Bei seinem Auftritt auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona erklärte Google-Chef Eric Schmidt das Zeitalter der PCs für beendet. Personalcomputer hätten Großrechner abgelöst und würden nun ihrerseits von Mobilgeräten abgelöst. Googles Motto laute darum "Mobile first!". Alle Google-Entwicklungen sollen künftig in erster Linie mit Blick auf Mobilgeräte entstehen, so Schmidt. Das neue, viel kritisierte Social-Media-Angebot Google Buzz sieht er bereits als Teil dieser Strategie.
Das Spannendste an Google Buzz sei die mobile Komponente, wenn man Freunden oder Bekannten unterwegs beispielsweise Restaurant-Empfehlungen aufs Handy schicken kann. Dass es viel Kritik an Google Buzz zum Start gegeben hatte, bezeichnete Schmidt nonchalant als "Kommunikationsproblem".
Kern-Element von Googles Mobile-Strategie ist und bleibt aber das mobile Betriebssystem Android. "Wir wollten mit Android ein Plattform-Ökosystem bauen, das sehr gut funktioniert. Wir haben jetzt mehr als 65 Partner, 26 verschiedene Geräte, 59 Netzbetreiber in 48 Ländern und in 19 Sprachen. Wir liefern jetzt mehr als 60.000 Android-Geräte am Tag aus. Diese Zahl hat sich im vergangenen Quartal verdoppelt. Und das Wachstum beschleunigt sich weiter. Unser Geschäft boomt", zitiert der FAZ-Netzökonom den Google-CEO.
Android und sein Marktplatz für Apps ist für Google auch vor allem deshalb so wichtig, weil sich endlich eine weitere Erlösquelle neben den Textanzeigen für Google auftut. Bisher verdient der Internet-Konzern sein Geld ausschließlich mit kontext-basierten Textanzeigen bei der Suchmaschine, dem Adsense-Programm und bei Googlemail. Das Modell ist zwar hochprofitabel aber alle Versuche, weitere Erlösquellen zu erschließen, blieben bisher erfolglos. Dank dem Mobile-Trend könnte dies nun klappen.
Schmidt zeichnete eine Zukunft, in der Google dank Cloud Computing, der Verlagerung von Rechenleistung in eine "Daten-Wolke" ins Internet, simultan ein Telefongespräch in eine andere Sprache übersetzen kann. Oder der noch experimentelle Dienst Googles, mit dem Gebäude auf Bildern erkannt und automatisch mit Informationen aus der Cloud verbunden werden können.
Schmidt schlug in Barcelona versöhnliche Töne gegenüber anderen, durch die Digitalisierung schwer gebeutelten, Branchen an. So beruhigte er die nervösen Netzwerkbetreiber. Google habe nicht vor, in großem Stil in Telekom-Infrastruktur zu investieren: "Das ist nicht unser Geschäft." Solche Befürchtungen waren laut geworden, weil Google in den USA ein experimentelles Glasfasernetz aufbaut. Dies diene aber lediglich der Entwicklung neuer Angebote, versicherte Schmidt.
Auch für die Verlage hatte Schmidt ein paar tröstende Worte, die freilich wenig konkret waren: "Generell gibt es Menschen, die dabei straucheln, den Wandel von offline zu online zu schaffen. Aber ich glaube nicht, dass Menschen die Entwicklung des Netzes aufhalten können. Wir müssen also Wege für die Verleger finden, im Internet Geld zu verdienen." Wie diese Wege aussehen könnten, das wusste freilich auch der Google-Chef nicht zu berichten.
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Letzte Kommentare
17.02.10 15:12
Stephan Orgel
Für Computerspiele brauchts keine PCs mehr. Deren Arbeit übernehmen die Spielekonsolen, die (siehe wii) bereits dauerhaft online sind.
Die meisten "Normal"-User juckt es außerdem herzlich wenig, ob irgend welche sensiblen Daten ausgelagert werden oder nicht. Würden wir sonst weiter Google verwenden oder uns in Communities herumtreiben?
17.02.10 14:11
Martin Harnisch
ich persönlich denke, dass Cloud Computing und der Handy-Markt eine tolle Sache sind jedoch nie den PC also solche ersetzen werden, da dies vorsieht das sensible Daten auf einen für den Benutzer nie voll einsehbaren System liegen bzw. bearbeitet werden und somit die Möglichkeit bestünde das Dritte diese daten erhalten oder einsehen.
Desweiteren sind einige Funktionen welche performante Rechenleistungen benötigen, wie Video- und Bildbearbeitung oder auch wahrscheinlich am weitesten verbreitet das Computerspielen zum momentanen Zeitpunkt nicht sinnvoll ausgelagert werden können auf andere Server, da schon aufgrund der Netzwerktechnik die Übertragungsgeschwindigkeiten begrenzt sind.
MFG