Web-Unternehmer Alexander Görlach startet ein neues Autoren-Portal: The European. Das Angebot soll zeitnah nach der Bundestagswahl an den Start gehen und ist als Debatten-Magazin geplant. Dahinter steckt die The European Magazine Publishing GmbH, die Görlach gemeinsam mit Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski gegründet hat. Der ehemalige "Cicero"-Ressortleiter will mit guten Autoren und starken Themen punkten: "Bei The European sollen Entscheider zu Wort kommen, deren Stimmen wirklich wichtig sind"
Was bedeutet der Name The European?
The European ist eine starke Haltung, die für Analyse und Streitbarkeit, für Diskurs und Reflexion steht. The European ist grundsätzlich optimistisch, zugleich abendländisch und leger.
Sie haben mit Lukasz Gadowski The European gegründet. Wie kam der Kontakt mit ihm zustande?
Wir haben uns im Januar nach der Premiere von "Operation Walküre" in Berlin kennen gelernt. Anfangs sprachen wir noch recht allgemein über die Veränderungen am Medienmarkt. Damals hatte ich schon die Idee, ein eigenes Angebot zu entwickeln, das eine Lücke im Markt schließen soll. Als ich ihm davon erzählte, fragte er: „Warum machst Du das nicht selber?"
Und?
Ich erklärte ihm, dass ich das redaktionelle Know-how habe und den Medienmarkt kenne. Die technische Expertise, die so ein Format benötigt, hätte ich allerdings nicht in ausreichendem Maße. Daraufhin bot er mir seine Unterstützung an. Wir haben die The European Magazine Publishing GmbH gegründet und arbeiten seither gemeinsam an der Umsetzung der Vision eines neuen Online Programms – ich am redaktionellen Konzept und seiner Vermarktung und Lukasz an der technischen Umsetzung.
Wie sieht diese Vision aus?
Die journalistischen Formate im Web sind nachrichtlich und fungieren als Verlängerung von Print-Titeln. Insofern profitieren diese Angebote von einer Marke, die sich in der Offline-Welt bereits etabliert hat. Im Augenblick gibt es noch keine starke eigenständige journalistische Marke im Web, die Hintergründe und entsprechende Deutungen des Nachrichtengeschehens liefert. Hier wollen wir ansetzen. Denn reine Nachrichten machen keine starken Marken mehr. Bei The European werden die Entscheider zu Wort kommen, deren Stimmen wirklich wichtig sind und die das Geschehene für uns einordnen.
Wie wird das konkret umgesetzt?
Es wird ein Set an Neuerungen im Formatbereich geben: Debattenbeiträge auf The European werden beispielsweise maximal 3.500 Zeichen lang sein, also noch nicht einmal einer herkömmlichen DinA-4-Seite entsprechen. Wer sich im Web journalistische Inhalte ansieht, hat nicht viel Zeit. Bleiwüsten wird man deshalb bei uns nicht finden. Eine weitere Neuerung ist, dass es bei uns keine klassische Ressort-Aufteilung mehr geben wird.
Warum? Ist es nicht auch Teil des journalistischen Jobs, die Themen für den Leser vorzusortieren?
Das tun wir auch, nur nicht gemäß der Tradition – Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Wir haben uns eine eigenständige Ordnung ausgedacht, welche die klassischen Ressorts aufbricht, um die großartigen Möglichkeiten des World Wide Web voll auszuschöpfen.
Wird es auch crossmediale Inhalte geben?
The European ist ein Programm. Darum gibt es bei uns nicht nur Text, sondern auch Videoformate und opulente Bilderstrecken.
Wie viele Mitarbeiter sind bei The European an Bord? Welche Autoren haben Sie gewinnen können?
Wir starten mit etwa zehn Mitarbeitern in der Redaktion und noch mal so vielen renommierten freien Autoren. Dazu kommen noch die Entwickler und das Sales-Team.
Wollen Sie keine Autoren-Namen nennen?
Auch diese Namen werden eine Überraschung sein.
Wie sieht Ihre Zielgruppe aus?
Unsere Zielgruppe sind all diejenigen, die schon lange ein emotionales journalistisches Programm im Netz gesucht haben. Wir werden ein "Lean-Back-Produkt" erstellen, das den Lesern eine komfortable Auswahl relevanter Themen bietet. Es sprechen die relevanten Entscheider und gesellschaftlichen Multiplikatoren in einer klugen und klar verständlichen Sprache. Wir zielen primär auf die 25- bis 65-jährigen netzaffinen Menschen mit einem Einkommen von über 2.000 Euro pro Monat. Das sind, demographisch und sehr technisch gesprochen, etwa eine Millionen Männer und 500.000 Frauen.
Wann möchten Sie online gehen?
Wir werden kurz nach der Bundestagswahl online gehen.
Welche Marketingmaßnahmen werden ergriffen, um das Portal bekannt zu machen?
Wir haben eine klare Strategie. Dazu gehören Suchmaschinen-Optimierung und journalistische Scoops, um nur zwei Stichworte zu nennen.
Welche Investoren haben Geld in The European gesteckt?
Unsere Investoren sind Privatpersonen, die genauso wie wir die Marktlücke am Medienmarkt sehen, die The European schließen wird. Wir haben keine Verlagsanbindung.
Wie soll sich das Angebot refinanzieren?
Es wird ein kombiniertes Modell aus Vermarktung und Subscriber-Modell geben.
Können Sie mir Ihren Maßstab skizzieren, den Sie für das erfolgreiche Wachstum von The European anlegen?
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Letzte Kommentare
10.11.09 14:34
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04.09.09 13:50
Phil ipp
Ich sag' nur: www.carta.info !
31.07.09 12:35
Henning Zander Website
Das klingt alles interessant und spannend. Aber worum soll es beim European gehen? Unter abendländisch und leger kann ich mir so gar nichts vorstellen. Werden europäische Themen aufgegriffen? Dass Beiträge eine bestimmte Länge nicht überschreiten sollen, weil Leser im Netz nur eine begrenzte Aufmerksamkeit haben, finde ich jetzt noch nicht so bahnbrechend. Wobei ich eigentlich das Vertrauen habe, dass bei einer Kooperation Gadowski/Görlach etwas Ordentliches bei rumkommen könnte.