Das Musikvideo ist knapp zehn Minuten lang und derzeit ein Top-Hit im Internet: "Telephone" von Lady Gaga und Beyoncé. Der Clip, der von dem schwedischen Star-Regisseur Jonas Åkerlund gedreht wurde, wird ungekürzt nur im Internet gezeigt. MTV und Co. ist die Gaga-Ware zu gewagt. Gezeigt werden u.a. Frauenküsse im Knast, sehr viel nackte Haut, und eine Massenvergiftung. Lady Gaga etabliert sich mit dem Clip-Kunstwerk aufs Neue als perfekte Meisterin der gezielten Medien-Provokation.
Die erst 23-jährige Lady Gaga (echter Name: Stefani Germanotta) zementiert mit dem jüngsten Video-Geniestreich ihren Status als neuer weiblicher Superstar. Dabei spielt sie wie keine zweite mit ihrem Medien-Image und der gezielten, ironischen Provokation. Obacht: Wegen des teils expliziten Inhalts muss man sich bei YouTube erst anmelden, bevor das Video startet. Alte Gerüchte, sie sei in Wirklichkeit ein Mann, werden in dem Video zu einem derben Witz verwurstet. Lady Gaga zeigt sich in immer abstruseren Kostümierungen und wild geschnittenen Szenen zwischen klassischer Popvideo-Choreografie und einer Hommage an Quentin Tarantinos "Kill Bill"-Filme. So sind Gaga und ihre Gesangspartnerin Beyoncé in dem knallgelb-pinken Pussy Wagon aus den "Kill Bill"-Filmen unterwegs.
Gaga schießt den Vogel ab, wenn sie beispielsweise eine Sonnebrille trägt, die aus brennenden (!) Zigaretten besteht oder statt Lockenwickler Bierdosen in ihre Frisur eingedreht hat. Mindestens alle zwei Sekunden gibt es in dem Video einen neuen skurrilen Knaller. Der Erfolg gibt ihrer Masche Recht. Bereits kurz, nachdem das Video online gestellt wurde, wurde es bei YouTube über eine Million mal abgerufen. Mittlerweile erreichen die Abrufzahlen allein bei YouTube rund 20 Millionen, Tendenz steigend. Die extra-ordinäre Qualität des Mega-Clips spricht sich via Twitter, Facebook und gute alte Mundpropaganda herum wie ein Lauffeuer.
Das Phänomen zeigt, dass das Internet als Marketing-Instrument hervorragend funktioniert. Wenn man weiß, wie es geht und wenn man Qualität bietet. Lady Gaga beweist übrigens auch, dass man im Internet richtig Kasse machen kann. Ihre drei Singles Bad Romance, Just Dance und Poker Face wurden jeweils über drei Millionen Mal im Internet verkauft. Das ist Rekord.
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