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Erfinder von Xing über Internet-Trends und den Apple-Hype

Lars Hinrichs: "Ich bin ein Seriengründer"

Er ist der bekannteste deutsche Internet-Unternehmer: Xing-Gründer Lars Hinrichs. Am Dienstagabend hielt der erst 33-Jährige bei der "WEPP Lounge" in Hamburg eine Rede über Zustand und Entwicklung der Internetbranche. MEEDIA sprach am Rande der Veranstaltung mit Hinrichs über die Bedeutung von Facebook und Twitter, den enormen Aufstieg von Apple und darüber, warum er seiner Großmutter ein iPad kaufen wird und warum er mit dem Geotagging-Dienst FourSquare nichts anfangen kann.

MEEDIA: Herr Hinrichs, Sie sind allen in der deutschen Internet-Landschaft als Gründer von Xing bekannt – dem einzigen Web 2.0-Unternehmen, das es an die Börse geschafft hat und das erfolgreich. Warum haben Sie Ende letzten Jahres Ihre Anteile verkauft?

Lars Hinrichs: Es war ein konsequenter Schnitt. Ich wollte etwas Neues machen. Ich hätte nie gedacht, dass ich ein Unternehmen wie Xing, das immer aus einer Idee entspringt, über fünf Jahre führen würde. Ich bin ein Seriengründer. Ich brauche die neue Herausforderung.   

Sie haben in Ihrem heutigen Vortrag erklärt, Sie arbeiten seit September an einer neuen Firma. Was ist das für eine Firma?
Das wird nicht verraten.

Warum nicht? Ganz Internet-Deutschland fragt sich, was der Xing-Gründer als Nächstes vorhat.
Keine Chance, sorry. Wenn ich etwas zu sagen habe, erkläre ich es auf Twitter unter twitter.com/larshinrichs

Warum dort?
Twitter ist die erste und direkteste Nachrichtenquelle, die ich selbst nutze. Noch vor SPIEGEL Online. Ich muss nicht nach Nachrichten suchen. Die Nachrichten kommen zu mir.

Aber es gibt Stimmen und Statistiken, die behaupten und belegen, der Hype wäre vorbei.
Moment. Twitter wächst nicht mehr so exponentiell wie 2009. Aber es wächst. Twitter ist kein Hype, das Realtime-Web und Cloud Service sind die Zukunft.

Was macht Twitter so besonders?
Die Unmittelbarkeit. 140 Zeichen und live. Schneller und mehr auf den Punkt geht es nicht.

Was ist mit Facebook?
Facebook versucht in letzter Zeit etwas, wie Twitter zu sein. Aber Facebook hat seinen ganz eigenen Wert der im privaten Umfeld bzw. dem ersten Grad der Vernetzung liegt. Und auch Facebook ist eine sensationelle Company.

„Eine sensationelle Company“, sagt der ehemalige Xing-Gründer, der mit seinem Business-Netzwerk in einem gewissen Konkurrenz-Verhältnis zu Facebook steht?
Das tat Xing nie.

Warum?
Machen wir uns nichts vor: Es gibt einen klaren Unterschied zwischen der Business- und Freizeit-Identität. Es sind zwei Welten. Xing ist die Business- und Facebook die Freizeitwelt. Man möchte aber nicht unbedingt seinen Kollegen in Bermudashorts im Urlaub sehen – oder so gesehen werden.  Das findet bei Facebook statt. In allererster Linie ist Facebook die größte Fotosharing Community im Web. 60 Prozent der Seitenzugriffe auf Facebook entfallen auf Fotos.

Glauben Sie an den Erfolg von Facebook und etwa an einen Börsengang?

An beides. Facebook geht sicher an die Börse. Laut Medienberichten hat Facebook letztes Jahr über 700 Millionen Dollar Umsatz gemacht, und Facebook hat mittlerweile Yahoo bei den Seitenabrufen überholt. Wir erleben da sicher einen sehr großen Börsengang. Wann der IPO kommt, ist nur eine Frage des richtigen Zeitpunkts.

Was kommt danach: Was ist mit FourSquare?
Für FourSquare kann ich mich nicht so begeistern. Ich bin nicht der Typ, der gerne mitteilt wo er gerne ist. Ich vermute, dass die aktuelle Location langfristig eine Meta-Information ist, die jetzt schon optional bei Twitter und sicher bald übergreifend bei Facebook eher genutzt wird.

Welche weiteren bemerkenswerten Trends im Internet sehen Sie noch?
Viel interessanter sind die Entwicklungen der großen Player. Also: der so genannte Zweikampf zwischen Apple und Google, der keiner ist. Es sind beides für sich genommen Ausnahme-Unternehmen, genauso wie Amazon. Und die drei werden gewinnen.

Der kommende "Apple-Google-Krieg" ist also eine Medienerfindung?
Ja. Es gibt keinen Krieg. Beide Unternehmen wachsen in ihren Bereichen und tun eher anderen weh.

Wem?
Microsoft und etwa Nokia. Apple hat Nokia mit dem iPhone alt aussehen lassen, insbesondere bei den Kunden, die gutes Geld verdienen. Aber das war erst der Anfang!

Was halten Sie vom iPad?
Ich werde es haben, wenn es draußen ist und ich werde auch gleich eines für meine Großmutter kaufen, das ist das perfekte Gerät für Leute, die keinen Computer mehr kaufen wollen oder erlernen wollen. Ich bin ja erst relativ spät Mac-Nutzer geworden. Inzwischen sind Apple-Produkte für mich nicht mehr wegzudenken.

Apple nimmt sich nun die ganze Multimedia-Palette vor und revolutioniert sie. Beim 10-Inch-iPad ist lange nicht Schluss. Die Geräte werden größer werden, Apple dringt ins Wohnzimmer vor. An Stelle von TV-Geräteherstellern wie Samsung oder Sony würde ich mir Sorgen machen. Warum sollte Apple nicht das Betriebssystem für die Medienauslieferung auf großen Bildschirmen der Zukunft sein?

04.02.2010

Nils Jacobsen

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