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Robin Meyer-Lucht über den Ausbau des Autoren-Portals Carta

"Mehr auf audio-visuelle Inhalte setzen"

Das Autoren-Portal Carta ist seinem inoffiziellen Ziel, ein deutsches Politico-Crunch zu werden, ein Stück näher gekommen. Seit wenigen Wochen rangiert das Online-Magazin in den Top Ten der Deutschen Blog-Charts, ist also eines der meist verlinkten Blogs hierzulande. Im vergangenen Jahr erhielten die Macher den Grimme Online Award in der Kategorie Redaktion und Autorschaft. MEEDIA sprach mit dem Herausgeber Robin Meyer-Lucht über Redaktionsabläufe und die Zukunft des Autoren-Netzwerks.

Sie sind mit Carta vor kurzem auf Platz zehn in den deutschen Blogcharts gelandet. Sind medienpolitische Themen gerade im Trend?

Wir haben mit einer Mischung aus Medienfeuilleton und Themen der politischen Ökonomie sowie der digitalen Öffentlichkeit eine Nische gefunden, in der wir uns gut auskennen. Aus Lesersicht scheint dieses Spektrum eine Relevanz zu besitzen. Schön ist natürlich, dass sich das jetzt auch in den Blogcharts widerspiegelt.

 

Dem Web-Journalismus wird gerne vorgeworfen, dass er sich nur um sich selbst dreht. Wie geht ihr bei Carta mit dieser Selbstreferenzialität um?

Carta hat unterschiedliche Schwerpunkte. Letztlich aber treffen gerade netzbezogene Themen auf besonders hohes Interesse, was wir unter anderem an den Kommentaren sehen können. Das hat mehrere Ursachen. Einerseits können Online-Publikationen ihre Unabhängigkeit und Stärke natürlich vor allem auch dort ausspielen, wo es um Netzthemen geht. Zweitens ist es einfach so, dass Menschen, die viel im Netz unterwegs sind, sich eben auch besonderst stark für Netzthemen interessieren. Auch hier gilt die alte journalistische Regel: Die Leute interessiert vorrangig das, was auch in ihrem Leben wichtig ist. Konkret ist für viele Nutzer vielleicht ebenso interessant, welche Selbstvermarktungs-Praktiken etwa auf Twitter akzeptabel sind wie die Debatte um einen "Strategiewechsel" in Afghanistan. Insofern trifft der Begriff Selbstreferenzialität das Phänomen nicht. Wir wollen die alten Medien ja nicht klonen, sondern dort einen Beitrag liefern, wo er sinnvoll ist.

 

Das war jetzt sehr allgemein gesprochen. Wie sieht das bei Carta konkret aus?

Typische Netzthemen sind ein Aspekt, Carta beschäftigt sich aber auch mit Wirtschafts- und Politikthemen. Im letzten Jahr haben wir uns beispielsweise dem Bundestagswahlkampf gewidmet, der Präsidentschaft von Obama oder der Klimapolitik. In den kommenden Monaten werden wir sicher den Kurs und die Arbeit von Schwarz-Gelb kritisch begleiten. Das Themenspektrum und die Meinungsvielfalt wachsen mit der Zahl unserer Autoren. Ich würde aber sagen, uns alle eint das Interesse an den Veränderungen in einer digitalen Gesellschaft.

 

Was macht Carta überhaupt aus?

Wir versuchen im Kern Beiträge zu liefern, die das Verstehen von Debatten positiv beeinflussen. In der Regel handelt es sich dabei um Analysen und meinungsbetonte Artikel. Das können auch aktuelle Nachrichten sein. An diesem Geschwindigkeitswettbewerb beteiligen wir uns aber nur, wenn wir eine Geschichte exklusiv haben. In der jüngeren Vergangenheit ist uns das mit Artikeln zum Leistungsschutzrecht im Koalitionsvertrag und über die volle GEZ-Gebührenpflicht für Computer-Nutzer gelungen. Unsere Kompetenz liegt vor allem in der Aufarbeitung bestehender Diskurse.

 

Die Liste der Carta-Autoren wird immer länger. Was verbindet Sie?

Das wichtigste Kriterium, weshalb Leute auf Carta schreiben, ist, dass sie mit einer bestimmten Haltung und einer bestimmten Neugier an Themen herangehen. Inhaltlich verbindet uns besonders das Interesse für digitale Konstellationen. Es ist aber einfach auch so, dass wir uns als Autoren gegenseitig schätzen und gerne die Texte der anderen lesen. Carta ist ein Gemeinschaftsprojekt seiner Autoren. Und wir alle finden die Arbeit im Netzwerk interessanter, markanter und spannender, als wenn das jeder einzeln in seinem eigenen Bog täte.

 

Wie sieht diese Haltung aus?

Hm, schwer zu sagen. Neugierig, kritisch, analytisch, qualitätsbewusst – und meinungsstark. Das ist schwer in Worte zu fassen. Mit Autoren ist es wie mit Menschen. Mit manchen arbeitet man gerne zusammen und mit anderen wiederum nicht.

 

Man könnte Carta also als Freundschafts-Autoren-Portal beschreiben?

Wenn sie so wollen, ja.

 

Was ist der Vorteil des Netzwerks?

Der Lernprozess. Durch den gemeinsamen Austausch über Themen und Sachverhalte bilden wir beinahe so etwas wie einen Think-Tank. Der Vorteil einer gemeinsamen Plattform ist natürlich auch die Regelmäßigkeit und Vorhersehbarkeit. Ich denke, das schätzen unsere Leser. Zugleich ist die Reichweite höher, so, dass wir in der Vermarktung etwas besser dastehen.

 

Wie sieht der Redaktionsablauf praktisch bei Ihnen aus?

Wir sind dezentral organisiert, die Kommunikation läuft im Wesentlichen virtuell ab. Dabei gibt es einen engeren Autorenkreis, der die inhaltlichen und technischen Schritte bespricht und anschiebt. Das zentrale Redaktionsdesk ist mit einer Person besetzt.

 

Gibt’s da auch mal Meinungsverschiedenheiten?

Wir diskutieren natürlich auch über unsere Inhalte. Texte werden durchaus zwei bis dreimal hin und her geschickt, ehe sie veröffentlich werden. Es gibt aber auch Autoren, die sind so gut und so sicher im Thema, dass sie ihre Beiträge direkt auf der Seite posten. Der Ablauf geht insgesamt erstaunlich harmonisch.

 

Wie wollen Sie mit Carta profitabel werden?

Carta ist ein non-profit-Projekt. Es geht uns vor allem darum, dass wir eine Redaktionsassistenz und die Autoren angemessen vergüten wollen. Damit das klappt, wechseln wir gerade unseren Vermarkter. Von dem neuen Partner versprechen wir uns mit einiger Begründung einen positiven Schub. Wir werden aber sicher nicht anfangen, Carta aus gründen der besseren Vermarktbarkeit hastig zu überstrecken oder dergleichen. Langfristig wollen wir ein Umsatzniveau erreichen, um unsere Autoren fair vergüten zu können. Dabei wird Werbung eine Rolle spielen – aber nicht nur.

 

Gibt es Paid-Content-Pläne?

Wir arbeiten mit Kachingle zusammen. Ich finde, dass man mit derartigen Crowdfunding-Mechanismen unbedingt experimentieren sollte. Ich glaube, dass viele unserer treuen Leser bereit sind, uns zu unterstützen – über die Werbefinanzierung hinaus. Wir haben ja auch eine „Kaffekasse“ bei Carta. Die kleinen Einzahlungen dort ermutigen uns, weiter in diese Richtung zu denken.

 

Wie groß ist die Reichweite?

Wir liegen derzeit zwischen 150.000 und 200.000 PIs bei rund 60.000 Visits im Monat. 

 

Was kommt Neues im Jahr 2010?

Wir müssen erstmal die Flughöhe der letzen Monate stabilisieren. Dann wird es darum gehen, dass Carta sukzessive und generisch wächst. Dabei haben wir keine Eile. Beim weiteren Ausbau werden wir etwas mehr auf audiovisuelle Inhalte setzen. Das beinhaltet Videointerviews und Livestreams. Zudem hoffe ich, dass Carta über Kooperationen nach mehr Leser erreichen kann.

28.01.2010

Oliver Scheiner

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    Anzeige: 1 - 2 von 2

    30.01.10 10:10

    Matthias Lubinsky Website

    Sehr interessantes Interview!

    Vielleicht liegt hierin überhaupt die Zukunft der Informationswirtschaft: Nachrichten und Kommentare werden 'social' und im Netzwerk generiert. Und jeder Schreiber macht das, was er wirklich kann, wo er sich auskennt und was ihm Spass macht.

    Wir versuchen uns an einem Blog mit tatsächlichem und hochwertigem Content und erhalten ein sehr positives feed back: http://www.dandy-club.blogspot.com

    Ein nächster Schritt könnte ein Autoren-Pool werden...

    30.01.10 10:10

    Matthias Lubinsky Website

    Sehr interessantes Interview!

    Vielleicht liegt hierin überhaupt die Zukunft der Informationswirtschaft: Nachrichten und Kommentare werden 'social' und im Netzwerk generiert. Und jeder Schreiber macht das, was er wirklich kann, wo er sich auskennt und was ihm Spass macht.

    Wir versuchen uns an einem Blog mit tatsächlichem und hochwertigem Content und erhalten ein sehr positives feed back: http://www.dandy-club.blogspot.com

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