Eine Gruppe freier Journalisten zeigt, wie man im Web anspruchvollen Journalismus umsetzen kann. 22 Autoren, die sich vorher lose im Netzwerk Autoren + Reporter organisiert hatten, starteten Anfang der Woche das Web-Portal Magda.de (Magazin der Autoren). Im Angebot der bunt zusammen gewürfelten Schreiber und Fotografen sind Reportagen, Kolumnen, Porträts und Bilderstrecken. Problem nur: Die Macher wissen noch nicht, wie sie mit der Seite Profit erwirtschaften können.
Die Mitarbeiter von Magda.de erheben den Anspruch auf Originalität. Den erfüllt die Journalisten-Gruppe locker. Die Site wirkt wie eine Spielwiese erfahrener Profis, die sich auch mal an neuen Formaten wie Slide-Shows probieren. "Wir wollen uns auf Magda.de frei gestalten und zu einem Kristallisationspunkt guten Journalismus' werden", sagt Martin Rasper, der die Initiative mitgegründet hat.
Die Autoren sind ganz bewusst nicht als Einzelkämpfer in die Blogosphäre eingedrungen. Die sei ihnen zu schnell, zu spontan und nicht nachhaltig genug. Magda.de ist für die Journalisten aber mehr als ein Reputationsprojekt. "Uns geht es um die Lust am Schreiben und nicht bloß um die reine Visitenkarte", so Rasper. Diese Beschreibung passt eher auf das Netzwerk Autoren + Reporter, aus dem Magda.de im Wesentlichen hervorgegangen ist.
Dennoch hat das Autorenportal auch Schaufenstercharakter. Mit den Beiträgen, die bislang fast ausschließlich nur für Magda.de produziert wurden, wollen die Journalisten zeigen, was sie drauf haben. Besonders gelungen ist etwa die Reportage "Alle Macht der Fantasia", in der Stefan Schomann über die Reiterspiele der marokkanischen Berber berichtet. Ebenso gelungen ist die Slide-Show über den Fußball-Klub Union Berlin "Warum Union?" von Christian Frey und Kai Schächtele unter der Rubrik Leidenschaften.
Rührend ist die Reminiszenz an Volker Handloik. Der sprachlich überaus begabte Reporter wurde 2001 in Afghanistan bei einem Hinterhalt zusammen mit zwei französischen Kollegen erschossen. Unter der Rubrik Abwesenheitsnotiz hat die Autoren-Gruppe seine Reportage "Der Balkan bebt" noch einmal online gestellt.
Doch bei aller journalistischen Raffinesse: Ein Geschäftsmodell ist bislang noch nicht gefunden. Zwar weiß jedes einzelne Mitglied als frei Schaffender genau, wie man sein Fell zu Markte trägt, aber in punkto Monetarisierung besteht noch kein Konzept. Micropayment sei ein Stichwort – "eher unwahrscheinlich", sagt Rasper. Auch klassische Werbung wolle man eigentlich vermeiden, da die Seite dann nicht mehr so schön aussehe. Am liebsten hätte die Autoren-Gruppe einen Sponsor, der im Idealfall auch noch richtig gut zu dem Projekt passt.
Auf der technischen Seite haben die Macher der Seite ebenfalls gespart. Magda.de basiert auf Typo3-Technologie. Jedes Mitglied hat sich mit 400 bis 500 Euro an den Programmierkosten beteiligt. Dann hat man die Hamburger Kommunikationsgesellschaft Superscreen beauftragt, die Seite zu bauen.
Man darf gespannt sein, ob Magda.de ein Portal für Fingerübungen freier Journalisten bleibt, oder ob es der Autoren-Gruppe gelingt, ein Businessmodell zu etablieren.
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