Medien-Zar Rupert Murdoch hat seinem Haus-Sender Fox mal wieder ein Interview gewährt - und dabei kurzerhand das Ende der gedruckten Tageszeitung prophezeit. In zehn bis zwanzig Jahren, so Murdoch, würden Nachrichtenangebote nur noch über PCs oder weiter entwickelte Geräte nach Art von Amazons E-Book-Reader Kindle gelesen werden. Zeitungen müssten sich in Nachrichten-Organisationen oder Journalismus-Unternehmen verwandeln, so Murdoch.
Dem großen alte Mann der Medienwelt ist Print-Gefühlsduselei fremd. "Wir sehen Zeitungen in einer sehr altmodischen Weise, mit gedruckter Tinte auf gefälltem Holz. Das wird alles digital", sagte Murdoch in dem TV-Interview. Er nimmt damit eine weit radikalere Haltung ein, als die allermeisten deutschen Verleger und selbst viele Internet-Anhänger hierzulande. In der Zukunft - Murdoch nennt einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren - würden Nachrichten mobil verbreitet werden, egal ob auf einem PC, einem Gerät wie dem Blackberry oder einer Weiterentwicklung des Kindle. Erst kürzlich hat Amazon eine größere Version seines E-Book-Readers Kindle vorgestellt, der für die Darstellung von Zeitungsinhalten optimiert wurde. Murdoch sieht in dem Gerät offenbar großes Potenzial.
Ein bisschen Trost für Zeitungsfans hat Murdoch dann doch noch übrig: Große Zeitungsmarken, wie der „Boston Globe“, seien derzeit zwar in Schwierigkeiten, er glaube aber nicht, dass sie als Marken verschwinden. "Wenn es eine Zeitung mit einem großen Namen und einer großen Reputation gibt, der die Leute vertrauen, dann müssen sie dieser Community den Zugang zu ihren Nachrichtenquellen geben. Was wir heute Zeitung nennen, nenne ich Nachrichten-Organisation oder Journalismus-Unternehmen. Das sind die Quellen von Nachrichten und wenn sie gut gemacht sind, werden die Leute sich dorthin wenden."
Auf die Frage, ob es Entlassungen bei der Internet-Sparte Fox Interactive geben wird, sagte Murdoch nebulös, man müsse dem neuen Management Zeit geben, sich einzuarbeiten. Es werde aber sicherlich Veränderungen geben. Generell sei das Anzeigengeschäft bei Fox Interactive, zu dem unter anderem MySpace gehört, aber in "ziemlich guter Verfassung". Die Internet-Sparte habe mindestens doppelt soviele Anzeigen-Erlöse wie Community-Primus Facebook, sagte Murdoch.
Die generelle Wirtschaftslage in den USA beurteilte Murdoch weiter kritisch. Er prognostizierte ein Ansteigen der Arbeitslosenrate auf zehn bis elf Prozent. Für seine News Corp sieht er Wachstumsmöglichkeiten vor allem mit neuen Kabel-Kanälen. Auch das Film-Geschäft habe sich in den zurückliegenden Monaten gut entwickelt.
Murdoch verkündete in dem Interview zudem, wer sein neuer zweiter Mann bei der News Corp wird: Ab Juli steht der 55-jährige Chase Carey dem Mogul als Vize zur Seite. Carey soll das Tagesgeschäft in Murdochs Medien-Reich leiten. Er kommt vom US-Kabelkonzern Liberty Media, hat aber schon einmal, von 1996 bis 2002, für Murdochs News Corp gearbeitet. Murdochs bisheriger Vize, Peter Chernin, hatte im Februar seinen Rückzug angekündigt.
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