Die Website isharegossip.com ist so etwas wie die Speerspitze des Cyber-Mobbings in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen die Website, Jugendschutzverbände versuchen, das Angebot vom Netz zu nehmen - bislang erfolglos. Auf der Seite verbreiten in erster Linie Schüler anonyme Beschimpfungen. Der Server der Website befindet sich in Schweden. Sich gegen das Cyber-Mobbing von isharegossip.com zu wehren, fällt nicht leicht.
Ein Blick auf die Website isharegossip.com lässt Eltern und Lehrer meistens blass vor Schreck werden. Fein sortiert nach Bundesland und Schule hagelt es dort Beschimpfungen und Lästereien, die an Obszönität nicht zu überbieten sind. “Behinderte Schlampe, geh sterben Hure” heißt es da beispielsweise mit der vollen Klarnamen-Nennung einer Schülerin. Die Einträge sind in der Regel eine Abfolge an unflätigen, obszönen Erniedrigungen, sehr oft sexueller Natur.
Einige Kommentatoren auf der Website versuchen, gegen die Beschimpfungen anzuschreiben, was aber meist wenig erfolgreich ist. isharegossip.com hat an Schulen und in Medien bereits einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Über Facebook-Seiten, auf denen sich einige Opfer der Seite solidarisieren, haben auch schon TV-Sendungen wie das Sat.1-Magazin “Planetopia” Mobbing-Opfer für Interviews gesucht. Ob es den Gemobbten hilft, im Fernsehen aufzutreten, ist aber auch eher zweifelhaft.
Aber natürlich ist isharegossip.com eine Idealvorlage für besorgte Eltern, Verbände und eben auch Medien. Alle Versuche, der Seite mit juristischen Mitteln beizukommen sind bisher gescheitert. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt, es gab Anzeigen u.a. wegen Beihilfe zur Beleidigung und übler Nachrede - gebracht hat das bislang nichts. Angemeldet wurde isharegossip.com in Neuseeland, die Server stehen in Schweden, wie einer der Betreiber in einem Interview erklärte beim gleichen Anbieter wie die Server von Wikileaks. Inhaber der Seite ist laut isharegossip.com eine Firma namens Jufax Intertaiment in Riga, Lettland.
Gegründet wurde isharegossip.com von einem gewissen Aaron G. Vorbild der Website ist angeblich die US-Fernsehserie “Gossip Girl”, in der ein Mädchen aus New York anonym im Internet bloggt. Dementsprechend heißen die isharegossip.com-Verzeichnisse auch GossipGirlBerlin, GossipGirlHessen usw. Verantwortlich laut Impressum ist ein Alexander Liepa als Vertreter der Betreiberfirma Jufax. Über diese Firma findet sich im Internet freilich keine Information, außer dass sie als Inhaber von isharegossip.com auftritt. Greifbar ist das für Geschädigte alles nicht.
Was aber können Eltern oder Schüler konkret tun, die von Mobbing-Attacken bei isharegossip.com betroffen sind? Zunächst einmal sollten die Beleidigungen mit Screenshots und Datum dokumentiert werden. Anschließend sollte man den Fall den Seiten-Betreibern von isharegossip.com melden und diese auffordern die Inhalte sofort zu löschen. Auch die Schule und Lehrer sollten umgehend informiert werden. Eventuell ist ein Elterngespräch in der Klasse hilfreich, um mit drastischen Fällen umzugehen. Man kann sich auch an Initiativen wie klicksafe.de oder jugendschutz.net wenden, die sich für Jugendschutz im Internet einsetzen. Dort ist isharegossip.com bereits bestens bekannt und man kann eventuell weiterhelfen. Generell besteht die Möglichkeit, eine zivilrechtliche Klage anzustrengen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings schwer abzuschätzen, da die Website vom Ausland aus betrieben wird und wie beschrieben, kaum greifbar ist.
Einige Gegner der Webseite haben versucht, isharegossip.com Mit Spam-Kommentaren zu überfluten und somit unbenutzbar zu machen. Die Betreiber reagierten mit einer verbesserten Anti-Spam-Software. Auch wenn es nicht leicht fällt: Die wirksamsten Mittel gegen Cyber-Mobbing vom Schlage isharegossip.com sind wahrscheinlich eisernes Ignorieren und Beistand innerhalb der Familie und des unvirtuellen Freundeskreises. Mit legalen oder technischen Mitteln ist dem Online-Mob derzeit nur schwer und mit Zeitverzögerung beizukommen. Wie sagte es einer der anonymen Betreiber von isharegossip.com in einem Interview mit Journal Frankfurt: “Wenn wir die Seite schließen würden, machen andere weiter. Das ist ein Kreislauf, eine logische Entwicklung des Internets. Wir haben das Rad nicht neu erfunden. “
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