Kann ein einziger Handstreich von Google einen florierenden Zweig der digitalen Wirtschaft erledigen? Die Reaktionen auf eine gestern präsentierte Navigations-"App" lassen das vermuten – an der Börse verlor TomTom 21 Prozent, Garmin 16 Prozent, was die Marktkapitalisierung des (Noch-)Marktführers um 1,2 Milliarden Dollar schmelzen ließ. Ihr Problem: Google will die "Maps Navigation" bereits kommende Woche kostenlos anbieten. Und: Dank Google Street View wird es auch Fotos vom Zielort geben.
Zum Start in der kommenden Woche gibt es Einschränkungen: Die GPS-Navigation wird nur in den USA und nur auf Handys mit der Google-Software Android 2.0 laufen. Die Internet-Firma verspricht dreidimensionale Karten und Stimmansagen wie die teure Konkurrenz, obendrein soll es Fotos der Zielorte aus dem "Street View"-Programm von Google geben. Insider sehen in Googles Gratis-App bereits "das beste Navi aller Zeiten".
Die neue Software ist auch ein "unfreundlicher Akt" im Kräftemessen zwischen Google und Apple. Für das iPhone ist die Google-Navi vorerst nicht vorgesehen. Dagegen bietet TomTom neben spezialisierten Navigationsgeräten auch ein entsprechendes Programm für das iPhone an. Offensichtlich könnte Google also das Geschäftsmodell von TomTom, Garmin und anderen mühelos zerstören. Navigations-Anwendungen zählen zu den teuersten, TomTom berechnet für iPhone-Apps zwischen 50 und 100 Dollar pro Land.
Das mobile Zielfindungs-System soll wie die handelsüblichen GPS-Scouts über dreidimensionale Karten und sprachgesteuerte Ansagen verfügen. Darüberhinaus wird es echte Fotos der Zielorte aus dem "Street View"-Repertoire von Google geben. Vorerst ist das Programm allerdings auf die USA beschränkt. Wann die "Maps Navigation" auch für Deutschland und Europa verfügbar sein wird, ist noch nicht bekannt – es dürfte aber nur eine Frage von Monaten sein.
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Letzte Kommentare
30.10.09 10:33
Magnus Schmidt Website
Die Geister die ich rief:
Es ist nicht weiter überraschend, dass Google mit den Spendings seiner Kunden diese nun an den Rand der wirtschaftl. Existenz bringt. Es war nur eine Frage der Zeit wann dies so offensichtlich & aggressiv zu Tage tritt.
Wie man hier, lieber Martin R. Krause, etwas positives ableiten kann, bleibt mir verschlossen.
Ich kann jedem Unternehmen nur empfehlen seine Google-Adwords Strategie gründlich zu überdenken
29.10.09 13:56
Martin R. Krause Website
Das war ja nur eine Frage der Zeit. Google hat mit dem überragenden Google Maps nun mal nicht das beste und detaillierteste zivile Kartenmaterial, sondern es durch die offene Schnittstelle auch mit einer Unmenge an lokal Detailinformationen von der Nutzern erweitern lassen.
Dieses Datenbestand zu einem vollwertigen Navigationssystem zu verarbeiten ist naheliegend und war abzusehen. Keine 100 Euro Update-DVDs von Audi und BMW mehr. Google verschenkt (!!!) diese Daten, was auch nur richtig ist, da das Gros dieser Daten auch nicht von Google stammt sondern dort nur eingesammelt wurde.
Google hat einfach ein anderes Geschäftsverständnis von dem wir bisher stark profitieren. Es ist nun an Garmin, TomTom und den anderen Anbieter die besten Geräte zur Nutzung dieser Daten anzubieten.