WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach hat sich in einem Gastbeitrag für den evangelischen Pressedienst (epd) für Bezahlinhalte im Internet ausgesprochen. "Ein Journalismus, der nichts kosten darf, ist teuer bezahlt", schreibt Hombach. Er fordert eine gemeinsame Initiative aller Verlage, um kostenpflichtige Nachrichten im Internet einzuführen. Angeregt wurde die Debatte vor einigen Wochen durch Medienmogul Rupert Murdoch, der Paid Content zur neuen Medien-Maxime empor hob.
Schützenhilfe erhält Hombach von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, der bereits zuvor in einem "FAZ"-Interview ankündigte, in seinem Haus Paid Content schrittweise einzuführen. "Ohne unabhängigen, glaubwürdigen, investigativen Journalismus, der den Mächtigen auf die Finger sieht und den Pfusch am Bau der Gesellschaft enthüllen kann, ist eine freie und offene Bürgergesellschaft nicht denkbar", sagt Hombach. Damit appelliert er an die Funktion der freien Presse, die als vierte Gewalt im Staat ein unabhängiges Regulativ bildet.
Die Qualität des Journalismus müsste finanziert werden, was angesichts der Umsonst-Kultur im Web nicht funktionieren könne. "Ohne unabhängigen, glaubwürdigen, investigativen Journalismus, der den Mächtigen auf die Finger sieht und den Pfusch am Bau der Gesellschaft enthüllen kann, ist eine freie und offene Bürgergesellschaft nicht denkbar". Diese Qualitätssicherung sei "nicht zum Nulltarif zu haben", erklärt der WAZ-Chef in dem epd-Beitrag.
Die Debatte müsse sehr gründlich geführt werden. Dabei sei es wichtig, dass die Initiativen "aus den Medien und aus dem Netz selber kommen" müssten und nicht aus der Medienpolitik. Gratis-Angebote im Web führten zu einem Verkommen des Qualitätsjournalismus. Ein "tapsiger Laienjournalismus", der immer nur zu sich selber sende, sei die Lebenszeit nicht wert, die man ihm widme.
Die Forderung Hombachs findet nicht überall Unterstützung. So erklärt etwa Handelsblatt-Reporter Thomas Knüwer, dass gemeinsame Bezahlwände durch die Verlage, interessante Kartellverfahren nach sich ziehen könnten. Knüwers Argument: "Verschwinden die Angebote hinter Bezahlwänden, darf trotzdem über das, was sie berichten, berichtet werden. So etwas nennt sich Pressefreiheit und ist in einem Werk namens Grundgesetzt festgemauert worden."
19.08.2009
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Letzte Kommentare
20.08.09 09:05
Christoph Salzig Website
Grundsätzlich ist es doch gar nicht verwerflich, dass jemand für seine Leistung Geld verlangt. Die Frage aber muss erlaubt sein, ob die Leistung auch stimmt. Proprietäres Verlegerdenken, an dem sich auch durch einen Schulterschluss wohl nicht viel ändern dürfte, verhindert aber, dass die Bereitschaft für den gelieferten Content auch zu bezahlen tatsächlich steigt - nicht nur bei Thomas Knüwer. Mehr dazu: http://merky.de/436497
19.08.09 18:20
friedrich reimann
herrn knüwer kann nicht zugestimmt werden.
die online-information ist zum täglichen mehrmaligem gebrauch geeigneter als das studium ganzer printmedien. die werden aber klaglos vom konsumenten bezahlt. für eine "flat", sagen wir mal 3 bis 5 onlinezutritte (z.b. spiegel-online/faz-online/welt/hb und mm)wäre ich als abbonent bereit, monatlich 20 - 30 euro zu zahlen.
kartellrechtlich wäre das nicht in frage zu stellen, wenn der abonnent kurze kündigungsfristen oder das recht hätte, titel innerhalb des paketes zu tauschen.
wenn herr knüwer recht hätte dürfte es auch kein pay-tv geben. warum kann bundesligafußball geschützt werden und wirtschaftsnachrichten nicht ?
mfg
reimann