Nach der feiertagsbedingten Delle in den Zugriffszahlen hat die Nachrichtenbranche im Januar ein starkes Comeback hingelegt. Acht der Top-Ten-Angebote waren so stark wie nie zuvor, stellten neue Visit-Rekorde auf. Einzig Welt Online und stern.de gelang das nicht, sie blieben unter ihren Bestleistungen aus dem November 2009. Einziger Verlierer der Branche ist die nun automatisierte Netzeitung: Sie verlor im Vergleich zum Dezember heftige 40,2% und flog aus dem Top-50-Ranking der Nachrichten-Sites.
Mit 775.086 Visits befindet sich netzeitung.de nur noch auf Platz 65 der IVW-geprüften Nachrichten-Websites - noch hinter Angeboten von Regionalzeitungen wie dem Trierischen Volksfreund oder der Allgäuer Zeitung. Damit zeigt sich eindrucksvoll, dass eine automatisierte Nachrichten-Website eben doch nicht so viel Publikum anlockt wie eine, die von Journalisten gemacht wird.
Mit gewisser Spannung wurden auch die Zahlen der Springer-Websites von Hamburger Abendblatt und Berliner Morgenpost erwartet. Der Januar war dort schließlich der erste komplette Monat nach Einführung der Bezahlschranken. Ergebnis: Bei den Visits legten beide zu, als sei nichts geschehen: um 15,5% bzw. 12,9%. Bei den Page Impressions wirkt sich die Einführung der Schranken hingegen offenbar sehr wohl aus: Hier lag das Hamburger Abendblatt mit 36,05 Mio. PIs weit unter den Monaten September bis November, als jeweils mehr als 50 Mio. PIs zusammenkamen.
Zu den Rekordjägern im Januar gehören also acht der zehn Visits-stärksten Kontrahenten. Bild.de verbesserte die alte Bestleistung um mehr als 10 Mio. Visits, Spiegel Online verbesserte seinen Rekord um mehr als 1,7 Mio. Visits, Focus Online und sueddeutsche.de um mehr als 1,4 Mio. Visits und auch n-tv.de, FAZ.net, Zeit online und RP Online stellten neue Alltime-Bestleistungen auf.
Im Vergleich zum Dezember gewann die gesamte Top 50 der Branche hinzu, keine einzige Nachrichten-Website lag unter den Zahlen aus dem letzten Monat des Jahres 2009. Prozentual gesehen lief es auf den ersten 25 Plätzen für die Hamburger Morgenpost am besten: Mit einem Plus von 40,1% pulverisierte das Boulevard-Angebot sein Dezember-Ergebnis und stellte natürlich auch einen neuen Rekord auf. Einen gehörigen Anteil an dem Wachstum dürfte der neue HSV-Star Ruud van Nistelrooy haben, dessen Transfer nach Hamburg am 21. Januar bekannt geworden war.
Unterdurchschnittlich stark hinzugewonnen haben stern.de und manager magazin online mit einem Plus von jeweils 8,0%, sowie das Duo aus Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten mit einem Zuwachs von 7,5%:
In der zweiten Hälfte der Top 50 gibt es gar nur einen Konkurrenten, der weniger als 10% hinzugewann: OVB online aus Rosenheim mit einem Plus von 9,8%. Verlierer gibt es deswegen keinen, weil die Netzeitung mit ihrem Desaster-Januar ja von Platz 39 auf 65 geschliddert ist - also raus aus der Top 50.
Zwei der Websites auf den Rängen 26 bis 50 gewannen hingegen mehr als 30% hinzu: The Local (+34,0%) und ka-news.de aus Karlsruhe (+42,4%). Der Traffic des englischsprachigen Angebotes The Local stammt dabei allerdings nur zu 29% aus Deutschland. Weiterhin deutlich zulegen konnten NWZonline (+28,2%), die BZ aus Berlin (+25,6%) und die Wirtschaftswoche (+24,6%):
Eine gesonderte Analyse zum IVW-Geschehen außerhalb der Nachrichten-Branche finden Sie an dieser Stelle.
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Letzte Kommentare
09.02.10 07:58
Sebastian Karpp
im Dezember fehlen praktisch 10 Tage, wegen Weihnachten. Da ist es keine Kunst, in den Januar-Zugriffen zuzulegen :-) In der Überschrift wird das auch berücksichtigt, aber nicht bei den Rankings die angezeigt werden.
09.02.10 00:36
Olav Schulz
Eine Tageszeitung einer kleinen Großstadt auf Platz 49. Alle Achtung "ka-news" !
08.02.10 14:05
Matthias Kretschmer Website
Bei der Betrachtung der in der Tat überraschend hohen Visit-Zuwächse des Hamburger Abendblatts sollte man allerdings die Zahlen der Konkurrenz berücksichtigen:
Die Hamburger Morgenpost hat im Dezember im Gegensatz zum Branchentrend kaum verloren und im Januar um satte 40% zugelegt.
Hier scheint(!) es zu einem massiven und nicht sonderlich überraschenden Ausweichverhalten zu kommen.