Als das französische Portal Mediapart.fr Anfang 2008 startete, wollten die Macher das Unmögliche: eine unabhängige Online-Zeitung, die sich nicht mit Werbung, sondern durch Abonnements finanziert. Mitten in der Medienkrise setzten die Gründer nicht auf Gratisangebote, sondern auf Paid Content. Ein Modell, das bisher erstaunlicher Weise funktioniert und 2011 Gewinne abwerfen soll. Bei einem VDZ-Kongress in Hamburg stellte der Chefredakteur und Mitgründer François Bonnet heute sein Geschäftsmodell vor.
In Frankreich spielen die Werbeerlöse bei der Finanzierung von Onlinediensten fast keine Rolle. Wer hier erfolgreich – und das heißt auch profitabel – sein will, muss sich andere Erlösmodelle überlegen. So war die Entscheidung gegen Gratisangebote und für Paid-Content für die Macher von Mediapart.fr fast alternativlos. Sie finanzieren ihre Seite ausschließlich über Abo-Modelle. Dafür verzichtet Mediapart.fr auf Werbung und verspricht seinen Lesern "Unabhängigkeit, Qualitätsjournalismus und Diskussionsbeteiligung", wie es auf der Seite heißt. Denn Werbung könne unabhängige Informationen nicht finanzieren, so die Überzeugung von François Bonnet sicher.
Und so sieht das Erlösmodell aus: Die Nutzer bezahlen zwischen fünf und neun Euro im Monat und erhalten dafür Zugang zu drei aktuellen Online-Ausgaben täglich, Hintergrundgeschichten und Reportagen. Wer auf die Seite kommt, hat die Wahl zwischen zwei Bereichen: "Le Journal" ist das redaktionelle Angebot der Journalisten, "Le Club" dagegen wird inhaltlich hauptsächlich von den Usern gestaltet, die sich an den Debatten beteiligen. Durch das Nebeneinander von redaktionellen Berichten, Blogs und Kommentaren sollen sich die verschiedenen Angebote ergänzen, wirken auf den ersten Blick jedoch auch etwas unübersichtlich.
Dennoch besteht für Bonnet nach wie vor die größte Herausforderung im Redaktionellen: "Wir fragen uns in erster Linie: Was haben wir, was andere nicht haben?" Nur durch überzeugende journalistische Angebote seien die Gebühren zu rechtfertigen. Und nur so könnten neue User gewonnen werden. In der Redaktion arbeiten etwa 25 Journalisten, zudem einige Techniker und Marketing-Leute.
Bisher war die Resonanz für Mediapart.fr sehr positiv, so Chefredakteur Bonnet. Die Site habe sich in Frankreich innerhalb der journalistischen Angebote etabliert, werde immer häufiger zitiert, und auch die Zahl der Abonnenten wächst beständig. Bisher konnte Mediapart.fr laut Bonnet etwa 40.000 zahlende Abonnenten gewinnen. Zur Erreichung der Gewinnschwelle fehlen laut Bonnet 10.000 Abonnenten. Bis 2011 wollen die Macher die Gewinnschwelle erreichen.
Bonnet denkt aber schon weiter: In Zukunft sollen verschiedene Abo-Modelle angeboten werden, zudem sollen durch Kooperationen mit anderen Verlagen verschiedene Angebote kombinierbar sein: "15 Euro im Monat für vier oder fünf Websites wären sehr attraktiv."
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