Mit seiner Premierensendung "Kerner" bei Sat.1 hat Johannes B. Kerner Maßstäbe gesetzt: in Sachen Langeweile und Uninspiriertheit. Gäste und Themen, die eine Woche zuvor schon bei Günther Jauch zu sehen waren, der unerträgliche Mario Barth, der auch in Kerners Abschiedsshow beim ZDF war, krude Themen und viele Längen machten die Sendung schwer erträglich. Es kam die angekündigte Mischung aus dem alten ZDF-Kerner und „stern TV“. Nur alles viel, viel schlimmer.
Nachdem die fast gleiche Erkennungsmelodie, die erneut von Dieter Bohlen "komponiert" wurde, verklungen war und man Kerner im fast gleich aussehenden Studio sitzen und den ersten Beitrag ellenbogenaufgestützt anmoderieren sah, war klar, in welche Richtung die Show sich entwickeln würde: in keine gute. Dass Kerner und sein Team zum Auftakt einen derart müden, zähen und hingeschlampten Abklatsch bis weit über den Rand der Peinlichkeit hinaus abliefern würden, das überraschte dann schon.
Die Themen waren entweder schlicht langweilig (es gibt in Deutschland viele Verkehrsstaus wegen Baustellen), schon tausendfach durchgenudelt (Arbeitgeber kündigen wegen vermeintlichen Bagatellen) oder schlicht hanebüchen unseriös (junger Mann behauptet mit Toten zu reden). Den absoluten Tiefpunkt erreichte Kerner aber mit der Präsentation populärer Rechtsirrtümer. Genau dasselbe Thema mit demselben Experten (Jurist Ralf Höcker, der natürlich Bücher zum Thema schreibt) hatte Günther Jauch eine Woche vorher in seiner Sendung. Bei aller Liebe: So etwas darf einer Sendung, die schon vor dem Start mit "stern TV" verglichen wurde doch nicht passieren. Das ist einfach schlampig gemacht.
Peinlich auch, dass Kerner mehrfach vorgaukelte, die Sendung sei live. Er forderte Zuschauer auf, Fragen via E-Mail an den anwesenden Arbeitsrechts-Experten zu senden. Später faselte Kerner von „stapelweise Mails“, die er gleich zu beantworten gedenke. Komisch wie er das hinbekommen hat, die Sendung war schließlich gar nicht live. Dies und zahlreiche weitere Details, wie dass Kerner und seine Talk-Gäste dem Studiopublikum stets die Rücken zuwandten, zeugt von einer bemerkenswerten Gleichgültigkeit dem Publikum gegenüber.
Dass Kerner dann mit dem unerträglichen Mario Barth ("kennste, kennste") auch noch einen Gast aus seiner Abschiedssendung beim ZDF recycelte, wunderte da auch nicht mehr. Es war quälend anzusehen, wie sich Kerner erneut zwang, über die sehr schlechten Witze von Barth eine Art Lachen vorzutäuschen.
Die fast zweistündige Sendung zog sich wie Kaugummi. Wer dabei nicht abschaltete oder zu RTL zu "Bauer sucht Frau" zappte, sollte von Sat.1 eigentlich Schmerzensgeld verlangen können. Wenn es einen Quotengott im Fernsehimmel gibt, dann muss er Kerner für diese Zumutung abstrafen. Die Abschaltquoten müssen gigantisch gewesen sein.
Bester, unfreiwillig komischer, Spruch Kerners während der Sendung war die Frage an das Jüngelchen, das angeblich mit Toten reden kann: "Herr Voggenhuber, sind hier auch Tote anwesend." Nein, Kerner. Bis auf diejenigen, die im Laufe der Sendung an akuter Langeweile dahingeschieden sind.
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Letzte Kommentare
03.11.09 20:33
Dirk Mengeringhausen
Prima Kommentar, der vor versehentlichem Einschalten der Sendung bewahrt!
Also hatte Titanic recht:
Sonneborn erzählte doch kürzlich, dass bei der "Titanic" regelmäßig 50-Euro-Scheine verlost worden seien, wenn sich jemand mit der Begründung "Johannes B. Kerner ist als Moderator überbezahlt" bei der GEZ abgemeldet hatte.
Na, dann freuen wir uns doch auf "Switch Reloaded"!
Die nehmen solche Steilvorlagen doch gerne ;-)
PS.: Ich scheu diese "Formate" alle nicht, aber ist Kerner nicht ein Synonym für Beckmann, Jauch und sonstige Konsorten?
Panem et circenses....
03.11.09 11:44
Meinung S. Freiheit
Da ich selten Privatfernsehen schaue und bei JBK bisher schon immer weggeschaltet habe, habe ich die Sendung natürlich aus gleich zwei Gründen verpaßt. Stefan Winterbauer bestätigt meine Eindrücke von dieser Person aber einmal mehr: ein öliger, im Grunde an Themen und Gästen desinteressierter Journalistendarsteller macht einen auf wichtig.
Ich muß Matthias Wenzel zustimmen: Gut immerhin, daß diese Type keine Gebührenkohle mehr kriegt. Man fragt sich dennoch, was SAT 1 bewogen haben mag, JBK wieder zu engagieren. Vom ZDF aus hätte er seinem Bruder im Geiste, Jürgen Fliege, doch so schön geräuschlos ins mediale Nirvana folgen können. Aber wenn die Quoten so bleiben, wird's ja doch noch relativ schnell gehen.
03.11.09 11:31
harry weiland Website
Die Sendung kam aus der tiefsten Mottenkiste. Unvorstellbar, wie man sowas als Auftakt servieren kann. Sieht riecht ja nach Sabotage.
Apropos Buchvorstellung: Wieviel Prozent aller Talk-Show-Gäste sitzen eigentlich aus Promotion-Gründen in Talk-Shows? 70 %? 80%? Und da erzähle mir doch keiner, da fließe kein Geld... Also wahrscheinlich definiert ein Zuschussgeber wer auf dem Sofa sitzt und nicht eine unabhängige Redaktion.
03.11.09 01:20
treets 77
Ich fragte mich, was eigentlich diese Redaktion von Kerner selbst herausgefunden hat? Die Aldi-Story war eins zu eins von Printmedien übernommen. Die Baustellen-Nummer war nicht auf den Punkt gebracht - die Grundthese, das "Chaos" hänge mit den neuen Subventionen zusammen, wurde nicht wirklich verifiziert.
Barth war ne Nummer, die genau so beim ZDF in JBKs Talkshow hätte laufen können.
Frech die Rechtsirrtümer-Sache: genauso hat Stern TV diese Themen schon seit Jahren wiederholt umgesetzt (auch der freche Reporter mit nodsddeutzschem Akzent scheint abgekupfert - wobei mir Hinrich Lührssen bei Stern TV deutlich besser gefällt), schließlich produziert Jauchs Firma ja auch die Sendung "Einspruch" mit diesem Rechtsanwalt als Co-Moderator - und da tritt Kerner auf und behauptet, Jauch würde ihm ein Thema klauen?
Absurd.
Absurd auch, wie unkritisch Themen umgesetzt wurden - siehe Toten-Flüsterer. Selbst Schreinemakers hätte vor Jahren den Mann ganz anders angefaßt.
Erklärung des Ganzen:
Biographie 1: JBK hat außer Smalltalk in seinem Leben niemals ernsthaft Journalistes geleistet. Muss man auch nicht, aber er hat es eben nie getan, hat da keinerlei Erfahrungen.
Biographie 2: der Redaktionsleiter hat in seinem beruflichen Leben im Grunde nie etwas sonst gemacht als für JBK zu arbeiten. Folge: s.o.
Biographie 3: Chefredakteurin Sat1 hat außer Klatsch/Trasch/Prekariats-Fernsehen eigentlich nie etwas sonst gemacht.
Drei entscheidende Figuren also, deren Background nicht sehr unterschiedlich ist. Man kann da nicht sehr viel mehr erwarten. Mal schauen, wie lange die Springer-Presse assistiert.
02.11.09 23:59
Matthias Wenzel
Ich mag einseitige, unausgewogene Kommentare eigentlich nicht. Aber man muss festellen: Sie haben uneingeschränkt Recht, Herr Winterbauer.
Der Herr Anwalt war zudem nicht nur bei SternTV die Woche zuvor zu Gast sondern auch bei Kerner bereits gefühlt 4-5x. Man könnte zudem meinen, Herr Kerner verlegt die Rechtsirrtümer-Bücher persönlich.
Das einzig Gute: Nach dem Umzug zu Sat1 muss man sich wenigstens nicht ärgern, dass man das bezahlt...