Die "Financial Times" hat es bewiesen: Auch im Internet verdient FT.com Geld – mit 117.000 zahlenden Abonnenten. Jetzt macht sich die Nachrichten-Organisation für eine allgemeine Trendwende stark. Im Interview mit dem britischen Fernsehsender Channel 4 fordert Chefredakteur Lionel Barber, dass für journalistische Inhalte generell Geld fließen soll. Die Konkurrenz müsse endlich Bezahlmodelle einführen: "Ich möchte unseren Wettbewerbern und dem Rest der Welt sagen, dass es allerhöchste Zeit ist."
Barber betreibt eine Kampagne für einen Mentalitätswandel und die Einführung von Bezahlmodellen im Internet. Gegenüber dem "Guardian" prognostizierte er im Juli, dass die meisten Nachrichten-Sites binnen Jahresfrist Geld für ihren Service verlangen werden.
"Wir haben uns entschieden, für Inhalte Geld zu verlangen, weil wir eine sehr teure Nachrichtenorganisation mit Korrespondenten auf der ganzen Welt unterhalten", erklärt Barber. "Und wenn man Qualität bei Nachrichten, Analysen und Kommentaren produziert, kostet das viel Geld." Die Säulen um dieses Geld zu erwirtschaften seien neben dem Preis der gedruckten Zeitung – der sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelte – und dem Anzeigengeschäft ein solides Online-Bezahlmodell.
Um für Content Geld zu verlangen, müssen Medien-Portale vor allem "eine starke und Autoritätsmarke zu etablieren", erklärt Barber. "Alles andere kommt danach." Der Ausgangspunkt sei ein "besonderes Verkaufsangebot". Hierbei versagten etwa im allgemeinen die Lokalzeitungen: Sie müssten vor allem ihr Angebot an Lokalnachrichten verbessern.
Aber: "Der größte Fehler, den die Nachrichten-Industrie machte, ereignete sich vor ungefähr zehn Jahren, als wir mit der Idee eingelullt wurden, dass Information gratis sei", sagt Barber. "Und dass wir als Nachrichtenorganisation dachten, wir könnten unser Material Aggregatoren wie Google frei zur Verfügung stellen, damit ein großes Publikum anziehen und auf dieser Basis Werbung verkaufen. Wir hätten 'nein' sagen sollen: Information hat einen Preis, sie ist wertvoll und deshalb sollten wir dafür Geld verlangen."
Mit dieser Einschätzung steht Barber unter den Medien-Protagonisten nicht allein. Rupert Murdoch rief bereits zuvor das Ende des Gratis-Internet aus. Sein "Wall Street Journal" – der globale Hauptkonkurrent der "FT" – verfolgt bereits seit langem ein erfolgreiches Paid Content-Modell, mit mehr als einer Million zahlenden Abonnenten und geschätzten 60 Millionen Dollar Einnahmen pro Jahr. Murdoch: "Wir befinden uns mitten in einer Auseinandersetzung über den Wert von Content und es ist offensichtlich, dass für viele Zeitungen das derzeitige Gratismodell nicht funktioniert."
"Ich möchte unseren Wettbewerbern und dem Rest der Welt sagen, dass es allerhöchste Zeit ist. Wenn wir jetzt handeln, können wir einer erfolgreichen Zukunft sicher sein."
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Letzte Kommentare
06.08.09 11:59
marko kurz
Das ist Pfeifen im Walde. So lange nur ein ernstzunehmendes Medium nicht mitmacht, kann er sein Anliegen in die Tonne treten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Spiegel-Online sein nicht ganz unerfolgreiches Geschäftsmodell auf einmal ändert. Warum sollte ich für Focus, FAZ oder ftd.de auf einmal zahlen, wenn ich die immer noch kompetenteste Redaktion Deutschlands umsonst kriege?
Das Dilemma ist, dass die Onliner den Mund vor geraumer Zeit viel zu voll genommen haben, wie eine Art Börsen-Junkies Web 2.0. Keiner erzielt die Erlöse, die er vor drei Jahren prognostiziert hat! Print, TV, Funk... alles ist wesentlich wertvoller zu vermarkten - aus gutem Grund, wie die Werbewirkungsforschung lehrt. Online ist eine riesige Blase, ob Info-Seiten oder Social Networks. Die einzigen, die gut verdienen sind Google und Co.
Das Gejammer der Verleger ist zwar nachvollziehbar, gleichzeitig waren sie es aber, die allen Sprüchklopfern auf den Leim gegangen sind und in Erwartung wahrer Goldgruben die klassischen Medien selbst niedergeredet haben und die Zukunft ausschließlich bei Online sahen. Leider gab und gibt es kein funktionierendes Geschäftsmodell. Nun sind die traditionellen Medien entwertet und die neuen kosten Geld, anstatt welches einzuspielen.
Aber noch gibt es ja Gewinne bei Springer und Co., wenn auch auf kleinerem Niveau. Zur Not gibt es sonst den Staat, der sich zwar eigentlich überall raushalten soll, um das freie Spiel der Kräfte nicht zu stören. Aber für Kurzarbeitergeld ist er allemal gut genug.
05.08.09 16:02
Frank J. R.
Das Schöne ist, dass der Paint-Content hinter einem "SUMA" geschützten Bereich liegt. Sofern sich nicht "Google & Co." als Nutzer anmeldet. Vielleicht erwirbt Google in Zukunft dann ganzen Verlag, um wieder gratis Angebote zu liefern.
05.08.09 13:00
Frank Wolfraum Website
Schön zu sehen, dass es funktioniert. Hoffentlich wird die Idee nicht dadurch unterwandert, dass einige ausbrechen und das Ganze entkräften.
Jedoch bin ich der Meinung, dass es noch einen Unterschied im Bereich der Wirtschaftsmeldungen, dem Bereich Aktuelles oder dem Ressort Freizeit etc. gibt. Es wird nicht möglich sein, für alle Nachrichten aus allen Bereichen des Lebens Geld zu verlangen. Aber die Tatsache, dass es für Fachbereiche funktioniert lässt schon mal hoffen.
Bleibt zu hoffen, dass die Meldungen, für die Leser nicht bereit sind Geld auszugeben, durch entsprechende Zusatzleistungen refinanziert werden können.