Deutschlands Regionalzeitungen verlieren weiterhin Abonnenten und Kiosk-Käufer. Fast alle der wichtigsten Titel befinden sich laut der neuen IVW-Quartalsauflagen im Minus, einzig die "Hamburger Morgenpost" konnte bei den Abos und im Einzelverkauf zulegen. Besonders hoch sind die Verluste weiterhin im Osten, wo "Mitteldeutsche Zeitung" und "Leipziger Volkszeitung" über 4% einbüßten. Auch die "B.Z." aus Berlin und die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe gehören zu den großen Verlierern.
Beginnen wir unsere traditionelle Rundreise durch die wichtigsten Zeitungsauflagen wie immer in Berlin, dem wohl umkämpftesten Markt der Republik. An der Spitze bleibt dort zwar weiterhin die "B.Z.", doch das Boulevardblatt verlor 3,8% ihrer Vorjahresauflage. Besonders bitter: Im für Kaufzeitungen besonders wichtigen Einzelverkauf ging es um heftige 9,4% nach unten. Über 14.000 Zeitungen weniger verkaufte die "B.Z." im abgelaufenen Quartal Tag für Tag am Kiosk. Ohne die Steigerung der Sonstigen Verkäufe um fast 6.000 Exemplare hätte die "B.Z." also ein noch viel größeres Minus verkraften müssen.
Auch bei der "Berliner Morgenpost" und dem "Tagesspiegel" sieht es nicht so gut aus: Obwohl unter dem Strich ein Auflagenplus zu sehen ist, liegt es in diesen beiden Fällen nur daran, dass man mehr Zeitungen per Sonstigem Verkauf verteilt hat. So hat die "Morgenpost" auf diese Art ein Abo-Minus von 6,4% ausgeglichen, der "Tagesspiegel" ein Abo-Minus von 3,6%. Vergleichsweise glimpflich davon gekommen ist die "Berliner Zeitung", die ihren Einzelverkauf an Kiosk & Co. sogar um 741 Exemplare steigern konnte. Bei den Abos ging es aber auch bei ihr um 3,9% nach unten.
Bei den Zeitungen der östlichen Bundesländer leuchten die Minuszeichen wie erwähnt weiterhin besonders rot. Einzig die Ostsee-Zeitung verlor mit 0,3% unterdurchschnittlich stark. Für die "Schweriner Volkszeitung" (-3,6%), die "Mitteldeutsche Zeitung" (-4,5%), die "Leipziger Volkszeitung" (-4,1%) und die zur WAZ gehörenden drei Blätter der Zeitungsgruppe Thüringen (- 3,7%) ging es hingegen heftig nach unten. Der "Mitteldeutschen Zeitung" und der ZGT gingen damit sogar jeweils mehr als 10.000 Käufer abhanden.
Auch im Norden gibt es einen großen Verlierer: das "Hamburger Abendblatt". Allerdings muss hier ebenfalls eine kleine Einschränkung mitgeliefert werden. So baute das "Abendblatt" rund 6.700 Sonstige Verkäufe ab. Doch auch ohne dieses künstliche Minus befände sich das Blatt unter den Verlierern: Bei den Abos ging es um 3,5% nach unten. Die andere Hamburger Zeitung, die "Morgenpost" ist hingegen der große Gewinner unter all den wichtigen Regionalzeitungen, die wir für unsere Auflagen-Rundreise überprüft haben. Nur sie konnte im dritten Quartal sowohl bei den Abos als auch im Einzelverkauf leicht zulegen. Das Gesamt-Plus von 1,7% ist noch erstaunlicher, wenn man sich die Verluste der anderen Kaufzeitungen wie "Express", "B.Z." & Co. anschaut.
In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind die Minuszeichen relativ gering, hier bleiben die Käufer ihren Zeitungen also weitgehend treu. Das kleine Plus der "sh:z" kommt allerdings nur durch ein Plus von 3.000 Sonstigen Verkäufen zustande. Im größten Bundesland der Republik gibt es auch den größten Verlierer - zumindest nach absoluten Zahlen. Um 27.509 Exemplare ist die verkaufte Gesamtauflage der WAZ-Mediengruppe geschrumpft - ein Minus von 3,3%. Ohne den Anstieg von 4.700 sonstigen Verkäufen sähe es sogar noch schlechter bei den WAZ-Zeitungen aus: Die Abos gingen um 3,7% zurück, der Einzelverkauf um 6,9%. Auf ähnlichem Niveau verlor in NRW auch der "Express", desen Quartalsauflage um 2,7% zurück ging. Die anderen Titel verzeichneten lediglich ein Minus um 1%, die "Rheinische Post" läge sogar leicht im Plus, hätte man dort nicht rund 3.300 Sonstige Verkäufe abgebaut.
Überdurchschnittlich treu sind die Zeitungskäufer im Süden Deutschlands. Besonders in Baden-Württemberg und in Bayern verloren die sechs wichtigsten Regionalzeitungen maximal 1,5%, die meisten blieben sogar unterhalb der 1%-Marke. Ähnliches gilt für die "Saarbrücker Zeitung". Etwas deutlicher sind die Verluste in Hessen, wo insbesondere RheinMainMedia ("Frankfurter Neue Presse", ...) 3,1% verlor. In Rheinland-Pfalz büßte die Top 3 unterdessen zwischen 1,2% und 1,8% ein.

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Letzte Kommentare
20.10.09 18:21
D Gast
Hui,
wie kommt denn das zustande bei Bravo-Sport + 25 %??
http://daten.ivw.eu/index.php?menuid=1&u=&p=&detail=true
20.10.09 16:08
Ralph Strickler Website
Schade, dass man über die alte Tante Tageszeitung mal wieder (fast) nur zu unken weiß. Aber bad news sind halt einfach besonders sexy. Nichts desto trotz, die wenigen rühmlichen Ausnahmen im 3. IVW-Quartal hätten schon eine Erwähnung verdient gehabt.
Nun ist Freiburg zwar nicht Berlin, Stuttgart oder Hamburg (und der SC ist auch nur Tabellenelfter und nicht Zweiter wie der HSV; vor Hertha und dem VfB hält man sich allerdings nach wie vor hartnäckig). Die Badische Zeitung spielt aber immerhin in der selben Auflagen-Liga wie etwa die Saarbrücker Zeitung, die Berliner Zeitung oder die Ostsee-Zeitung. Und erst recht in der von Hunderttausendern wie Lübeck, Kiel oder der bejubelten MoPo aus HH.
Und das beste: im kleinen badischen Dorf im tiefen deutschen Südwesten freut man sich im Q3/09 über ein Plus von 0,76% bei der verkauften Auflage bzw. über eine (fast) stabile Aboauflage (-0,06%). Und das traditionell ohne Flieger-, Eisenbahn- und sonstige Verkehrsmittelbestückung.
Also, lieber Herr Schröder: beim nächsten Mal bitte frei nach dem Motto "Wo bitte bleibt das Positive?" etwas geduldiger nach dem Guten Ausschau halten!