Willkommen in der eigenen Chefredaktion: Das Start-up Personal News bietet Zeitungslesern ab 1. Februar die Möglichkeit, ihre Morgenlektüre selbst zusammenzustellen. Auf individuelle-zeitung.de lassen sich aus regionalen, nationalen und internationalen Titeln die Inhalte auswählen, die man am nächsten Tag in seiner Zeitung lesen möchte, z. B. den Sport aus der Welt und die Politik aus der Denver Post. Zum Start gibt es den Service nur als E-Paper und pdf, doch die gedruckte Zeitung soll folgen.
Nach einer erfolgreichen Testphase in der Schweiz im vergangenen Jahr, öffnet das Augsburger Start-up nun auch den Deutschen die Tür zur eigenen Chefredaktion. Auf individuelle-zeitung.de kann der User aus maximal 10 regionalen, nationalen und internationalen Tageszeitungen einzelne Ressorts wählen, die er am nächsten Morgen ganzseitig als pdf-Dokument und/oder E-Paper lesen möchte. Die individuellen Links zu den Zeitungsseiten werden per E-Mail zugestellt und zusätzlich in einem persönlichen Archiv gespeichert.
Zur Auswahl stehen insgesamt 15 Tageszeitungen: von der Washington Post über Die Welt bis zur Abendzeitung aus München. Weitere sollen folgen. "Wir freuen uns über jede Anfrage", so Serdar Mansour Azar, Leiter der Personal News. Jede der angebotenen Tageszeitungen stellt dabei nur bestimmte Rubriken zur Verfügung: Bei den überregionalen und internationalen Titeln sind es unter anderen nur die wichtigen Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Feuilleton und Sport, bei den regionalen Blättern sind es auch Leserbriefe oder Gruß- und Todesanzeigen. Hinzu kommt das Angebot der Rätselschmiede, einer Agentur aus Hessen, die täglich ein Sudoko-Spiel oder eine Knobel-Seite zuliefert. Die Inhalte bzw. Rubriken können bis 19 Uhr des Vortages flexibel im persönlichen Account geändert werden – ein besonderer Service, denn nicht jede Rubrik erscheint täglich in der Zeitung. Zudem kann der Leser selbst bestimmen, an welchen Wochentagen er seine individuelle Zeitung beziehen will und wann er lieber pausieren möchte.
Der technische Vorgang verläuft folgendermaßen: Mithilfe einer ausgefeilten Software, die von der Firma Syntops GmbH entwickelt wurde, werden die Wunschinhalte von den jeweiligen Verlagen beschafft, aufbereitet und kontrolliert bis sie schließlich digital gedruckt und dem User zugestellt werden. Dieser vollautomatische Prozess dauert 15 Minuten.
Das Start-up sieht sich dabei nicht als Konkurrent der Verlage, sondern als eine Art Dienstleister. "Unser Ziel ist es, den Verlagen einen neuen Vertriebsweg zu ermöglichen und eine neue Einnahmequelle für sie zu werden", sagt Azar. 25 personalisierte E-Paper kosten 25 Euro. Die Verlage werden dabei an den Verkaufserlösen beteiligt. Zudem will das Start-up auf Dauer die Möglichkeit anbieten, auch individuelle Werbung schalten zu können. Man führe derzeit noch Gespräche mit Werbepartnern, so Azar.
Als Pluspunkt der personalisierten Zeitung sieht er vor allem die Inhalte der internationalem Titel an: "Die Kunden wissen das sehr zu schätzen, dass sie die internationalen Zeitungen auch tagesaktuell bekommen und teilweise auch schon bevor man sie überhaupt in den USA kaufen kann", sagt Azar. Die Washington Post sei schon zwei Tage alt, wenn man sie hierzulande kaufen könne und koste fünf bis sieben Euro. Ein vergleichsweise hoher Preis.
Während der Testphase in der Schweiz wurden neben den digitalen auch gedruckte Zeitungen erfolgreich vertrieben, allerdings nur an eine Gruppe von 100 Personen, die in Zürich lebte. "In Deutschland ist die Nachbereitung und Logistik noch nicht so weit, dass man das hierzulande qualitativ und seriös dem Endkunden zutrauen könnte", so Azar. Eine Testphase in größeren Städten sei aber in Planung. Schließlich sei Druck die Spezialisierung des jungen Start-up.
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