Das Ringen um die Sanierungsstrategie bei Gruner + Jahr spitzt sich zu. Am Freitag versandten die Redaktionsbeiräte der Qualitätstitel "Stern", "Brigitte" und "Geo" einen Brief, in dem der Kurs von G+J-Chef Bernd Buchholz massiv kritisiert wird. Noch nie wurde die Führung des Traditionsverlags aus eigenen Reihen derart angegangen. U.a. heißt es: Der "Vorstand hat ... jedes Vertrauen in die Stärke seiner Print-Produkte verloren". Buchholz wies die Form der Kritik intern als "ehrabschneidend" zurück.
Damit hat der Konflikt um Stellenstreichungen und künftige Erlösfelder eine neue Qualität gewonnen. "Wir, die Beiräte von "Brigitte", "Geo", "Geo-Saison" und "Stern", machen uns große Sorgen um die Zukunft des Verlags und seine Blätter", heißt es eingangs in dem Schreiben, das einem Brandbrief gleichkommt.
Der Sparkurs des Vorstands wird besonders kritisch gesehen: "Das empört die Redakteure gerade dort, wo die einzelnen Redaktionen schwarze Zahlen schreiben. Das irritiert aber auch alle anderen Redakteure, weil der Verlag ja insgesamt schwarze Zahlen schreibt. Nur über Abschreibungen und Wertberichtigungen gerät er ins Minus."
Die Beiräte werfen dem G+J-Vorstand vor, die Krise auch als Vorwand für lange geplante Kürzungen zu nutzen und dabei eher persönliche als verlagspolitische Ziele zu verfolgen: "Arbeitsplätze abzubauen und Kosten zu senken, ist in anderen Worten womöglich weniger Zukunfssicherung für den Verlag als Arbeitsplatzsicherung für den Vorstand."
Zudem fehle es an einer tragfähigen Zukunftsperspektive, denn: "Auch ohne eine eigenen Internet-Strategie zu haben, mit der sich Geld verdienen ließe, geht es ihm (dem Vorstand, Anm. d. Red.) um nichts anders als ums Sparen."
Der Brief im Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr Buchholz,
wir – die Beiräte von Brigitte, Geo, Geo-Saison und Stern – machen uns große Sorgen um die Zukunft des Verlages und seiner Blätter. Wir erleben jeden Tag, wie groß die Angst in den Redaktionen ist. Um den Arbeitsplatz, um die Arbeitsbedingungen. Schon jetzt ächzen viele unter dem Mehr an Arbeit, das sie leisten müssen. Und sie tun ihre Arbeit klaglos in der Hoffnung, damit etwas für ihre eigene Zukunft wie für die Zukunft des Blattes zu leisten, bei dem sie arbeiten.
Zugleich sehen viele Redakteure voller Sorge, dass etwa eine Zeitschrift wie Schöner Wohnen 17 Stellen verliert. Und sie fragen sich, ob der Verlag die Krise des Zeitschriften- und Anzeigenmarktes im Augenblick nutzt, um zu erreichen, was schon lange geplant ist: die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen der angestellten Redakteure zu verschlechtern.
Das empört die Redakteure gerade dort, wo die einzelnen Redaktionen schwarze Zahlen schreiben. Das irritiert aber auch alle anderen Redakteure, weil wer Verlag ja insgesamt schwarze Zahlen schreibt. Nur über Abschreibungen und Wertberichtungen gerät er ins Minus.
Wir vermuten dahinter vor allem zwei Gründe: Erstens steht der Vorstand unter immensen Druck, die vom Mehrheitseigner Bertelsmann geforderten Gewinne zu erzielen und auch abzuliefern. Nur wenn dem Vorstand das gelingt, ist er vor den Anteilseignern legitimiert. Arbeitsplätze abzubauen und Kosten zu senken ist mit anderen Worten womöglich weniger Zukunftssicherung für den Verlag als Arbeitsplatzsicherung für den Vorstand.
Zugleich hat der Vorstand allem Anschein nach jedes Vertrauen in die Stärke seiner Print- Produkte verloren. Auch ohne eine Internet-Strategie zu haben, mit der sich Geld verdienen ließe, geht es ihm um nichts anderes als ums Sparen.
Das halten wir für bedenklich. Denn statt die Krise zu nutzen, um die Marken zu stärken und journalistisch so auszustatten, dass die Zeitschriften in ihrem jeweiligen Segment Spitze sind oder bleiben, werden selbst jene Marken geschwächt, die heute das Geld verdienen.
Wir glauben, dass ein langfristiger Erfolg für ein Unternehmen wir Gruner+Jahr nur garantiert ist, wenn man kurzfristig mit den Anteilseignern darüber redet, dass ihre Rendite- Erwartungen in einem mittlerweile so reifen Markt wie dem deutschen Zeitschriften-Markt unrealistisch sind. Und dass nur gut ausgestattete Redaktionen eine Chance haben, auf einem so schwierigen Markt zu bestehen. Das gilt erst recht in Zeiten einer großen Wirtschaftskrise.
Das zu vertreten, hielten wir für eine Aufgabe, die eines Vorstandes würdig wäre.
Die Beiräte von Brigitte, Geo, Geo Saison und Stern."
Gruner + Jahr kommentiert das Schreiben der Beiräte nicht. MEEDIA gelangte aber an ein internes Antwortschreiben von Bernd Buchholz, die im folgenden dokumentiert wird.
Die Replik von Vorstandschef Bernd Buchholz:
"Sehr geehrte Damen und Herren Redaktionsbeiräte,
der Vorstand hat bisher einen kritisch-konstruktiven Dialog mit den Redaktionsbeiräten des Hauses geführt und geschätzt. Dem wäre durch Ihr Schreiben vom gestrigen Tage zukünftig leider der Boden entzogen.
Selbstverständlich hat der Vorstand angesichts der gegenwärtigen Situation und der getroffenen Maßnahmen Verständnis für Besorgnisse und für Ängste von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Redaktionen und im Verlag. Die gegenwärtige Wirtschaftskrise, noch mehr allerdings der strukturelle Wandel der Medienlandschaft, den auch Redaktionsbeiräte nicht ignorieren können und sollten, verlangt allerdings von uns Veränderungsbereitschaft und Veränderungen.
Man kann dabei inhaltlich über die Strategie des Vorstandes, über einzelne Maßnahmen und über notwendige Konsequenzen sicher kontrovers diskutieren.
Der Vorstand ist dazu allerdings nur in einer Atmosphäre wechselseitiger Achtung und wechselseitigen Respekts bereit.
Wer auf der Basis von Vermutungen dem Vorstand des Hauses abspricht, nach bestem Wissen und Gewissen im Interesse der Zukunftssicherung des Verlagshauses Gruner + Jahr zu handeln, und stattdessen unterstellt, dass der Vorstand nur im Interesse der eigenen Arbeitsplatzsicherung agiert, verhält sich ehrabschneidend und damit beleidigend.
Sie haben es in der Hand, die Basis für einen Dialog zwischen Redaktionsbeiräten und Vorstand wiederherzustellen. Wir erwarten Ihre schriftliche oder persönliche Entschuldigung.
Hochachtungsvoll
Für den Vorstand
Dr. Bernd Buchholz"
"Die süße Falle: Diabetes" titelte der Focus am 16. April und bewegte damit deutlich mehr Menschen als in den Wochen zuvor, dass Münchner Magazin zu kaufen. Bei den am Dienstag veröffentlichten IVW-Zahlen für die Verkaufswoche 16 kommt der Focus damit auf 140.324 Heftverkäufe im Einzelhandel (Kiosk, Supermärkte, Tankstellen & Co.) bei einem Gesamtverkauf von 581.419 Exemplaren. Weniger... mehr...
Die US-Firma Visual Revenue hat eine Analysesoftware entwickelt, mit der die Durchschlagskraft von Online-Überschriften getestet werden kann. Das "Instant Headline Testing" soll die Klickraten auf Websites deutlich erhöhen. Die Empfehlungen, wo und wie lange Artikel online stehen sollen, werden laut Unternehmensangaben in Echtzeit gegeben, auf Basis der Nutzerschaft eines... mehr...
Nach hundert Tagen als Besitzer des Deutschen Fernsehballetts sagt Peter Wolf: "Das ist ein Himmelfahrtskommando". Der Berater und TV-Produzent hatte dem MDR das Ballett zum Jahresbeginn abgekauft, die neue Intendantin Karola Wille muss sparen. Reue, Willes Angebot angenommen zu haben, sagt Wolf, verspüre er zwar nicht. Aber die Aufgabe, aus der bisher gebührensubventionierten Truppe... mehr...
5000 Folgen in 20 Jahren. Das sind Zahlen, die im schnelllebigen Medienbusiness für beeindruckende Konstanz stehen. “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” feiert in dieser Woche Jubiläum. Keine andere Serie hat sich im deutschen Free-TV so lange so gut gehalten. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Am Mittwoch lädt RTL zur 5000. Episode. MEEDIA blickt auf das Phänomen "GZSZ", bei dem die... mehr...
Seit der Talk-Reform in der ARD leiden die Talksendungen im Ersten an Themen-Armut und miesen Quoten. Die geballte Ladung von fünf konzeptionell sehr ähnlichen Gesprächssendungen an fünf Tagen hintereinander war keine gute Idee. “Hart aber fair” rettet sich immer öfter in Gaga-Themen, “Anne Will” sucht noch immer ihre Nische und “Beckmann” leidet unter dem Donnerstag-Sendeplatz. Wir... mehr...
Als die ARD ihre "Markenchecks" im Januar aus dem WDR Fernsehen ins Erste verschob, sorgten die ersten Ausgaben für eine Quoten-Sensation. Mehr als 6 Mio. Leute sahen den "Lidl-Check", darunter mehr als 2 Mio. 14- bis 49-Jährige. Doch die drei neuesten Ausgaben kamen im Mai längst nicht mehr an diese Zahlen heran. Nutzt sich das Konzept schon ab? Und welches waren bisher die... mehr...
Die zweite Staffel von "Rachs Restaurantschule" könnte schon die letzte gewesen sein. Nur 1,82 Mio. 14- bis 49-Jährige wollten das Finale am Montag sehen - ein unbefriedigender Marktanteil von 15,5%. Das erste Staffel-Finale sahen im Herbst 2010 noch 2,69 Mio. (19,9%), fünf der sechs Folgen der zweiten Staffel landeten unter den RTL-Normalwerten. Gewonnen hat den Dienstag die Soap... mehr...
Transparenz sieht anders aus: Die "Landespressestelle Bremen" der Piratenpartei hat über ihren jüngsten Landesparteitag Halbwahrheiten verbreitet. Sie berichtete in einer Pressemitteilung über die Wiederwahl des Landesvorsitzenden, unterließ dabei aber jeden Hinweis auf eine Kampfabstimmung um den Vorsitz. Mehrere Medien verließen sich auf die verschleiernde Mitteilung, viele Bremer... mehr...
Google soll der EU-Kommission möglichst in wenigen Wochen Rede und Antwort stehen. Die Kommission hatte Ende 2010 ein Kartellverfahren gegen den Internetkonzern eingeleitet. Vorwurf: Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung auf dem Markt der Suchmaschinen. Joaquín Almunia, Vizepräsident der Europäischen Kommission, hat am Montag einen Zwischenstand gegeben – und fordert... mehr...
Bei einem Auftritt an der Humboldt Uni in Berlin, in einem Stern-Porträt und im aktuellen Focus verarbeitet Thomas Gottschalk sein Scheitern mit “Gottschalk Live”. Die Selbstkritik, die er zur Schau trägt, kratzt aber, wenn überhaupt, nur an der Oberfläche. Mal seien Gäste schuld gewesen, mal habe man sein Konzept nicht richtig umgesetzt, mal hat das Publikum nicht kapiert, was er... mehr...