
Wenn Herr Stangl lieber Hofberichterstattung aus den Klüngelkreisen der selbsternannten Staatspartei lesen möchte, empfehle ich ihm ein Abonnement des Bayernkuriers.
Ich selbst bevorzuge eine "republikanische" Beobachtung der gewählten Vertreter des Volkes und verzichte deshalb ungern auf eine liberale Stimme wie die der SZ.